Hang zur Polygamie Frauen sind auch nur Männer

Die Frau will ewige Treue, der Mann hält ständig Ausschau nach neuen Partnern - so weit das Klischee. Doch ganz so schlicht funktioniert die Liebe nicht, wie eine neue Studie zeigt.

Gar nicht so treu: Psychologen machten den Monogamie-Check
Corbis

Gar nicht so treu: Psychologen machten den Monogamie-Check


Es gibt offenherzige, sexuell eher freizügige Menschen. Und es gibt die anderen, die lieber monogam leben. Mancher würde sagen: Es gibt Männer und Frauen. In Umfragen geben Frauen regelmäßig an, dass Treue in der Partnerschaft ihnen das Wichtigste sei. Zweifel sind angebracht, zu einem Seitensprung gehören schließlich immer zwei.

Dass die Sache mit der Treue nicht so eindeutig ist, belegt nun eine Untersuchung des britischen Psychologen Rafael Wlodarski der University of Oxford. Auch unter Frauen gibt es unterschiedliche Formen der Partnerwahl - das wurde zwar immer mal wieder berichtet, wirklich untersucht worden sei es aber nicht, sagt Wlodarski.

Mit verschiedenen statistischen Untersuchungen konnten er und sein Team nun zeigen: Sowohl unter Männern als auch unter Frauen existieren zwei Gruppen mit konträren Ausprägungen in Partnerwahl und Fortpflanzung. Bei beiden Geschlechtern gibt es den treuen Typ und den sexuell freizügigeren - dabei fanden die Forscher eine größere monogam orientierte Gruppe bei den Frauen. Wie sie in den Biology Letters berichten, liegt das Verhältnis zwischen Fremdgehen und Treue bei den Männern bei 57 zu 43, bei den Frauen bei 47 zu 53.

Das zeige, wie variabel die Prozesse der menschlichen Partnerwahl seien, sagt Wlodarski - und warum die bisher so strikten Zuschreibungen des untreuen Mannes und der monogamen Frau so nie funktionieren konnten.

Debatten, ob die Unterschiede zwischen den Geschlechtern eigentlich gar nicht so groß sind, gibt es mit schöner Regelmäßigkeit. In den USA und nun auch in Deutschland sorgte der Titel "Die versteckte Lust der Frauen" von Daniel Bergner für Aufregung. Der Autor beschreibe die Durchschnittsfrau als "willkürlich in der Partnerwahl, schnell von ihren Sexpartnern angeödet" - so fasst es Julia Grün in der "Welt" zusammen. Die Frau will eigentlich immer, befinde Bergner - nur Erziehung und kulturelle Prägung stünden ihrem Wunsch nach wechselnden Partnern im Weg.

Fingerlänge signalisiert Neigung zu Polygamie

Ganz so ist es nicht - das zeigte das Team um Wlodarski. Sie analysierten zwei große Datensätze von Nordamerikanern und Briten, um dem Verhältnis zur Treue auf die Spur zu kommen. 595 Menschen wurden befragt und ihr sogenannter Freizügigkeitsindex (Sociosexual orientation inventory) berechnet, 1314 Menschen waren auf ihren Testosteronspiegel untersucht worden.

Der Index beschreibt individuelle Unterschiede bei Mann und Frau, sich auf sexuelle Kontakte auch ohne tiefere emotionale Bindung einzulassen. Die Probanden werden etwa nach ihrer Begierde, Anzahl der Partner und ihrer Einstellung zur Treue befragt.

Zusätzlich betrachteten die Forscher das Verhältnis der Länge des Ringfingers zum Zeigefinger. Je mehr Testosteron ein Embryo im Mutterleib ausgesetzt ist, desto kürzer wird sein Zeigefinger und desto länger sein Ringfinger. Bei Primaten lässt sich aus dem Verhältnis der Finger auf die Paarungsstrategie schließen: Je größer der Längenunterschied, desto größer die Neigung zur Polygamie.

In allen Fällen zeigte sich, dass es unter Männern und Frauen je zwei Gruppen gibt, die entweder monogam oder eher polygam leben. In allen Tests war die sexuell freizügigere Gruppe bei den Männern die Größere. Dennoch - die Überschneidung sei größer als man bislang glaubte, sagt Wlodarski.

Was die Psychologen noch nicht ermitteln konnten - und sicher jeden interessiert, der in einer festen Beziehung lebt: Wenn man monogam war, bleibt man das dann auch auf ewig? Oder kann man irgendwann auch mal auf die andere Seite schwanken - und umgekehrt?

Hinweis der Redaktion: In der ursprünglichen Version dieses Artikels fehlte eine Quellenangabe. Das ist korrigiert - wir bitten um Entschuldigung!

nik

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 113 Beiträge
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Seite 1
archback 04.02.2015
1.
Vergessen wird immer, dass der Zeitraum, in dem man erfolgreich untreu sein kann, für Männer wesentlich länger ist als der für Frauen.
static 04.02.2015
2. sehr richtig
und genau deshalb gehören Ehe und Monogamie endlich abgeschafft. Es ist eine Lüge und wider der Natur.
glamax 04.02.2015
3.
Zitat von archbackVergessen wird immer, dass der Zeitraum, in dem man erfolgreich untreu sein kann, für Männer wesentlich länger ist als der für Frauen.
Das wage ich zu bezweifeln. Biologisch gäbe es bei der Manneskraft Altersschranken, die für die Frau nicht gelten. Frauen sind ferner statistisch früher sexuell aktive als Männer und werden durchschnittlich älter.
taglöhner 04.02.2015
4. Kuckuck
Zitat von archbackVergessen wird immer, dass der Zeitraum, in dem man erfolgreich untreu sein kann, für Männer wesentlich länger ist als der für Frauen.
Vergessen wird aber auch, dass die Folgen für die Untreue des Mannes für die Frau relativ unbedeutend sind, die der Frau für den Mann aber verheerend sind.
Ganzgeber 04.02.2015
5. Hmm
"Zweifel sind angebracht, zu einem Seitensprung gehören schließlich immer zwei." Wenn der/die andere nicht in einer Beziehung ist, ist es ja kein Seitensprung?
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