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Hirnforschung: Der Ursprung der Klugheit

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Menschliches Gehirn: Was macht Intelligenz aus?

Was macht Menschen intelligenter als andere Lebewesen? Das starke Wachstum des Hirns im Stirnbereich während der Evolution gilt als Ursache. Nun aber zeigt eine Studie, dass der Intelligenz-Vorsprung wohl in anderen Regionen verortet werden muss.

Die Intelligenz von Menschen kann nicht allein mit der Größe des Frontallappens im Gehirn zusammenhängen. Das folgern britische Forscher, die die Größe dieser Hirnregion bei Tieren und Menschen verglichen haben. Der Stirnlappen der Großhirnrinde sei beim Menschen nicht größer, als es der allgemeinen Entwicklung eines Säugetierhirns entspreche, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Bisher galt das außerordentliche Wachstum des Hirns im Stirnbereich während der Evolution als Grund für die Intelligenz des Menschen - offenbar ein Irrtum: "Nach dem körperlichen Sitz der einzigartigen geistigen Fähigkeiten des Menschen sollte weniger in den Stirnlappen als vielmehr in den Netzwerken der Nervenzellen gesucht werden", schreiben die britischen Biologen Robert A. Barton von der Universität Durham und Chris Venditti von der Universität Reading.

Für ihre Studie untersuchten sie fünf Datensätze über die Größen von Hirnregionen verschiedener Tiere, insbesondere Affenarten, und des Menschen. Zwar habe die Entwicklungslinie, die zum Menschen führte, das verhältnismäßig größte Hirnwachstum aller höheren Lebewesen zu verzeichnen, berichten die Forscher. Auch sei der Stirnlappen des Menschen überproportional gewachsen. Das ist nach den Untersuchungsergebnissen jedoch keine Besonderheit des Menschen. Bei allen höheren Tieren gilt: Mit zunehmendem Hirnvolumen wächst der Frontallappen stärker als die übrigen Hirnregionen.

Seelöwen liefern Erkenntnis

Von dieser Regel ausgehend, liegt die Größe des menschlichen Stirnhirns nach den Erkenntnissen der Forscher im Rahmen der Erwartung für ein Gehirn dieser Größe. Gleiches gilt für das Volumen der grauen und weißen Substanz in dieser Hirnregion. Als Beispiel dafür, dass die Größe bestimmter Hirnteile nicht entscheidend ist, führen die Wissenschaftler den Seelöwen an. Dieser habe einen größeren Stirnlappen als Menschenaffen - sei aber nicht gerade für besondere Intelligenz bekannt.

Für Barton und Venditti lassen ihre Ergebnisse drei Möglichkeiten offen, um die Ursachen für die Intelligenz des Menschen zu deuten: Erstens könnte eine bestimmte Region innerhalb des Stirnlappens im Verhältnis stärker gewachsen sein. Zweitens könnte Wachstum in anderen Hirnregionen erfolgt sein, es gebe Hinweise auf den Schläfenlappen und den Mandelkern, schreiben die Forscher. Drittens könnte eine gemeinsame Vergrößerung von miteinander verbundenen Hirnregionen ausschlaggebend für die Intelligenz des Menschen gewesen sein.

