Havarie im Südatlantik Tauchroboter ortet Gold und Silber in Schatzschiff

Es ist der Traum eines jeden modernen Schatzsuchers. Ein Tauchroboter der Bergungsfirma Mammoet hat knapp zehn Tonnen Gold und Silber an Bord des vor der argentinischen Küste gesunkenen Schleppers "Polar Mist" aufgespürt. Jetzt sollen die Barren geborgen werden.

Schlepper "Polar Mist" (am 18. Januar 2009): Taucher sollen wertvolle Fracht heben
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Schlepper "Polar Mist" (am 18. Januar 2009): Taucher sollen wertvolle Fracht heben

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Buenos Aires - "Ich kann bestätigen, dass wir das Gold und Silber an Bord des Schiffes gefunden haben", sagt Johan Pastoor von der niederländischen Firma Mammoet im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Sein Unternehmen ist spezialisiert auf komplizierte Bergungsoperationen - und hatte am Wochenende vor der Küste von Argentinien den gesunkenen Fischkutter "Polar Mist" mit Hilfe von Sonarbildern aufgespürt.

Nun hat der Tauchroboter des unter der Flagge des Pazifikstaates Vanuatu fahrenden Bergungsschiffes "C-Sailor" erste Bilder aus 80 Metern Tiefe geliefert. Die Apparatur, ein sogenanntes Remotely Operated Vehicle (ROV) ist über Kabel mit dem Schiff verbunden und wird von dort aus gesteuert.

Auf den Videoaufnahmen, so heißt es, seien in den Laderäumen im Rumpf der "Polar Mist" deutlich Bündel und Körbe zu sehen. In ihnen seien die insgesamt etwa 9,6 Tonnen Gold und Silber der Bergbauunternehmen Cerro Vanguardia und Minera Triton verpackt gewesen.

Führerlos auf Kreiskurs

Das Schiff sollte die Metalle eigentlich Mitte Januar von Argentinien nach Chile bringen - so wie es schon Dutzende Male zuvor passiert war. Von Chile aus sollten die Barren dann in die Schweiz geflogen werden. Doch die vermeintliche Routineoperation ging schief: Die "Polar Mist" geriet am 17. Januar mit ihrer wertvollen Fracht am Eingang zur Magellanstraße in Seenot.

Vor der Küste der argentinischen Provinz Santa Cruz tobte damals ein schwerer Sturm. Die Rede ist von zehn Meter hohen Wellen und Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde. Die Gegend gilt ohnehin als gefährliches Seegebiet, der Meeresboden ist ein einziger Schiffsfriedhof.

Die Besatzung gab das Schiff auf und wurde von einem Hubschrauber der argentinischen Küstenwache gerettet. Die "Polar Mist" tuckerte danach führerlos auf einem Kreiskurs durch die sturmgepeitschte See. So sollte der an Bord befindliche Treibstoff aufgebraucht werden, um eine Umweltkatastrophe zu vermeiden. Nach rund einem Tag erreichte der chilenische Schlepper "Beagle" dann das Schiff, um es an die Leine zu nehmen. Doch nach einem missglückten Rettungsmanöver 40 Kilometer vor der Küste sank das Schatzboot unter nicht geklärten Umständen.

Lokale Medien spekulierten über möglichen Versicherungsbetrug - zumal ein erster Versuch, das Schiff zu bergen, im April scheiterte.

Sobald es das Wetter zulasse, sollen nun Taucher versuchen, die wertvolle Fracht der "Polar Mist" zu heben. Das Ganze ist aber wegen der großen Wassertiefe eine sehr komplizierte Operation, bei der möglicherweise eine sogenannte Taucherglocke zum Einsatz kommen dürfte. In ihr können sich Taucher bereits an der Oberfläche auf den extrem hohen Druck an ihrer Einsatzstelle einstellen - und werden anschließend auch mit der Glocke dorthin gebracht.

Unklar ist, wer die aktuelle Rettungsoperation finanziert. In ersten Berichten war vom Versicherungskonzern Lloyds die Rede. Ein Sprecher des Unternehmens sagte nun aber auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, seine Firma habe weder das Schiff versichert noch die Suchaktion initiiert. Lloyds sei ein Marktplatz für Versicherungen und verkaufe die Policen nicht selbst. Man wisse nicht, bei wem das Schiff unter Vertrag gewesen sei. Erste Nachforschungen bei den Firmen, die ihre Versicherungen über Lloyds handeln, seien ohne Ergebnis geblieben.

Mit Material von dpa und AFP



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