Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Herr der Ringe trägt Römerschmuck

Tolkien hatte für den Schmuck im "Herrn der Ringe" ein echtes Vorbild - einen römischen Goldring. Er wurde gestohlen und der Dieb verflucht. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: der Eingang zur Hölle und ein Rezept für die Farbe der Maya.

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"Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden", so beschreibt ein altes Gedicht jenen Ring, den Bilbo Beutlin in den Tiefen von Gollums Höhle unter dem Nebelgebirge findet. Literaturwissenschaftler gingen lange davon aus, dass die Nibelungensage den Autor J.R.R. Tolkien zu dieser Geschichte des verfluchten Rings inspirierte, die er 1937 in dem Roman "The Hobbit" niederschrieb. Doch das Vorbild für den Ring liegt viel näher: in einer Vitrine eines Anwesens aus der Tudorzeit, bekannt als The Vyne.

Es ist ein wahrlich ungewöhnliches Objekt: Zwölf Gramm schwer und so groß, dass es nur über einem Handschuh getragen werden kann. Um den Ring herum läuft eine Inschrift auf Lateinisch, übersetzt: "Senicianus, lebe gut in Gott". Ein Bauer fand den Ring im Jahr 1785 auf seinem Feld in der Nähe der römischen Stadt Silchester und verkaufte ihn wahrscheinlich an die wohlhabenden Herren von The Vyne.

Einige Jahrzehnte später stießen Archäologen bei Ausgrabungen im 160 Kilometer entfernten Gloucestershire erneut auf den seltenen Namen Senicianus - auf einem Fluchtäfelchen. Ein Mann namens Silvianus beschwerte sich darauf bei dem Gott Nodens, dass sein Ring gestohlen worden sei. Und er wusste auch genau, von wem: "Unter jenen, die den Namen Senicianus tragen, gebe keinem gute Gesundheit bis er den Ring zurückbringe in Nodens Tempel."

Im Jahr 1929 bat der Archäologe Sir Mortimer Wheeler einen Professor für Angelsächsisch an der Universität Oxford um Hilfe bei der Einordnung des ungewöhnlichen Götternamens: Tolkien. Die Verbindung zu dem Ring war damals schon bekannt, mit großer Wahrscheinlichkeit hielt Tolkien ihn in den Händen, bevor er die Charaktere Bilbo Beutlin und Gollum schuf. Der Ring ist jetzt in einer neuen Ausstellung im Herrenhaus The Vyne zu sehen - zusammen mit einer Erstausgabe von "The Hobbit" und einer Kopie des Fluchtäfelchens.

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6 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
AntonPfeifer 07.04.2013
Tiananmen 07.04.2013
Pommespanzer 07.04.2013
Layer_8 07.04.2013
ignorat 07.04.2013
Maria-Galeria 25.07.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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