Hirnforschung Kampfsportler spüren weniger Schmerzen

Prügeln macht hart: Erfahrene Kampfsportler nehmen Schmerzen gedämpfter wahr. Ihr Gehirn verarbeitet Schläge anders, haben Forscher herausgefunden. Die Erkenntnis schürt die Hoffnung auf neue Therapien gegen chronische Schmerzen.

Judo: Kampfsportler sind härter im Nehmen.
AFP

Judo: Kampfsportler sind härter im Nehmen.


Wer regelmäßig asiatische Kampftechniken wie Kung-Fu oder Karate ausübt, wird unempfindlicher gegen Schmerz. Diesen Effekt haben Forscher um Monika Dirkwinkel vom Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum mit Hirnstrommessungen bei Kampfsportlern entgedeckt. Das Gehirn eines erfahrenen Kampfsportlers verarbeite Schmerzen anders. Die Erkenntnis könnte neue Behandlungsmethoden gegen chronische Schmerzen ermöglichen, hoffen die Wissenschaftler. Ihre Ergebnisse wollen sie beim Deutschen Schmerzkongress vorstellen, der vom 6. bis 9. Oktober in Mannheim stattfindet.

Die Forscher lösten bei den Teilnehmern leichte Schmerzreize aus und erfassten dabei mittels Elektroden die Hirnströme der Sportler. Auf diese Weise konnten sie nach eigenen Angaben die Reaktion der Nerven im Gehirn dokumentieren.

Die Auswertung dieser Daten und Befragungen der Probanden offenbarten: Sowohl in der Schmerzwahrnehmung, die sich in den veränderten Hirnströmen widerspiegelt, als auch in der affektiven, also gefühlsmäßigen Bewertung von Schmerzen sind Kampfsportler weniger stark beeinträchtigt. "Kampfkünstler gehen viel gelassener mit Schmerzen um und scheinen auch weniger empfindlich zu sein", resümiert Studienleiterin Dirkwinkel.

Die Abhärtung gegen Schmerzen ist wesentlicher Bestandteil und Trainingsziel von Kampfkünsten wie Kung-Fu oder Karate und geschieht unter anderem durch Simulationen von Treffersituationen im Kampf. Dabei soll der Schmerz als Schutzmechanismus überwunden werden, weil er den Körper sonst zum Rückzug auffordert und damit dem Gegner einen Vorteil verschaffen könnte.

Der entscheidende Faktor sei offenbar nicht die Kräftigung des Bewegungsapparats durch das Training, so die Mediziner. "Wir konnten keine körperlichen Veränderungen bei Kampfsportlern feststellen, die die verminderte Wahrnehmung von Schmerzen erklären würden", erläutert Dirkwinkel. Die Ergebnisse der Studie lassen vielmehr vermuten, dass sich die psychische Akzeptanz von Schmerzen ändert: "Für Kampfsportler ist das Schmerzgefühl nicht negativ behaftet, sondern selbstverständlicher Teil des Trainings", so die Forscherin.

Eine neue Therapiemethode für die Praxis lässt sich aus den Ergebnissen zwar nicht unmittelbar ableiten, trotzdem bringt die Studie den Wissenschaftlern zufolge die Schmerzforschung voran: "Wir hoffen, neue Ansatzpunkte zur Behandlung von krankhaften Schmerzen zu finden, wenn es uns gelingt, die Mechanismen, die bei der verminderten Schmerzwahrnehmung von Kampfkünstlern auftreten, noch besser zu verstehen", sagt die Bochumer Neurologin.

boj/dapd



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