Geistige Entwicklung Mehr Grün, besseres Gedächtnis

Auf der Wiese toben, nach Insekten suchen und saubere Luft einatmen - liegt eine Grundschule in der Nähe von Grünflächen, entwickeln sich ihre Schüler besser. Was genau den Effekt auslöst, ist allerdings noch unklar.

Park in Mannheim: Eine Studie deutet darauf hin, dass Grünflächen die geistige Entwicklung von Grundschülern fördern
DPA

Park in Mannheim: Eine Studie deutet darauf hin, dass Grünflächen die geistige Entwicklung von Grundschülern fördern


Grünflächen an Schulen tragen einer Studie zufolge zur kognitiven Entwicklung von Grundschülern bei. Spanische Forscher berichten, dass begrünte Zonen auf dem Gelände oder in der Nähe von Grundschulen mit einer Steigerung von Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit einhergehen.

Die Forscher um Payam Dadvand vom Forschungszentrum für Umweltepidemiologie (CREAL) in Barcelona verfolgten die Entwicklung von knapp 2600 Grundschüler der zweiten bis vierten Klasse aus 36 Grundschulen in Barcelona. Über ein Jahr hinweg machten die Schüler alle drei Monate mehrere Kognitionstests, die das Arbeitsgedächtnis und die Aufmerksamkeit der Kinder erfassten.

Gleichzeitig dokumentierten sie anhand von Satellitenbildern die Grünflächen in der Umgebung von Wohnung und Schule der Kinder.

Umgebung der Schule scheint entscheidend

Das Arbeitsgedächtnis der Kinder nahm in dem Jahr im Mittel um etwa 20 Prozent zu, die Aufmerksamkeit stieg in ähnlichem Maße. Je grüner allerdings die Umgebung einer Schule war, desto mehr steigerten Kinder sowohl ihr Arbeitsgedächtnis als auch ihre Aufmerksamkeit, berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Die Umgebung der Schule scheint dabei offenbar eine besondere Rolle zu spielen: Für die Umgebung der Wohnungen fanden die Forscher keinen solchen Zusammenhang. Auch Ehestatus, Bildungsgrad oder Einkommen der Mutter konnten das Resultat nicht erklären.

Bessere Luft, insgesamt größeres Wohlbefinden

Die Forscher begründen den Effekt unter anderem damit, dass Grünflächen die verkehrsbedingte Luftverschmutzung senken und Schüler zu Bewegung anregen. Sie verweisen auf eine Untersuchung, der zufolge Verkehrsabgase die geistige Entwicklung von Kindern hemmen können. Tatsächlich hatten in ihrer Studie Schulen mit hoher Innenraumbelastung die geringsten Leistungszuwächse. Dies allein könne 20 bis 65 Prozent des gefundenen Effekts erklären, kalkulieren die Autoren.

Zudem könnten Grünflächen die Lärmbelastung senken, so die Forscher. Auch davon könnten die Schüler profitieren. Schließlich könnten Grünräume die Bewegung der Kinder fördern und sie vermehrt mit Mikroorganismen in Kontakt bringen. Dies alles könne das Wohlbefinden und damit möglicherweise auch die Entwicklung der geistigen Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen.

Claudia Mähler von der Universität Hildesheim lobt, dass die Forscher wichtige Einflussfaktoren wie etwa Bildungsgrad oder Einkommen der Eltern kontrolliert hätten. Auch sie hält es für möglich, dass mehr Grünflächen die geistige Leistung von Kindern fördern könnten. "Man weiß aber nicht, ob das ein Gesundheitseffekt ist oder auf angeregter Stimulation beruht", sagt die Psychologin.

Generell sei es sehr schwierig, eine solche Kausalbeziehung nachzuweisen. Es gäbe Hinweise in beide Richtungen. So wisse man beispielsweise auch, dass Kinder mit der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) von Bewegung und passender Stimulation profitieren könnten.

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jme/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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heavenstown 16.06.2015
1. Landleben war schon immer gesünder...
... nur, Einkaufsmöglichkeiten sind vielen Leuten heute wichtiger als gesundes Leben...
Pfaffenwinkel 16.06.2015
2. Der Mensch
ist eben ein Teil der Natur - aber diese Erkenntnis wird heute verdrängt.
cassandros 16.06.2015
3. Landliebe / Stadtwohnung
Zitat von heavenstown... nur, Einkaufsmöglichkeiten sind vielen Leuten heute wichtiger als gesundes Leben...
Das hilft hier aber nicht weiter, denn die Wohnumgebung der Kinder hatte keinen Einfluss! Zitat: "die Umgebung der Schule scheint dabei offenbar eine besondere Rolle zu spielen: Für die Umgebung der Wohnungen fanden die Forscher keinen solchen Zusammenhang."
kleinbürger 16.06.2015
4.
des rätsels lösung. man braucht sich nur die sozial-struktur anschauen. grundschulen in der nähe von grünflächen liegen in der regel in den vierteln in denen die besser situierten bevölkerungschichten leben. grundschulen mit weniger grünflächen eher in vierteln mit sozial schwächeren bevölkerungsschichten. vielleicht nicht völlig aus der luft gegriffen ist die vermutung, dass in den besseren wohnvierteln auch die leute leben die etwas mehr auf dem kasten haben. den tip gibt es gratis.
Iggy Rock 16.06.2015
5. Grün ist nicht alles
Zitat von heavenstown... nur, Einkaufsmöglichkeiten sind vielen Leuten heute wichtiger als gesundes Leben...
In Zeiten des globalen Internethandels sind die meisten Einkaufstempel fast völlig überflüssig, das ist kein Argument gegen das Land. Deutsche Städte sind auch relativ grün, verglichen mit denen in anderen Ländern, insbesondere Spanien. Was die Schulen betrifft, erinnere mich gut an meine Grundschulzeit. Der Blick aus dem Fenster auf die wöchentlich vom Hausmeister gemähte Wiese, auf große Felder dahinter und, in weiter Entfernung, auf ein Mittelgebirge, lenkten mich eher vom lernen ab. Deutlich schlimmer empfand ich, rein gesundheitlich, dunkle Klassenräume mit Nordblick. Die Räume, welche im Süden lagen hatten bei Sonnenschein immer alle Rollläden unten, genauso finster und daher negativ für die Psyche. In vier Jahren ist nie ein Lehrer auf die Idee gekommen, dass man die riesige Rasenfläche der Schule auch einmal für den Unterricht nutzen könnte.
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