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Hirnforschung: Doppelschlag gegen Alzheimer

Ist es das lang erhoffte Wundermittel gegen Alzheimer? Ein neuer Wirkstoff soll die gefährliche Ablagerungen im Gehirn verhindern. Vom Erfolg der klinischen Tests hängt viel ab, denn die Zahl der Alzheimer-Opfer wird in Zukunft stark steigen.

Wie die Ablagerungen in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten aussehen, wissen Forscher schon lange. Dennoch ist es ihnen bislang nicht gelungen, die Entstehung der Plaques zu verhindern. Jetzt hoffen Wissenschaftler aus den USA und Europa, mit einem neuen Medikament die Demenzkrankheit bekämpfen zu können. Ein Team um Thomas Kukar von der Mayo Clinic in Jacksonville (US-Bundesstaat Florida) testet derzeit ein Mittel, das das Alzheimer-Protein Beta-Amyloid auf zwei Fronten angreift. Beta-Amyloid lagert sich in aufgefalteter Form im Gehirn ab und beeinträchtigt dessen Funktion.

Senioren: Hoffnung auf ein neues Mittel gegen Alzheimer
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Senioren: Hoffnung auf ein neues Mittel gegen Alzheimer

Die Arznei, die sich derzeit in der dritten und letzten Phase der klinischen Tests befindet, stammt aus der Gruppe der Gamma-Secretase-Modulatoren (GSM). Sie habe nicht nur dafür gesorgt, dass die Produktion von langen Beta-Amyloid-Stücken gesunken sei, schreiben die Forscher im britischen Fachblatt "Nature". Das Mittel habe auch die Herstellung von kurzen Stücken begünstigt. Dadurch würden die langen Varianten daran gehindert, sich zusammenzuballen und die gefährlichen Ablagerungen zu bilden.

Für ihre Tests setzten die Ärzte ein GSM-Molekül namens Tarenflurbil ein, das als Flurizan vermarktet wird. Mehrere weitere Medikamente sollen in den kommenden Jahren erprobt werden. Die meist ältere Menschen betreffende Alzheimer-Krankheit wird in den kommenden Jahrzehnten durch die Bevölkerungsentwicklung stark zunehmen. Einige Schätzungen sagen einen Anstieg von heute 24 auf 42 Millionen Erkrankte im Jahr 2020 und 81 Millionen im Jahr 2040 voraus.

Kukar und seine Kollegen haben nach eigenen Angaben auch eine über die Alzheimer-Forschung hinausgehende Entdeckung gemacht. Die Tests hätten gezeigt, dass GSM die Struktur des Alzheimer-Proteins direkt angreife - und nicht wie zunächst gedacht ein Enzym, das die Entstehung von Beta-Amyloid veranlasst. "Das erweitert die Vorstellung darüber, was Medikamente leisten können, und hat deshalb weitreichende Auswirkungen für künftige Arzneimittel-Entdeckungen bei vielen verschiedenen Störungen", erklärte Todd Golde, einer der beteiligten Forscher.

hei/AFP

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