"Himmelsscheibe von Nebra" Raubgräber legen Geständnis ab

Die Diebe der "Himmelsscheibe von Nebra" haben ihre Tat vor Gericht gestanden. Den beiden Raubgräbern und ihren zwei mutmaßlichen Komplizen drohen Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren.


Himmelsscheibe von Nebra: Diebe sind geständig
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Himmelsscheibe von Nebra: Diebe sind geständig

Zum Auftakt des Prozesses um das weltberühmte, 3600 Jahre alte Artefakt haben die beiden mutmaßlichen Raubgräber vor dem Amtsgericht Naumburg (Sachsen-Anhalt) ihre Tat eingeräumt. Über ihre Rechtsanwälte gaben die 32- und 39-jährigen Männer am Montag eine Erklärung ab, worin sie die Tat bereuen. Beide behaupten, nicht gewusst zu haben, dass das Land Sachsen-Anhalt bei wissenschaftlich hervorragenden archäologischen Funden automatisch Eigentümer der Stücke wird.

Insgesamt sind drei Männer und eine Frau wegen Fundunterschlagung, Hehlerei und versuchter Hehlerei angeklagt. Ein zunächst fünfter Angeklagter hat mittlerweile seinen Strafbefehl bezahlt.

Laut Anklage haben die beiden Raubgräber die Bronzescheibe sowie weitere Fundgegenstände für 32.000 Mark an einen Zwischenhändler verkauft. Dieser hätte die Fundstücke für 230.000 Mark an den dritten Angeklagten veräußert, der sie später auf dem Schwarzmarkt angeboten habe. Unter Vermittlung der angeklagten Frau kam es laut Staatsanwaltschaft zu Verhandlungen mit dem sachsen-anhaltischen Landesarchäologen, der zum Schein auf das Geschäft einging. Bei einem Treffen in Basel im Februar 2002 wurden die beiden mutmaßlichen Hehler von Schweizer Ermittlern festgenommen.

Angeklagte wollen Gesetze nicht gekannt haben

Die beiden Raubgräber hatten als Teil ihrer Schadenswiedergutmachung dem Landesarchäologen Harald Meller den genauen Fundort der Scheibe verraten. Die beiden anderen Angeklagten bestritten dagegen vor Gericht den Vorwurf der Hehlerei und der Beihilfe zur Hehlerei. "Ich wollte die Scheibe für Deutschland retten", sagte die 44-jährige Frau. Auch der 64-jährige mutmaßliche Hehler wies die Vorwürfe von sich. Die beiden aus Nordrhein-Westfalen stammenden Angeklagten behaupteten, nichts von den einschlägigen Gesetzen gewusst zu haben.

Das Gericht will bis spätestens Mittwoch entscheiden, ob es das Verfahren gegen die beiden Schatzgräber wegen ihres Geständnisses abtrennt und schnell zu Ende bringt. Das Strafgesetzbuch sieht für Unterschlagung eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren und für Hehlerei Gefängnis bis zu fünf Jahren oder entsprechende Geldstrafen vor.

Die Himmelscheibe ist die älteste genauere Sternenabbildung der Welt. Sie wurde am 4. Juli 1999 von den Raubgräbern aus dem 252 hohen Mittelberg bei Nebra im Burgenlandkreis zusammen mit einem Bronzeschatz ausgegraben. Die Scheibe ist nach Ansicht von Archäologen ein bedeutender Schlüsselfund für Archäologie und Religionsgeschichte. Ihre Entdeckung sorgte international für Aufsehen.



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