Hirnforschung Filter hilft, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden

Der Gedächtnisfilter, den schwedische Forscher entdeckt haben, funktioniert wie ein Pförtner. Er sortiert ankommende Informationen vor – und nur was wichtig ist, wird später gespeichert.


Arbeitsspeicher heißt der Teil des Kurzzeitgedächtnisses, der Informationen zum sofortigen Abruf bereithält. Schon länger gibt es unter Psychologen die These, dass sich die Leistungsfähigkeit dieses Arbeitsspeichers auch auf das effiziente Trennen von entscheidenden und unwesentlichen Informationen zurückführen lässt. Wer sich auf das Wichtigste konzentriert – also Belangsloses über Bord werfen kann – der ist leitungsfähiger.

Hirnmodell (Archivbild): Die Leistungsfähigkeit des Arbeitsspeichers hängt auch vom effizienten Filtern von Informationen ab
DPA

Hirnmodell (Archivbild): Die Leistungsfähigkeit des Arbeitsspeichers hängt auch vom effizienten Filtern von Informationen ab

Torkel Klingberg und Fiona McNab vom Karolinska-Institut in Stockholm haben nun untersucht, wie die physiologischen Grundlagen dieses Systems aussehen könnten und die Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature Neuroscience" veröffentlicht.

Klingberg und McNab hatten Freiwillige in einem Magnetresonanztomografen verschiedene Gedächtnistests absolvieren lassen. Dabei sagten sie einer Gruppe vor dem Start, dass es neben den eigentlich wichtigen Informationen auch solche geben würde, die nur der Ablenkung dienten. Eine Kontrollgruppe bekam diese Information nicht. Die Wissenschaftler verglichen nun die Hirnaktivität der Probanden mit angekündigter Ablenkung mit der ohne eine solche Vorwarnung.

Bei der Auswertung der Bilder aus dem Tomografen lokalisierten sie drei Hirnareale, denen sie eine wichtige Rolle im Filtersystem des Gedächtnisses zuschreiben: der präfrontale Cortex, das Putamen und das Pallidum. Sie werden nach den Erkenntnissen der Forscher bereits aktiv, bevor die zu filternden Informationen eintreffen und scheinen daher vor allem für die Vorbereitung des Filtervorgangs wichtig zu sein. Je größer ihre Aktivität dabei ist, desto besser ist später auch die Merkfähigkeit - und desto weniger Überflüssiges wird abgespeichert.

Die Forscher glauben sogar, eine Aufgabenteilung gefunden zu haben: Demnach ist der präfrontale Cortex für die Überwachung und Steuerung des Systems verantwortlich. Dieses Areal gilt als eine Art oberste Kontrollinstanz im Gehirn. Putamen und Pallidum, die zu den tiefer im Gehirn liegenden sogenannten Basalganglien gehören, sind hingegen für die eigentliche Ausführung zuständig.

Der Gedächtnisfilter, so schreiben die Forscher sei vergleichbar mit einem Pförtner: Er sortiert die hereinkommenden Informationen vor und ermöglicht es dem Arbeitsspeicher so, sich nur auf die wesentlichen zu konzentrieren. Gleichzeitig verhindert er, dass nicht benötigte Daten die begrenzten Ressourcen des Gehirns belegen.

chs/ddp



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