Venus, Himmelsscheibe und Goldhut Hier sehen Sie die Top-Funde deutscher Archäologen  

Die Himmelsscheibe von Nebra gehört zu den wichtigsten archäologischen Funden überhaupt. Eine Ausstellung in Berlin zeigt sie nun mit weiteren Prunkstücken des Landes - von der Steinzeit bis fast in die Gegenwart.

Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/ Juraj Lipták

Manchmal kann Archäologie wie ein Krimi sein. Im Fall der berühmten Himmelsscheibe von Nebra war er vielleicht sogar spannender, als es sich der Archäologe Harald Meller gewünscht hätte. Im Jahr 2002 gab er sich vor Hehlern als Kaufinteressent aus. Meller traf die Männer in einem Hotel in Basel - auf der Herrentoilette.

Was die beiden nicht wussten: Das Geschehen wurde von Polizisten überwacht, die Beamten warteten nur auf eine günstige Gelegenheit für einen Zugriff: Doch was Meller nicht wusste: Witterten die Männer die Falle und waren sie vielleicht bewaffnet?

Zum Glück war die Polizeiaktion ein Erfolg, Meller überstand sie unverletzt, die Hehler konnten verhaften werden. Und mit ihm, dem Landesarchäologen von Sachsen-Anhalt, hatten endlich Wissenschaftler Zugriff auf die Scheibe, die sich als Original herausstellte und die Forschung jahrelang beschäftigen sollte.

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Bisher war die Himmelscheibe im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu sehen. Doch für eine besondere Ausstellung haben die Archäologen sie nun nach Berlin ausgeliehen. Eine Ausnahme, heißt es aus Halle. Das Stück ist mit 100 Millionen Euro versichert.

Bis Anfang November wird sie in der Ausstellung "Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland" im Berliner Gropius Bau gezeigt.

Hier geht es zu einer kleinen Auswahl der Exponate.

Die Macher der Show haben es geschafft, aus allen Teilen der Republik spektakuläre archäologische Funde zusammenzutragen - natürlich erhebt die Ausstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Unter den etwa tausend Exponaten sind die legendären Goldhüte aus Süddeutschland und Berlin, Pfeilspitzen aus einer der ältesten Schlachten in Nordeuropa, oder die berühmte Venus vom Hohle Fels. Im Prinzip war jedes Exponat eine Schlagzeile in den Medien.

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Doch der Star der Show ist ohne Zweifel die Himmelsscheibe.

Heute ist das Bronzeblech mit Goldapplikationen, das auf ein Alter von fast 4000 Jahren datiert wurde, vermutlich einer der meistuntersuchtesten Altertumsgegenstände der Welt. Vom Teilchenbeschleuniger bis zum Massenspektrometer hat alles an technischem Gerät die Scheibe analysiert und durchleuchtet, was zur Verfügung steht.

Tatsächlich hat die Himmelsscheibe, deren Fundort später auf einen 250 Meter hohen Hügel etwa vier Kilometer westlich der Stadt Nebra lokalisiert werden konnte, die Sicht auf die frühen Kulturen in der Mitte des heutigen Deutschlands verändert.

Frühe Hochkultur mit König und Armee?

Auch wenn von Grabungsstellen in der Nähe bekannt war, dass die Menschen der Region schon sehr früh astronomische Kenntnisse hatten, zeigt die Scheibe, die vermutlich im Laufe der Zeit mehrmals überarbeitet und ergänzt wurde, sehr genau, wie exakt die Menschen der sogenannten Aunjetitzer-Kultur der Frühbronzezeit das Geschehen der Gestirne damals erfassen konnten.

Meller glaubt, dass man bei der Gesellschaft der damaligen Zeit sogar schon von einer frühen Hochkultur sprechen kann. So habe es einen König an der Spitze eines Staats gegeben, der seine Macht mit einer Armee sicherte. Andere Fachleute sind vorsichtiger mit ihren Interpretationen und halten etwa nicht alle Aussagen über die Anwendung der Scheibe für belegbar.

Fest steht aber: Ohne die über zwei Kilo schwere Himmelsscheibe hätte der Fokus der Forschung sich nicht auf die Aunjetitzer-Kultur gerichtet. Und ohne sie hätte sie nicht die Bedeutung , die sie inzwischen hat, sagte Meller kürzlich in der Zeitung "Die Zeit".

Die Ausstellung "Bewegte Zeiten" im Berliner Gropius Bau läuft noch bis zum 6. Januar.

joe



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