Heim-Apotheke: Welche von Omas Hausmitteln wirklich helfen
Hühnersuppe, Wadenwickel und andere Rezepte gegen Krankheiten haben eine lange Tradition. Helfen sie wirklich? Für einige gibt es eine wissenschaftliche Erklärung – oder zumindest einen reichhaltigen ärztlichen Erfahrungsschatz.
Wie einfach ist es doch bei Fieber, ein temperatursenkendes Mittel aus dem Arzneischrank zu holen, es zu schlucken und abzuwarten. Wie aufwendig dagegen ein Quarkwickel: Das Tuch muss dick, aber gleichmäßig mit Quark bestrichen und dann auf einer Wärmflasche erhitzt werden. Schließlich wird es auf die Brust des Kranken gelegt und mit weiteren Tüchern fixiert. Alle 15 Minuten ist diese Prozedur zu wiederholen, bis das Fieber nachlässt.
Erkältungsmedikamente: Helfen Omas Rezepte genauso gut?
Hinzu kommt das Zeremoniell, das mit dem Zubereiten von Tees, dem Einlassen von Bädern oder der Vorbereitung eines Wickels einhergeht. Es zeigt dem Kranken, dass man ihn schätzt und sich um ihn kümmert – was wiederum die körpereigenen Selbstheilungskräfte anregt.
Doch welchen Stellenwert haben Hausmittel in einer Zeit, in der die Schulmedizin für fast alle Leiden eine verlässliche Arznei parat zu haben scheint? Offenbar einen bedeutenden: "Die Nachfrage der Patienten nach Hausmitteln ist groß", sagt Michael Teut, Ärztlicher Leiter der Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin am Universitätsklinikum Charité in Berlin.
Teut geht davon aus, dass viele der bekannten Hausmittel wirkungsvoll sind und dem Gesundheitssystem zudem Kosten ersparen können – allein schon dann, wenn sie einen Arztbesuch vermeiden helfen. Bei leichten Erkrankungen wie einer Erkältung, Halsschmerzen oder Muskelverspannung kann auch ein Schulmediziner oft nur zum Abwarten raten und den Patienten nach einigen Tagen wieder einbestellen. Oder er verschreibt einen Hustensaft, obwohl die Wirksamkeit vieler Mittel nicht nachgewiesen ist.
Ob in der Arztpraxis, der Ambulanz oder in Kliniken – viele Mediziner setzen heute auf bewährte Hausmittel. Im anthroposophisch orientierten Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke kurieren Kinderärzte fiebrige Lungenentzündungen mit Quark- und Senfwickeln sowie mit Inhalationen von Kamille- oder Thymiandämpfen. Dies könne manchmal sogar die Gabe von Antibiotika ersetzen, betont Alfred Längler, Leitender Arzt der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin.
Die Bilanz des erfahrenen Praktikers ist positiv: In seinem Buch "Hausmittel in der modernen Medizin" präsentiert Längler mehr als 50 Anwendungen, die er für einen Versuch wert hält. An der Charité-Ambulanz in Berlin behandeln Ärzte Patienten, die an einem Reizdarm leiden, mit Indischem Flohsamen und Kamillentee; Kniegelenksarthrosen lindern sie mit Weidenrindenextrakt, Blutegeln oder Kohlwickeln.
Die wissenschaftliche Datenlage ist indes oft dürftig, wie der Ambulanzleiter Michael Teut einräumt. Erstaunlich ist das nicht, denn welcher Pharmahersteller sollte ein Interesse daran haben herauszufinden, ob etwa Zwiebelsäckchen gegen Ohrenschmerzen wirken?
Aber müssen sich die traditionellen Verfahren überhaupt an den strengen Anforderungen klinischer Studien messen lassen? Für Alfred Längler ist die jahrelange therapeutische Erfahrung Wirksamkeitsbeweis genug – und einer wissenschaftlichen Erkenntnis ebenbürtig.
Sowohl Längler wie Teut sind davon überzeugt, dass es sich lohnt, das Wissen über Hausmittel zu verbreiten, vor allem an jene, die keine kundige Großmutter im Hause haben. In Herdecke schulen Mediziner Eltern, damit die sich am Krankenbett der Kinder weniger hilflos fühlen. Die Berliner Charité bietet sogar ein breites Programm an, mit Kursen etwa zur Zusammenstellung einer "grünen Hausapotheke". Beliebt sind insbesondere die Kräuterspaziergänge, bei denen die Zutaten für Hausmittel selbst gesammelt werden.
- 1. Teil: Welche von Omas Hausmitteln wirklich helfen
- 2. Teil: Honig – gegen Hustenattacken im Schlaf
- 3. Teil: Flohsamen – damit es besser rutscht
- 4. Teil: Gewürznelke – und der Zahnschmerz schwindet
- 5. Teil: Heusack – lässt die Schmerzen abklingen
- 6. Teil: Hühnersuppe – bekämpft Erkältungssymptome
- 7. Teil: Lavendelbad – sanft in den Schlaf finden
- 8. Teil: Salzlösung – macht die Nase frei
- 9. Teil: Thymiantee – stoppt den Hustenreiz
- 10. Teil: Wadenwickel – lassen die Körpertemperatur sinken
- 11. Teil: Zwiebelsaft – bei Ohrenschmerzen und kratzendem Rachen
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