Psychologie Warum die Putzhilfe glücklich macht

Spülmaschine ausräumen, Wäsche waschen, staubsaugen - Hausarbeit kostet Zeit und Nerven. Trotzdem sind viele Menschen nicht bereit, eine Putzhilfe zu bezahlen. Ein Fehler.

Hausarbeit einfach mal abgeben
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Hausarbeit einfach mal abgeben


Glück kann man sich nicht kaufen, sagen Sie? Forscher sind da anderer Meinung. Sie haben Menschen befragt, wie sie ihre Hausarbeit organisieren. Das Ergebnis: Wer jemand anderen für lästige Tätigkeiten wie Kochen oder Putzen bezahlt, ist tendenziell zufriedener, berichten Forscherim Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

"Leute, die eine Reinigungskraft beschäftigen oder das Nachbarskind dafür bezahlen, dass es den Rasen mäht, schieben das womöglich auf ihre Faulheit", sagt Ashley Whillans, die die Studie an der kanadischen University of British Columbia betreut hat. "Unsere Ergebnisse zeigen, auf diese Weise Freizeit zu kaufen, macht ähnlich glücklich, wie mehr Geld zu besitzen."

Die Wissenschaftler haben gut 6000 Erwachsene aus den USA, Dänemark, Kanada und den Niederlanden befragt. Die Teilnehmer mussten angeben, wie viel Geld sie für Haushaltshilfen ausgeben, die ihnen Freizeit verschaffen. Außerdem gaben sie Auskunft über ihre Lebenszufriedenheit und erklärten, wie gestresst sie sich durch zu wenig Zeit fühlen. Unterschiede im Einkommen rechneten die Forscher aus den Ergebnissen heraus.

"Zu unserer eigenen Überraschung haben wir den Effekt, dass Hilfe im Haushalt die Zufriedenheit steigert, in allen Einkommensklassen gesehen", sagt Elizabeth Dunn, die ebenfalls an der Studie beteiligt war. Dennoch lässt sich nicht ausschließen, dass andere Effekte zu dem Ergebnis führten. So wäre etwa denkbar, dass fröhlichere Menschen schlicht eher bereit sind, Geld für eine Haushaltshilfe auszugeben.

Zweiter Test: 40 Dollar auf den Kopf hauen

Zur Sicherheit überprüften die Forscher ihr erstes Ergebnis in einem Experiment. Sie stellten 60 Personen jeweils 40 Dollar (etwa 34 Euro) zur Verfügung. An einem Wochenende sollten sie damit etwas bezahlen, das ihnen Zeit spart, an einem anderen Wochenende etwas Materielles. Auch in diesem Test bewerteten die Kandidaten ihre Zufriedenheit als größer, wenn sie sich Zeit erkauft hatten.

Trotzdem nutzen offenbar nur wenige Menschen die Möglichkeit, nervige Tätigkeiten abzugeben. Selbst unter den 850 befragten Millionären gab in der Studie fast die Hälfte an, kein Geld für Haushaltshilfen auszugeben. Auch von fast 100 berufstätigen Erwachsenen berichteten gerade einmal zwei Prozent, sie würden einen Zufallsgewinn von 40 Dollar in etwas investieren, das ihnen Zeit spart.

"Viele Studien haben gezeigt, dass Menschen davon profitieren, wenn sie ihr Geld in angenehme Aktivitäten investieren", sagt Dunn. "Unsere Studie legt nahe, dass sie auch darüber nachdenken sollten, sich aus unangenehmen freizukaufen."

jme

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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
chramb80 25.07.2017
1. Äh...Geld
Viele Menschen beschäftigen keine Haushaltshilfe weil sie selber nicht viel mehr verdienen als eben jene, mal vom bürokratischen Aufwand in Deutschland mal ganz abgesehen. Oder vielleicht möchte man auch niemand Fremden solche Dinge erledigen lassen, vielleicht hat es auch mit Selbstdisziplinierung zu tun?
dione_gutzmer 25.07.2017
2. Und was ist mit der Putzhilfe?
Das interessiert anscheinend weniger. Die Putzhilfe macht diese "lästigen" Tätigkeiten beruflich, kann sich wiederum selber keine Freizeit "kaufen", putzt also auch noch zu Hause, und hetzt oft von Job zu Job, um über die Runden zu kommen. Wenn schon Putzhilfe, dann sollte sich bitte der hohe Wert der Freizeit im Lohn widerspiegeln. Das ist aber für gewöhnlich nicht der Fall, da wollen Bürohocker sich Freizeit für 20 Euro in der Woche kaufen und halten diesen Lohn für o. k., da sie sowohl ihre eigene Arbeit als auch ihre eigene Freizeit für wertvoller halten als die der Putzhilfe. Eklig.
dione_gutzmer 25.07.2017
3. Kleiner Nachtrag, Empfehlung für Putzenlasser
http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/haushalts-workout-putz-dich-fit-a-1114031.html
rainerwäscher 25.07.2017
4. Überflüssig
Für dreimal im Jahr durchsaugen brauche ich keine Putzhilfe.
Carl Lowr 25.07.2017
5.
Zitat von dione_gutzmerDas interessiert anscheinend weniger. Die Putzhilfe macht diese "lästigen" Tätigkeiten beruflich, kann sich wiederum selber keine Freizeit "kaufen", putzt also auch noch zu Hause, und hetzt oft von Job zu Job, um über die Runden zu kommen. Wenn schon Putzhilfe, dann sollte sich bitte der hohe Wert der Freizeit im Lohn widerspiegeln. Das ist aber für gewöhnlich nicht der Fall, da wollen Bürohocker sich Freizeit für 20 Euro in der Woche kaufen und halten diesen Lohn für o. k., da sie sowohl ihre eigene Arbeit als auch ihre eigene Freizeit für wertvoller halten als die der Putzhilfe. Eklig.
Also die Dame die unseren Hausflur für mich putzt kriegt 20€ für weniger als 1 Stunde arbeit. Nach eigener Aussage putzt sie auch daheim nicht selber. Aber mal ehrlich, für Stundenlöhne von 10€ und weniger kriegt man eben enstprechend miserable Leistung. Wem das nicht klar ist, dem ist auch sonst nicht mehr zu helfen. Wenn es nach mir ginge würde ich unsere "Perle" zum Flurputz auch die Wohnung machen lassen.. meine Frau ist leider dagegen.
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