boj/dpa

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insgesamt 75 Beiträge
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1. Die Intelligenz der Menschen.... hihi
R4mbo 14.05.2013
Der entscheidende Unterschied zwischen Mensch und Tier: Ich kann denken "Morgen gehe ich arbeiten", ein Affe kann das nicht. Und warum? Weil ich eine Sprache habe, die es mir erst ermöglicht in Sprache zu denken. Tiere haben höchstens ein paar Laute, damit sind solche Gedankenkonstrukte nicht möglich. Warum können sie dann nicht einfach unsre Sprache lernen? Weil sie andere Sinnes- und Sprachorgane haben. Sie nehmen unsere Sprache nicht wahr wie wir sie wahrnehmen, für die sind das nur Geräusche. Warum soll man versuchen in Geräuschen wie Reifen-Quitschen eine Sprache zu erkennen und diese zu erlernen, und dass auch noch wenn man nicht mal weiß was eine Sprache ist? Unsere Sprache hat sich sehr langsam von Generation zu Generation entwickelt, und damit auch unser Denken, das kann man nicht einfach aufs Tierreich übertragen, da fehlen die ganzen vorherigen Stufen, das ist das Problem.
2. Die Dummheit von R4mbo...
henriette246 15.05.2013
Schimpansen (und sicher auch andere Menschenaffen) sind durchaus in der Lage, über 600 Zeichen der amerikanischen Gebärdensprache (ASL) zu erlernen, damit zu kommunizieren und dieses Wissen auch an ihre Kinder weiterzugeben! (zum Weiterlesen: "Unsere nächsten Verwandten" von Roger Fouts, http://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Fouts, http://de.wikipedia.org/wiki/Washoe_(Schimpansin)) Ein Zeichen von Intelligenz ist übrigens, ein Bewußtsein für die eigene Unwissenheit zu haben und sich somit nur zu Themen zu äußern, von denen man überhaupt etwas versteht...
3. Sitz der Dummheit
Ursprung 15.05.2013
Zitat von sysopDPAWas macht Menschen intelligenter als andere Lebewesen? Das starke Wachstum des Hirns im Stirnbereich während der Evolution gilt als Ursache. Nun aber zeigt eine Studie, dass der Intelligenz-Vorsprung wohl in anderen Regionen verortet werden muss. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hirnforschung-groesse-des-stirnhirns-nicht-entscheidend-fuer-intelligenz-a-899801.html
Der Sitz der Dummheit ist bislang von Hirnforschern so wenig gefunden wie jener der angebliche Klugheit. Erstere muss an dem Mesallianzzusammenspiel unterschiedlicher Hirnregionen liegen. Wird also im Kopf vermutet. So halte ich einen "Ursprung der Klugheit" fuer ein Hirngespinst, welches wohl der Selbstbeweihraeucherung dienen soll. Das scheint mir schon mal wenig klug zu sein, eher emotionsgeladen. Wer definiert Klugheit? Natuerlich wir selber, vermutlich um uns selber von unserer Klugheit unkritisch ueberwaeltigen zu lassen. Auch der Baum ist klug, wenn der von Fall zu Fall entscheidet, seine Ressourcen nach starker Sturmperiode lieber in die Dicke und dem Winkel seiner Windwaertswurzeln oder in eine vermehrte Samenproduktion zu investieren. Beide scheinen mir jedenfalls kluge Entscheidungen zu sein. Die koennten wir auch faellen. Doch das beweist allenfalls, dass wir auch so klug wie Baeume waeren, mehr aber nicht. Oder so klug wie Affen, soweit erforscht, mehr auch hier nicht. Zugvoegel dagegen sind navigatorisch erheblich klueger als Menschen, Katzen mit ihrem erheblich detaillierterem Umgebungsbild auch. Vielleicht haben wir von vielem etwas, sind vielleicht weniger spezialisiert als Pflanzen und Tiere, dafuer aber "duemmer" in deren Spezialgebieten. Trotz relativ grossem Hirn. Wenns nach Gehirngroesse und Windungsdifferenziertheit ginge, waeren Wale viel klueger, denn von beidem besitzen die erheblich mehr. Die bringen sogar, wenn die eine japanische Flagge sichten oder am Geruch des Schiffsrumpfes den Japaner erkennen, Opfer an zum harpunieren und suchen somit selber aus, wer den Japanern als Forschungsgut praesentiert werden soll, nicht die Japaner selber. Sie haben geschnallt, dass man den Japanern nicht entgehen kann, deshalb handeln sie lieber selber. Das ist unlogisch oder grausam von den Walen? Auch Menschen bringen Goettern Opfer der eigenen Art dar, um jene abzuspeisen, vulgo gnaedig zu stimmen oder im Paradies mit Jungfrauen staendig fremdgehen zu koennen. Noch heutzutage. Trotz ihrer Faehigkeit, komplizierte Apparate zu bauen. Offenbar verhilft das aber nicht zu mehr Klugheit, sondern eher der Potenzierung duemmlichen Verhaltens. Ich glaube eher, der Mensch ist dumm, nicht klug. Er saegt mit toll erfundenen Maschinen am Ast, auf dem er selber sitzt. Ist vernarrt in die angeblich klugen Zwecken dienenden Maschinen und geil auf ihre Anwendung. So dumm ist keines der anderen Geschoepfe, die wir (noch) um uns haben.
4. Ursprung der Klugheit
querulant_99 15.05.2013
Der Mangel an klugen Beträgen zu diesem Thema, demonstriert sehr deutlich, dass man die Klugheit offensichtlich noch nicht gefunden hat. :-)
5. Klugheit und Intelligenz?
freundblase 15.05.2013
Da stimme ich Ursprung teilweise zu. Entweder man nutzt empirische Methoden um nach Intelligenz zu suchen und stellt fest, dass jedes Lebewesen in angemessener Weise auf seine Umwelt reagiert, womit man dann jedem Lebewesen auch Intelligenz unterstellen kann oder man definiert vorab, was Intelligenz sein soll und wendet diese Definition auf alle Lebewesen an. Aber dann ist diese Defintion auch nur eine solche, welche von Menschen erschaffen worden ist und lediglich für sie gültig ist. Da könnte auch ne Katze ankommen mit einer für ihre Gattung passenden Definition und würde zu dem Schluss kommen wie strunz dumm Menschen sind. Traurig, traurig. Wo ist nur die selbstkritische Reflexion über die eigenen Prämissen und Schlussfolgerungen geblieben? Ist es nicht das, was einen Wissenschaftler ausmacht?
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