Sie sind bekannt dafür, hässliche und unangenehme Bläschen an den Lippen hervorzurufen. Herpes-Viren können aber auch eine lebensbedrohliche Hirnentzündung auslösen. In westlichen Ländern trifft diese Herpes-Enzephalitis jedes Jahr schätzungsweise einen von 250.000 Menschen. Unbehandelt führt die Infektion in sieben von zehn Fällen zum Tod.
Dass Menschen wegen einer Herpes-Infektion ein derart lebensbedrohliche Hirnentzündung bekommen, könnte möglicherweise an einem einzigen defekten Gen liegen. Das berichtet eine internationale Forschergruppe in einer Online-Vorabveröffentlichung der Wissenschaftszeitschrift "Science".
Die Wissenschaftler um Jean-Laurent Casanova von der Université de Paris René Descartes konnten in ihre Studie zu der seltenen Krankheit jedoch nur zwei Kinder einbeziehen. Bei diesen beiden war ein bestimmtes Gen defekt - weswegen sie an einer Immunschwäche litten, welche die Kinder speziell für die besondere Herpes-Enzephalitis anfällig machte - für andere Infektionskrankheiten hingegen nicht.
Es sei "ungewöhnlich", dass ein Defekt in einem Gen die Anfälligkeit für nur ein bestimmtes Virus erhöhe, schreiben die Wissenschaftler. Bislang galt die Meinung, dass Defekte einzelner Gene eine allgemeine Immunschwäche auslösen. Nach den Erkenntnissen von Casanovas Team bildeten die zwei untersuchten Kinder wegen des außergewöhnlichen Gendefekts zu wenig Protein des Typs UNC-93B. Deswegen reagiere das Immunsystems der beiden nur schwach, wenn es mit dem Herpes- Virus konfrontiert werde.
Eine Interferontherapie könnte helfen - vielleicht
Den Herpes-simplex-Virus-1 (HSV-1) tragen weltweit etwa 80 Prozent aller Erwachsenen in sich. Der Erreger ruft bei einem Teil der Betroffenen immer wieder Infektionen hervor, meist an den Lippen. Dort bilden sich dann brennenden Bläschen. Bei einigen Menschen, die HSV-1 in sich tragen, bricht nie eine Herpes-Krankheit aus. Nur sehr wenige Infizierte erkranken aber an einer Herpes-Enzephalitis.
Seit der Einführung antiviraler Medikamente - Vidarabine im Jahre 1973 und Acyclovir 1981 - überleben die meisten Patienten, neurologische Folgeerkrankungen sind nach Angaben der Forscher aber nicht ausgeschlossen. "Vielleicht könnte einigen der an Herpes-Enzephalitis erkrankten Patienten eine rekombinante Interferon-alpha-Therapie helfen", schreiben die Wissenschaftler. Dies ist aber nur eine Mutmaßung. Interferone unterstützen das Immunsystem dabei, Viren zu beseitigen.
fba/dpa
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