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Hirnforschung: Kinder mit ADHS haben verzögerte Hirnentwicklung

Bei Kindern mit der Aufmerksamkeitsdefizitstörung ADHS entwickelt sich das Gehirn normal, aber zeitverzögert. Viele Hirnregionen reifen im Schnitt drei Jahre später als bei Kindern ohne die Verhaltensauffälligkeiten, haben amerikanische und kanadische Forscher nachgewiesen.

Sie sind hyperaktiv, lassen sich leicht ablenken und flippen einfach so aus - Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bereiten Eltern viele Sorgen und stellen Lehrer und Erzieher vor große Probleme. Wissenschaftler um Philip Shaw vom National Institute of Mental Health in Bethesda haben untersucht, wie sich das Gehirn betroffener Kinder entwickelt. Sie fanden heraus, dass die Hirnentwicklung nicht beeinträchtigt, aber verzögert ist. ADHS kommt bei schätzungsweise drei bis zehn Prozent aller Kinder vor, es sind vor allem Jungen betroffen.

Kinder: ADHS verzögert die Hirnentwicklung nur, beeinträchtigt sie aber nicht
DDP

Kinder: ADHS verzögert die Hirnentwicklung nur, beeinträchtigt sie aber nicht

Shaw und seine Kollegen haben beobachtet, dass manche Regionen im Gehirn besonders betroffen waren: diejenigen, die für die Kontrolle der Aufmerksamkeit, die Steuerung von Bewegungen und die Bewertung von Sinneseindrücken zuständig sind. Dass die Entwicklung lediglich verschoben, aber nicht verändert ist, könnte erklären, warum sich die Probleme der betroffenen Kinder später auszuwachsen scheinen, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Bei 446 Kindern und Jugendlichen untersuchten die Wissenschaftler mit der Magnetresonanztomographie, wie dick die Großhirnrinde an 40.000 Punkten war. Jedes Kind wurde mindestens zweimal im Abstand von etwa drei Jahren gescannt. Im Fokus stand dabei die Frage, wann die Großhirnrinde wo die maximale Dicke erreichte - zu diesem Zeitpunkt beginnt der Abbau überflüssiger Nervenverbindungen im Zuge einer Optimierung des Gehirns. Die Probanden, deren Alter zwischen dem von Vorschulkindern und jungen Erwachsenen lag, bildeten dabei zwei Gruppen: eine mit diagnostiziertem ADHS und eine gesunde Vergleichsgruppe.

Bei allen Kindern verlief die Reifung des Gehirns nach dem gleichen Muster ab, ergab die Auswertung. Allerdings erreichten die untersuchten Punkte in den Gehirnen der ADHS-Kinder im Vergleich zur Kontrollgruppe ihre maximale Ausdehnung im Durchschnitt drei Jahre später, in manchen Fällen sogar fünf Jahre. Eine Ausnahme bildete das motorische Zentrum: Es war die einzige Hirnregion, die bei der ADHS-Gruppe früher reifte.

Besonders ausgeprägt war die Verzögerung bei Arealen im vorderen Bereich des Gehirns. Sie sind allgemein zuständig für die höheren Funktionen wie etwa abstraktes Denken, die Fähigkeit, unpassende Reaktionen unterdrücken zu können oder die Kontrolle der Aufmerksamkeit - genau die Fähigkeiten also, die bei Kindern mit ADHS häufig beeinträchtigt sind.

Besonders interessant sei zudem gewesen, dass sich zwar das Bewegungszentrum sehr schnell entwickelte, die für die Kontrolle von Bewegungen zuständige Region aber eine deutlich verzögerte Reifung zeigte, berichten die Forscher. Die Wissenschaftler wollen nun die genauen genetischen und neurophysiologischen Ursachen der Entwicklungsverzögerung untersuchen.

lub/ddp

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