Landwirtschaft Äcker könnten vier Milliarden Menschen mehr ernähren

Ein Viertel der Ernte wird Tierfutter, mehrere Prozent Biotreibstoff: Nahrungspflanzen werden alles andere als optimal verwendet. Forscher haben berechnet, wie viele Menschen wirklich satt werden könnten.

Reisfelder in Arkansas, USA: Welcher Anteil der Nahrungspflanzen landet überhaupt auf dem Teller?
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Reisfelder in Arkansas, USA: Welcher Anteil der Nahrungspflanzen landet überhaupt auf dem Teller?


Neun Milliarden Menschen auf der Welt, die sich alle ernähren wie die Bewohner der Industrienationen: Bei diesem Szenario bräuchte man fast doppelt soviel Ackerland, wie es heute verfügbar ist. Das berechneten Forscher vor kurzem.

Bereits heute leiden nach Schätzung der Uno 868 Millionen Menschen unter Hunger und Mangelernährung - während 1,4 Milliarden Übergewicht haben.

Eine Ausweitung von Anbauflächen ist problematisch, weil weitere naturbelassene Gebiete dafür weichen müssten. Doch was tun, während die Weltbevölkerung weiter wächst? Allein auf eine höhere Effizienz beim Anbau setzen?

Ein Wissenschaftlerteam hat die Frage nun aus einer anderen Richtung betrachtet: Wie viele Menschen könnten genug Essen bekommen, wenn die Ernte anders eingesetzt würde?

Emily Cassidy von der University of Minnesota in Saint Paul und ihre Kollegen haben erst einmal berechnet, wie viel von den 41 wichtigsten Nahrungspflanzen weltweit produziert wird - und wo diese Erträge landen. Die meisten Basisdaten für ihre Berechnungen stammen aus den Jahren 1997 bis 2003.

Im Fachmagazin "Environmental Research Letters" berichten sie folgendes:

  • Nur 67 Prozent der geernteten Pflanzen werden zu Nahrungsmitteln verarbeitet. Bezogen auf die Kalorien entspricht dieser Anteil sogar nur 55 Prozent der Gesamtenergie.
  • 24 Prozent der Pflanzen (36 Prozent der Kalorien) werden als Tierfutter genutzt.
  • Neun Prozent (Masse und Kalorien) werden anderweitig verarbeitet, etwa zu Biotreibstoff. Die Produktion von Biotreibstoffen ist in den vergangenen Jahren allerdings stark gestiegen. Während beispielsweise in den USA im Jahr 2000 rund sechs Prozent des Maises als Rohmaterial für Kraftstoff diente, waren es 2010 rund 38 Prozent.

Große regionale Unterschiede

Die Analyse von vier Ländern - Indien, China, Brasilien und den USA - zeigte zudem, welche massiven Unterschiede beim Anbau und der Verwendung von Nahrungspflanzen herrschten.

  • In China wurden 58 Prozent des Getreides (Kalorien) direkt als Nahrungsmittel verwendet, 33 Prozent als Futtermittel. Pro Hektar Anbaufläche konnte China damit acht Menschen ernähren. Würde sämtliches Getreide als Lebensmittel verwendet, wären es 13. In Brasilien sah es ähnlich aus.
  • In den USA wurden sogar nur 35 Prozent der Energie aus Getreide direkt als Nahrung verwendet; 67 Prozent dagegen als Tierfutter. Das Ackerland ernährte demnach fünf Menschen - möglich wäre es aber, 16 satt zu bekommen.
  • In Indien wurden dagegen fast 90 Prozent des angebauten Getreides (Kalorien) direkt als Lebensmittel verwendet. Weil die Erträge allerdings relativ gering waren, konnten damit lediglich sechs Menschen pro Hektar Anbaufläche ernährt werden.

Hühnchen statt Rind?

Die größte Stellschraube in diesem System ist die Fleischproduktion. Um eine Kalorie Fleisch auf dem Teller zu haben, sind im Schnitt bereits rund zehn Kalorien Getreide verbraucht worden - zum Teil aber auch bis zu 30. Fisch haben die Forscher in ihrer Studie vernachlässigt, ebenso Schafe und Ziegen, die in der Regel nur weiden und kein Kraftfutter bekommen. Den täglichen Energiebedarf eines Menschen setzen die Forscher bei 2700 Kilokalorien an.

Die Ergebnisse der Berechnungen klingen beeindruckend:

  • Würde die gesamte Getreideernte zu Nahrungsmitteln verarbeitet und gar nichts mehr zu Futtermitteln für Rinder, Schweine oder Geflügel, dann könnten vier Milliarden Menschen mehr ernährt werden.
  • Würde die Welt aufs Rindfleisch verzichten und stattdessen Huhn oder Schwein essen, könnten die heutigen Ackerflächen immerhin 357 Millionen Menschen zusätzlich ernähren.
  • Würden Menschen kein Fleisch, aber noch Milchprodukte und Eier essen, könnten 815 Millionen Menschen mehr satt werden.

