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Hirnforschung: Liebe macht schmerzfrei

In der ersten Phase einer Beziehung sind Verliebte geradezu süchtig nach ihrem Partner. Der Gedanke, dass dieser Effekt auf das Gehirn ähnlich wirkt wie Drogen, liegt also nahe. Forscher konnten nun zeigen, dass die großen Gefühle Schmerzen vertreiben.

Küssendes Paar (Lottogewinner in den USA, Februar 2010): Wirkung wie Drogen Zur Großansicht
dpa

Küssendes Paar (Lottogewinner in den USA, Februar 2010): Wirkung wie Drogen

San Francisco - Dass die Liebe blind macht, weiß der Volksmund. US-Forscher haben nun aber noch ganz andere Eigenschaften herausgefunden: Gedanke an den Liebsten oder die Liebste aktivieren nämlich Areale in unserem Gehirn, die für die Belohnung zuständig sind - und Schmerzen vertreiben. Die Mechanismen sind vergleichbar mit denen bei der Einnahme schmerzlindernder Medikamente, Opium oder Kokain.

Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler um Sean Mackey von der Stanford University School of Medicine (US-Bundesstaat Kalifornien) im Fachmagazin "PLoS One". Die Forscher hatten ihre Studie an verliebten Studenten durchgeführt. Dabei hatten sie gezielt Paare gesucht, die sich in den ersten neun Monaten ihrer Beziehung befanden. "Wir richteten unser Augenmerk absichtlich auf diese frühe Phase der leidenschaftlichen Liebe", erläutert Mackey. "Wir wollten Versuchsteilnehmer, die sich euphorisch und energiegeladen fühlen und die wie besessen an ihren Liebsten denken und sich nach ihm sehnen."

Weil diese Phase der Liebe einer Sucht ähnelt, vermuteten die Wissenschaftler, dass sie in denselben Hirnregionen wie Suchteffekte hervorgerufen wird.

Die 15 ausgewählten Versuchsteilnehmer sollten ein Foto ihres Partners und eines Bekannten mitbringen, den sie ebenso attraktiv fanden. Die Forscher zeigten ihnen diese Fotos abwechselnd, während ein Wärmestimulator in der Handfläche der Versuchspersonen erhitzt wurde, um einen leichten Schmerz hervorzurufen. Gleichzeitig zeichneten die Forscher die Gehirnaktivität mit Hilfe eines funktionellen Magnetresonanztomographen auf.

Die Studenten wurden außerdem auf einen schmerzlindernden Effekt untersucht, während sie durch Fragen abgelenkt wurden. Die Wissenschaftler wollten durch diesen Versuchsteil ausschließen, dass Liebe nur als eine Ablenkung vom Schmerz funktioniert.

Die Ergebnisse zeigen: Sowohl Liebe als auch Ablenkung lindern den Schmerz - und beide sind effektiver als der Blick auf das Foto des attraktiven Bekannten. Doch es werden dabei ganz unterschiedliche Wege im Gehirn benutzt. Während die Schmerzlinderung der Liebe in archaischen Hirnarealen entsteht, führt die Ablenkung zu einer Aktivität in höher entwickelten Regionen des Großhirns.

Wer gerade nicht verliebt ist, hat übrigens trotzdem eine Chance auf eine verträgliche Schmerzlinderung: Lustige Filme ließen Probanden in Versuchen die Schmerzen durch eiskaltes Wasser deutlich besser ertragen. Und auch süße Düfte sollen dabei helfen, körperliche Pein unbeschwerter zu ertragen.

chs/dapd

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