Herpes-Befall: Lakritz treibt kranke Zellen in den Selbstmord

Der penetrant süße Geschmack ist nicht jedermanns Sache, die medizinische Wirkung bald vielleicht schon: Lakritz, so fanden Forscher heraus, bekämpft Herpesviren. Und zwar selbst dann, wenn die sich tarnen, um auf eine Gelegenheit zum Angriff zu warten.

Lakritz: Aufruf zum Zell-Selbstmord

Lakritz: Aufruf zum Zell-Selbstmord

Ein Inhaltsstoff aus Lakritz kann Herpesviren auch dann unschädlich machen, wenn sie sich im Schlummerzustand befinden: Der so genannte Süßholzzucker lässt die Tarnung der versteckten Viren auffliegen, haben Francesca Curreli und ihre Kollegen von der New York University entdeckt. Die befallenen Zellen aktivieren dann ihren Selbstzerstörungsmechanismus - Suizid im Dienste des großen Ganzen.

Erstmals sei nun eine Möglichkeit gefunden, auch die inaktive Form der Viren zu bekämpfen, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Journal of Clinical Investigation" (Bd. 115, S. 650). Schlummernde Schädlinge könnten so eines Tages ausgetrieben werden, bevor sie wieder aufwachen und Symptome verursachen.

Viele Viren, darunter alle Formen der Herpesviren, lösen nämlich nicht nur akute Infektionen aus, sondern können über viele Jahre in einer getarnten Form im Körper überdauern. Sobald das Immunsystem geschwächt ist, werden diese Viren wieder aktiviert und die Infektion flammt erneut auf. Während in den vergangenen Jahren immer mehr Wirkstoffe gegen aktive Virusinfektionen entdeckt wurden, können die versteckten oder auch latenten Erreger nur sehr schwer bekämpft werden.

Süßholzzucker enttarnt die schlafenden Viren

Süßholzzucker, auch Glycyrrhizinsäure genannt, verleiht Lakritz seinen typischen Geschmack und hat sich bereits in früheren Studien als wirksam gegen akute Herpesinfektionen erwiesen. Um zu testen, ob die Substanz auch die schlafenden Viren bekämpfen kann, behandelten die Wissenschaftler Zellkulturen im Labor mit dem Zucker. Einige der Zellen waren mit dem so genannten Kaposi-Sarkom-Herpesvirus infiziert, das für die Entstehung einer bestimmten Krebsart bei Aids-Patienten verantwortlich gemacht wird.

Während die nicht infizierten Zellen keinerlei Reaktion auf den Süßholzzucker zeigten, starben alle befallenen Zellen innerhalb von neun Tagen ab, entdeckten die Forscher. Der Grund: Der Zucker blockiert die Produktion eines der Virusproteine, die normalerweise die Entdeckung des Erregers durch die Zelle verhindern. Ohne dieses Protein bemerken die Zellen den Eindringling jedoch und ergreifen sofort Gegenmaßnahmen - sie leiten ihren eigenen Tod ein.

Auch wenn es sich bislang nur um Laborergebnisse handelt, sind die Forscher zuversichtlich, eine viel versprechende Strategie gegen latente Virusinfektionen entdeckt zu haben. Die bislang notwendige Dosis des Lakritzzuckers ist allerdings noch viel zu hoch, um zur Behandlung von Herpesinfektionen eingesetzt zu werden.

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