Großbritannien Trockenheit enthüllt Geistergarten

Archäologen in Großbritannien freuen sich über das anhaltend trockene Wetter. Es macht im Boden verborgene archäologische Stätten sichtbar - zuletzt kam so ein alter viktorianischer Garten zum Vorschein.

Lancashire County Council

Das trockene Wetter der vergangenen Wochen hilft Archäologen in Großbritannien bei der Arbeit. Im trockenen Boden werden historische Stätten unter der Erde aus der Luft sichtbar, berichtet die Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales.

So offenbarte die Trockenheit etwa einen Geistergarten vor einem alten Landhaus in Lancashire. Das Muster, das im trockenen Rasen zu erkennen ist, zeigt den ehemaligen viktorianischen Garten von Gawthorpe Hall. Das Haus wird vom National Trust for Places of Historic Interest or Natural Beauty betreut.

Wie Managerin Rachel Pollitt der BBC mitteilte, erscheint das Muster in den meisten Sommern. Dieses Jahr sei es aber "wirklich spektakulär". Die Trockenheit habe auch Strukturen erkennbar gemacht, die vorher nicht zu sehen gewesen seien.

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Archäologie: Spuren im Gras

Das Haus stammt aus der Zeit zwischen 1558 bis 1603, als Königin Elisabeth I. das Land regierte. In den 1850ern wurde das Gebäude vom Architekten Sir Charles Barry erneuert, der auch die Houses of Parliament entworfen hat. Wann der alte viktorianische Garten überdeckt wurde, ist nicht bekannt.

Auf alten Mauern wachsen Pflanzen nicht so gut

Die Muster im Boden werden sichtbar, weil Pflanzen abhängig vom Untergrund besser oder schlechter wachsen. Auf Mauerresten oder alten Wegen im Boden sind die Bedingungen beispielsweise schlechter. Auf Feldern und Wiesen kann man dann aus der Luft erkennen, dass Getreide oder der Rasen stellenweise nicht so hoch wachsen.

Bei Trockenheit werden die Unterschiede besonders deutlich, weil die Pflanzen über Gemäuern oder ehemaligen Wegen dann teils nicht nur kleiner sind, sondern mitunter ganz absterben - wie im Fall des Rasens vor Gawthorpe Hall.

Lancashire County Council

Der umgekehrte Effekt ist über alten Gräben zu beobachten. Wo einst Löcher im Boden mit Erde aufgefüllt wurden, ist der Untergrund auch Jahrhunderte später noch reich an Humus und somit besonders fruchtbar. Getreide wächst hier üblicherweise höher und behält bei Trockenheit länger seine frische, dunkelgrüne Farbe als die umliegenden Gewächse.

Römische Villa in Wales entdeckt

In Wales wurde so beispielsweise ein großer Hügelgräberfriedhof aus der Bronzezeit sichtbar. Er liegt auf der Lleyn-Halbinsel im Nordwesten des Landes im County Gwynedd. Außerdem zeigten sich dort im trockenen Grasland Spuren einer prähistorischen Anlage. Andernorts entdeckten Archäologen mehrere viereckige Gräber aus dem frühen Mittelalter und Hinweise auf eine römische Villa (siehe Fotostrecke).

"Bedingungen, wie sie derzeit herrschen, habe ich noch nie gesehen, seit ich 1997 begonnen habe vom Flugzeug aus nach archäologisch interessanten Auffälligkeiten am Boden zu suchen", sagt Toby Driver von der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales. "So viele neue archäologische Stätten, das ist großartig."

Was die einen freut, wird an anderer Stelle allerdings zunehmend zum Problem. Ein Wasserversorger hat im Nordwesten Englands ab 5. August ein Gartenschlauchverbot angekündigt, weil die Wasservorräte auf einen zu niedrigen Stand gefallen sind.

Auch die Archäologen hätten inzwischen nichts mehr gegen Regen. Sie haben fürs erste genug gesehen. "Die neuen Hinweise auf historische Stätten werden uns noch Monate beschäftigen", sagt Driver. Erst, wenn alle Orte systematisch erfasst und untersucht worden seien, könne man auch sagen, welche Bedeutung sie tatsächlich haben.

Video: Archäologie mit Drohne und Laser

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jme



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