Hirndoping Epo verbessert das Gedächtnis

Das Dopingmittel Epo kann nicht nur die Ausdauer steigern - es stärkt auch die Erinnerung. Göttinger Forscher haben jetzt entdeckt, dass das Hormon die Nervenaktivität im Gehirn verändert - genau dort, wo Informationen für Lang- und Kurzzeitgedächtnis sortiert werden.


Wenn immer mehr rote Blutkörperchen durch die Gefäße und ins Gehirn schwimmen, können sie insgesamt auch immer mehr Sauerstoff transportieren. Erythropoetin - kurz Epo - kurbelt einerseits die Blutbildung an und bringt so indirekt das Gedächtnis auf Trab. Offenbar verbessert das Hormon aber auch die Weiterleitung von Nervenimpulsen im Gehirn, wie Neurowissenschaftler vom Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen jetzt berichten.

Training fürs Gehirn: Nicht nur "Gehirnjogging" stärkt das Erinnerungsvermögen. Auch Epo kann das Gedächtnis verbessern
DDP

Training fürs Gehirn: Nicht nur "Gehirnjogging" stärkt das Erinnerungsvermögen. Auch Epo kann das Gedächtnis verbessern

Schon mehrere Forschergruppen haben bei Untersuchungen mit Epo Hinweise darauf gefunden, dass es Prozesse im Gehirn verändert: Zunächst fanden Wissenschaftler Rezeptoren für das Hormon im Gehirn. Dann konnte ein Team nachweisen, dass Epo offenbar Patienten mit Multipler Sklerose helfen kann. Erst vor zwei Jahren entdeckte das Max-Planck-Team aus Göttingen, dass Epo die kognitiven Fähigkeiten von Schizophrenen verbessern kann.

Was genau das Hormon, das sich Sportler gern zur Steigerung ihrer Ausdauer heimlich spritzen, allerdings im Gehirn bewirkt, war den Forschern bislang unbekannt. Nun haben die Göttinger Wissenschaftler um Hannelore Ehrenreich jedoch an Mäusen herausgefunden, wie es im Gehirn wirkt. Das berichten sie online im Fachmagazin BMC Biology.

Drei Wochen lang spritzten sie jungen Mäusen jeden Tag Epo. Dadurch veränderte sich die Nerventätigkeit vor allem im Hippocampus. Das ist eine evolutionär alte Hirnregion, die Lernprozesse verarbeitet und Erinnerungen ins Kurzzeit- oder Langzeitgedächtnis weiterleitet. Tatsächlich verbesserte sich in den Versuchen das Erinnerungsvermögen der Mäuse, dieser Effekt hielt sogar noch drei Wochen nach Beendigung der Epo-Gabe an.

"Junge Mäuse, die drei Wochen lang systematisch mit Epo behandelt werden, haben ein deutlich besseres Gedächtnis - ähnlich den dramatischen Verbesserungen von Ausdauer und Muskelkraft von Athleten, die sich mit Epo dopen", sagte Studienleiterin Ehrenreich. Die Forscher berichten jedoch auch, dass die beobachteten Veränderungen nicht von einer vermehrten Blutproduktion abhängig gewesen seien.

Von ihren Erkenntnissen erhoffen sich die Wissenschaftler nun neue Therapieansätze für chronische Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Schizophrenie.

hei/Reuters



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