Herbstdepression Hormone sorgen für schlechte Stimmung

Das Sonnenlicht schwindet, die Lebensfreude auch. Doch nicht jeder, der an Antriebslosigkeit und gedrückter Laune leidet, ist depressiv.


Frauen sind von Herbstdepressionen stärker betroffen als Männer
DPA

Frauen sind von Herbstdepressionen stärker betroffen als Männer

Hamburg - Saisonal abhängige Depression (SAD) heißt dieses Phänomen in der Fachsprache, das allgemein als Herbst- oder Winterdepression bekannt ist.

Jürgen Zulley vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg kennt die Ursachen: "Das fehlende Sonnenlicht führt zu einer verstärkten Ausschüttung des Hormons Melatonin. Dieses Hormon produziert der Körper normalerweise nachts, wenn es dunkel ist, in verstärktem Maß." Wird es tagsüber nicht richtig hell, bleibt der Melatonin-Spiegel erhöht. Der Botenstoff stehe vermutlich mit der schlechten Stimmung in Verbindung.

Doch nicht alle, die im Winter über gedrückte Stimmung klagen und schwer aus dem Bett kommen, sind wirklich depressiv. "In geringem Ausmaß hat jeder Mensch mit den Folgen des reduzierten Tageslichts zu kämpfen", erläutert Zulley. Nur rund zwei Prozent der Bevölkerung leidet nach Angaben des Forschers an einer therapiebedürftigen Form der Depression. Dabei seien Frauen dreimal so häufig betroffen wie Männer.

Obwohl der Übergang von leichten Verstimmungen zu echten Depressionen fließend sei, gebe es Unterschiede, sagt Zulley. So schlafen die Betroffenen meist überdurchschnittlich viel, wirklich Kranke kämpfen hingegen mit Schlafstörungen. Und während Depressive oft lustlos im Essen herumstochern, überfällt Herbstdepressive nicht selten ein Heißhunger, der dann mit Süßigkeiten gestillt wird. "Dadurch erklärt sich auch die Gewichtszunahme, die bei diesen Personen oft beobachtet wird", sagt Zulley.

Bereits seit mehreren Jahren empfiehlt Jürgen Zulley eine Behandlung ganz ohne Medikamente. Dabei wird dem Körper ganz einfach Licht zugeführt. "Der Patient bekommt eine spezielle Therapielampe mit nach Hause, dem 10.000 Lux starken Licht muss er sich täglich etwa vierzig Minuten lang aussetzen", erläutert der Schlafforscher.

Grundsätzlich gilt laut Zulley: "Das natürliche Licht nützen, wann immer es möglich ist. Wer sich müde und schlapp fühlt, sollte sich viel in der frische Luft bewegen, auch wenn das Wetter mal nicht so gut ist. Denn selbst an dunklen Wintertagen strahlt die Sonne mit bis zu 1500 Lux durch die Wolkendecke. In der Wohnung beträgt die durchschnittliche Lichtintensität gerade mal 500 Lux.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.