Die Wissenschaftler betonen, dass sie niemandem vorschreiben wollen, was er isst. Auch hätten sie natürlich nicht sämtliche Faktoren der Erzeugung von Nahrungsmitteln einbezogen. Dass heute viele Lebensmittel weggeworfen werden, ist zum Beispiel ein Ansatzpunkt, auf den in der Studie nicht konkret eingegangen wird.

Den Forschern ging es vor allem darum, die heutigen Möglichkeiten aufzuzeigen: "Die gute Nachricht ist, dass wir bereits genug Nahrungsmittel produzieren, um mehrere Milliarden Menschen mehr zu ernähren", sagt Emily Cassidy.

wbr

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 114 Beiträge
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Seite 1
willi.mueller.1919 02.08.2013
1. Wahrheit
Vier Millarden mehr Menschen mit Essen zu versorgen hieße auch, dass diese Menschen weil sie keinen Hunger leiden sich vermehren und wovon sollen dann die nächsten viere Millarden ernährt werden. Noch mehr unserer Spezies verträgt der Planet jetzt schon nicht.
mps58 02.08.2013
2. Das sollten wir besser vermeiden
Selbst wenn man vier Milliarden mehr Menschen ernähren könnte, sollten wir einen solchen Bevölkerungszuwachs tunlichst vermeiden, da jeder zusätzliche Bewohner auf diesem Planeten für zusätzliche Verschmutzung und zusätzliche Zersiedelung unseres Planeten sorgt. Diese Studie ist ungefähr so sinnvoll, wie die Guinness-Rekordversuche möglichst viele Personen in einen VW-Käfer zu quetschen.
a_friend 02.08.2013
3. Nicht die Menge ist entscheidend...
Die Frage in unserem Wirtschaftssystem ist nicht, ob genug Essen für alle vorhanden ist, sondern ob wir uns das Essen in Zukunft noch leisten können! Spekulationen auf Nahrungsmittel, Gewinnmaximierung in der Agrarindustrie (z.B. duch GMO), Verschwendung von Nahrungsmitteln als Biotreibstoff und nicht zuletzt unsere Überflußkultur (man schaue sich mal an, was morgen abend wieder bei vielen Supermärkten in der Mülltonne landet) führen dazu, daß selbst Grundnahrungsmittel in ärmeren Ländern teilweise unerschwinglich für die Bevölkerung geworden sind. Und bei der Studie wurde nicht die zukünftige Entwicklung der Ackerfläche weltweit beachtet - durch den Klimawandel wird diese in den nächsten Jahren drastisch abnehmen. Sollten wir nicht mal langsam umdenken?
anonymousx 02.08.2013
4. Vorsicht!!
Zitat von sysopAPEin Viertel der Ernte wird Tierfutter, mehrere Prozent Biotreibstoff: Nahrungspflanzen werden alles andere als optimal verwendet. Forscher haben berechnet, wie viele Menschen wirklich satt werden könnten. Heutiges Ackerland könnte vier Milliarden Menschen mehr ernähren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/heutiges-ackerland-koennte-vier-milliarden-menschen-mehr-ernaehren-a-914457.html)
An Alle die hier das Bedrohungsszenario einer noch schneller steigenden Weltbevölkerung heraufbeschwören: Wie sieht es denn in den Ländern aus, die einen höheren Lebensstandard haben? Die Geburtenrate ist viel niederiger als bei Ländern mit niedrigem Lebensstandard. Oftmals werden doch aus genau dem Grund der Versorgungssicherheit mehr Kinder gemacht als eigentlich notwendig. Wenn alle Menschen einen ausreichenden Zugang zu Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Medizin und vor allem Bildung hätten, dann wäre das Übervölkerungsproblem in null komma nix gelöst, denn die Wachstumsraten in Afrika und den anderen Problemgebieten wären Geschichte. Ebenso das Abwandern von Bevölkerung z.B. übers Mittelmeer und damit das oft hervorgehobene Überfremdungsproblem. Also an Stelle der unmenschlichen Lösung die hier ernsthaft in Erwägung gezogen wird, nämlich weiterhin wenig Nahrung produzieren, damit das Zuviel an Menschen verhungert, sollten die entwickelten Länder endlich aufwachen. Es geht keinesfalls darum mehr Menschen zu haben die davon ernährt werden sondern den Irsinn aufzuzeigen, dass, obwohl wir wesentlich mehr Menschen ernähren könnten, verhungern und verdursten Jährlich genauso viele Menschen weltweit wie es Opfer in den 6 Jahren des zweiten Weltkriegs gab. Mehr Lebensstandard heisst weniger Kinder, so einfach ist das. Und damit meine ich nicht Fernseher oder sowas, sondern banale Dinge wie Essen und Trinken. Aber wer das nicht begreift.... Hauptsache die vielen Menschen verhungern, damit wir nicht zu viele werden. ekelhaft ist das.
hansiii 02.08.2013
5. optional
Also ich soll kein Rind mehr essen damit die Bauern ihre Produktion von Futtermittel auf Nahrungspflanzen ändern und diese dann anschliessend kostenlos an Länder wie z.B. den Jemen verteilen damit die Leute dort auch in Zukunft 4 Ehefrauen und 20 Kinder bekommen können?
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