Hirnforschung Knappe Niederlagen stacheln Spielsucht an

Eine knappe Niederlage verschreckt Menschen mit Hang zum Glücksspiel keineswegs: Trotz negativer Folgen werden Zocker durch eine knappe Niederlage geradezu zum Weitermachen provoziert. Schuld ist das Belohnungssystem im Hirn.

Spielautomaten (in Singapur): Massive Dopamin-Ausschüttung bei Beinahe-Gewinn
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Spielautomaten (in Singapur): Massive Dopamin-Ausschüttung bei Beinahe-Gewinn


Zwanghaftes Spielen gehört nach der Hirnforschung in die gleiche Kategorie wie die Drogensucht: In beiden Fällen wird im Gehirn der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet, der das Belohnungssystem aktiviert. In der Folge sind Spielsüchtige nicht mehr in der Lage, selbst bei negativen Folgen dem Impuls zum Glücksspiel oder Wetten zu widerstehen.

Warum das so ist, haben nun Wissenschaftler University of Cambridge untersucht. An der Studie nahmen sowohl Nichtspieler als auch Personen mit Hang zur Lotterie und zu Sportwetten teil. Diese spielten an einem Glücksspielautomaten, bei dem sich zwei Räder mit je sechs Symbolen drehten. Kamen in einer horizontalen Zone zwei gleiche Symbole zum Stehen, erhielt die Versuchsperson 50 Pence (75 Cents), alle anderen Spielsituationen wurden nicht belohnt. Stoppte allerdings ein Rad, so dass ein passendes Symbol halb in der Gewinnzone zu sehen war, galt dies als Beinahe-Gewinn.

Um die Denkaktivitäten der Probanden sichtbar zu machen, wurden die Durchblutungsänderungen der Gehirne beim Spielen mit funktioneller Magnetresonanztomographie registriert. Zu ihrem Erstaunen stellten die Wissenschaftler fest, dass bei einem Fast-Gewinn die gleichen Hirnregionen der aktiven Spieler aktiviert wurden wie bei einem vollen Erfolg. Und genau in diesen Arealen sitzen die Zellen, die das Glückshormon freisetzen. Bei Menschen ohne Spielbegeisterung fiel die Selbstbelohnung aus: Sie verbuchten einen Beinahe-Gewinn als Niederlage, berichten die Forscher im Fachblatt "The Journal of Neuroscience" (Bd. 30, Nr. 18).

"Das Ergebnis legt nahe, dass bei Spielsüchtigen eine knappe Niederlage eine massive Dopamin-Ausschüttung bewirkt, obschon sie mit keinerlei realer Belohnung verbunden ist", erklärt Clark. Das erkläre, weshalb sie einfach nicht mehr mit dem Spielen aufhören können. Zusätzlich wurde bei den Beinahe-Siegen auch das Lernzentrum der Versuchspersonen aktiviert.

Tatsächlich belegen Studien, dass Glücksspieler sich der Illusion hingeben, dass sie das Spiel durch ihre Fähigkeiten steuern könnten. Der erhöhte Dopamin-Spiegel während der knappen Niederlagen unterstütze dieses Missverständnis und verstärke den Drang der Süchtigen zum Weiterspielen, schreiben die Wissenschaftler.

hda/ddp



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