Ausgegraben

Ausgegraben Freiwillige Archäologen gesucht

Ian Ralston

Religiöse Orte, Märkte oder Sammelstellen - welche historische Stätten umranden die Hillforts-Wälle in Großbritannien? Um das Rätsel zu lösen, rufen Archäologen Wanderer auf, die Hügel zu kartieren.

Urlaub auf den Britischen Inseln schon gebucht? Geländefeste Schuhe eingepackt? Dann ist diesen Sommer die Gelegenheit gekommen, endlich zum Archäologen zu werden. Denn die School of Archaeology der University of Oxford und die School of History, Classics and Archaeology der University of Edinburgh bitten um Hilfe. In den kommenden Jahren sollen möglichst viele der so genannten Hillforts-Wallanlagen, die auf Hügelkuppen liegen, kartiert werden.

Ziel des Projektes ist es, am Ende einen Atlas der Hillforts herauszugeben, sowie eine mit Google Earth verlinkte Datenbank zu erstellen. Da es in England, Schottland, Wales und Irland aber sehr viele dieser eisenzeitlichen Wallanlagen gibt, brauchen die Forscher Hilfe - jeder, der ein Hillfort kennt oder entdeckt, kann es auf der Webseite des Atlas of Hillforts Projektes in ein Formular eingeben.

Auch ein Urlauber aus Deutschland? "Absolut!", bestätigt Ian Ralston von der University of Edinburgh, der gemeinsam mit Gary Lock von der University of Oxford das Projekt leitet. "Man muss bei der Arbeit nur die Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften beachten und sich mit den Land- und Grundstücksrechten in Großbritannien und Irland auskennen. Über beide Bereiche kann man sich auf unserer Webseite informieren."

Geschäftige Orte

Hillforts sind für die britische Eisenzeit ganz typische Monumente. Doch obwohl es so viele davon gibt, sind sie bislang noch relativ unerforscht. Meist auf Hügelkuppen schütteten die Baumeister dieser Anlagen einen oder mehrere Wälle um ein mehr oder weniger rundes Areal herum auf. Die Hillforts waren geschäftige Orte. Nur wozu sie genau dienten, ist unbekannt.

Bei Ausgrabungen fanden Archäologen Keramik, Metallarbeiten und Hinweise auf häusliche Aktivitäten wie Spinnen und Weben. Auch landwirtschaftliche Produkte spielten auf den Hügelkuppen eine Rolle - davon zeugen Funde von Weizen oder Gerste sowie die Knochen von Schweinen, Schafen und Rindern. Viele Forscher gehen davon aus, dass hier eine Art Markt abgehalten wurde.

Vielleicht hatten die Anlagen aber auch eine religiöse Bedeutung. Gerade viele der frühen Hillforts liegen in unmittelbarer Nähe zu noch älteren Heiligtümern oder Grabhügeln. Am wahrscheinlichsten ist es, dass sie viele Aufgaben gleichzeitig erfüllten - so wie auch heute ein moderner Kirchplatz gleichzeitig als Versammlungsort bei religiösen Festen, als Sammelpunkt bei Katastrophen und als Kirmes-Festplatz dienen kann.

Atlas als Dankeschön

Als dann im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Römer nach Britannien kamen, gaben die Menschen die Hillforts auf. Zumindest dort, wo die Römer das Leben beherrschten. In abgelegenen Regionen aber, wie beispielsweise in Cornwall, wo der römische Einfluss kaum zu spüren war, bauten sie immer noch neue Anlagen. Und auch im Norden - im heutigen Schottland, das die Römer nie eroberten - wurden fleißig weiter Hillforts gebaut. Gerade zu Beginn des dritten Jahrhunderts kam hier die Ära der Hillforts sogar erst richtig in Schwung, erreichte ihren Höhepunkt im fünften Jahrhundert und hielt bis ins achte Jahrhundert hinein an.

5000 Hillforts etwa hoffen die Forscher in ihrem Atlas aufnehmen zu können. Wonach müssen Hillfort-Sucher denn Ausschau halten? "Nach dem umschließenden Erdwerk - heute meist ein oder mehrere grasüberwucherte Wälle mit flachen Flanken und außen liegenden Gräben", erklärt Ralston. "Manchmal kann es aber auch eine Trockensteinmauer sein."

Wie so eine Anlage aussieht, kann man sich vorher auf der Webseite des Projektes anschauen. "Da stellen wir Informationen zu den Hillforts und auch noch andere nützliche Informationen für die Arbeit zur Verfügung." Einen ganz wichtigen Tipp haben die Wissenschaftler: "Viele der Elemente, die wir abfragen - wie zum Beispiel die Anzahl der Eingänge, die Anzahl der Wälle, die Anzahl der Gräben - sind nicht einfach zu erkennen. Deshalb empfehlen wir, immer mindestens zu zweit loszugehen, so dass man sich vor Ort austauschen und die Funde diskutieren kann."

Natürlich kann man sich auch zu Hause in Deutschland auf die Suche nach Wallanlagen machen. "Zu den Wallanlagen auf dem ganzen Kontinent, von der Iberischen Halbinsel aus nach Osten, gibt es durchaus einige Gemeinsamkeiten", erklärt Ralston. Der Atlas aber nimmt nur die britischen Hillforts auf. Wer einen Beitrag dazu leistet, wird namentlich erwähnt - egal welcher Nationalität. Und die drei Freiwilligen, die am Ende am meisten beigetragen haben, bekommen von den Projektleitern als Dankeschön eine Papierausgabe des Atlas überreicht.

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6 Leserkommentare
77b1hts 15.07.2013
musikimohr 15.07.2013
mimas101 15.07.2013
ediart 15.07.2013
Oberleerer 15.07.2013
willgence 21.07.2013

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