Im Dschungel von Guatemala Wissenschaftler entdecken riesige Maya-Stätte

Zehntausende Bauwerke, Platz für zehn Millionen Menschen: Forscher haben in Guatemala eine riesige Maya-Stätte gefunden. Möglich machte das auch eine spezielle Laser-Luftbild-Technik.

AFP/ NOTIMEX

Archäologen sind im Dschungel Guatemalas auf eine Maya-Stätte enormen Ausmaßes gestoßen: Zehntausende bislang unentdeckte Häuser, Verteidigungsanlagen wie Gräben und Schutzwälle sowie Pyramiden, landwirtschaftlich genutzte Flächen von industriellem Ausmaß und Bewässerungskanäle. Das Areal im Norden des Bezirks Petén soll insgesamt etwa 60.000 Bauten auf einer Fläche von 2100 Quadratkilometern umfassen.

Geglückt ist die Entdeckung einer Gemeinschaft von Archäologen aus den USA, Europa und Guatemala. Die Forscher nutzten dabei auch eine spezielle Lasertechnik. Sie kommt bei Luftbildaufnahmen zum Einsatz und wird LiDAR genannt. Diese Kartierungstechnik macht Konturen sichtbar, die sonst unter dem dichten Blattwerk des Dschungels verborgen sind.

Archäologen glauben, dass diese Technologie den Blick auf die Maya-Zivilisation verändern wird. "Ich denke, dies ist einer der größten Fortschritte in mehr als 150 Jahren Maya-Archäologie", sagte Stephen Houston, Professor für Archäologie und Anthropologie an der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island, der BBC.

"Wir können viele weitere Überraschungen erwarten", sagte Houston. Er bezeichnete die aktuelle Entdeckung als "atemberaubend" und fügte hinzu: "Ich weiß, es klingt ein wenig übertrieben, aber als ich die Bilder sah, hatte ich Tränen in den Augen."

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Riesige Maya-Stätte: Verborgen im Dschungel

Die Wissenschaftler vermuten nun, dass einst etwa zehn Millionen Menschen in der Region lebten - etwa zwei- bis dreimal so viele wie bislang angenommen. Dies bedeute, es sei auch eine enorme Nahrungsmittelproduktion notwendig gewesen. So legen die LiDAR-Bilder den Angaben zufolge nahe, dass in einigen Regionen 95 Prozent der verfügbaren Fläche kultiviert war.

"Ihre Landwirtschaft war viel intensiver und nachhaltiger als bislang gedacht", sagte Francisco Estrada-Belli von der Tulane University in New Orleans. So hätten die Maya teilweise sogar sumpfige Gebiete trockengelegt, um sie landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Ein System an Schutzzäunen, Gräben und Bewässerungskanälen lasse zudem auf eine hochorganisierte Lebens- und Arbeitsweise schließen.

Die Maya schufen in Mittelamerika eine der bedeutendsten Hochkulturen der Antike. Sie bauten komplexe Tempelanlagen, besaßen einen hochentwickelten Kalender und waren Meister im Maisanbau. Ihre Blütezeit war zwischen 1000 vor Christus und 900 nach Christus.

"Unglaubliche Verteidigungselemente"

Die Archäologen zeigten sich nach der jüngsten Entdeckung beeindruckt von den "unglaublichen Verteidigungselementen". Dies zeige, dass die Maya mehr Ressourcen in ihre Sicherheit investiert hätten als bislang vermutet, sagte Thomas Garrison vom Ithaca College in New York.

Eine andere Erkenntnis, die die Wissenschaftler überraschte, war ein komplexes Netzwerk von Dämmen, das alle Maya-Städte in der Region miteinander verband. Die erhöhten Wege erlaubten es, auch während der Regenzeit einfach von einem Ort zum anderen zu gelangen. Sie waren nach Ansicht der Archäologen auch breit genug, dass sie für den Handel genutzt werden konnten.

Im Gegensatz zu anderen alten Kulturen, deren Felder, Straßen und Gebäude von nachfolgenden Generationen zerstört worden seien, habe der Dschungel, der über die verlassenen Maya-Stätten gewachsen sei, diese bewahrt - aber auch versteckt, sagte Garrison.

Insgesamt legten die LiDAR-Aufnahmen den Angaben zufolge rund 60.000 Bauten dar, darunter vier große Stätten für zeremonielle Anlässe - mit Plätzen und Pyramiden.

wit/AP



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