Studie Männerhirn? Frauenhirn? Menschenhirn!

Unterscheiden sich die Gehirne von Frauen und Männern klar voneinander? Ein Forscherteam hat 1400 Hirnscans ausgewertet - und kommt zu einem deutlichen Ergebnis.

Was im Kopf passiert: Typisch männliche und weibliche Gehirne sind selten
Corbis

Was im Kopf passiert: Typisch männliche und weibliche Gehirne sind selten


Es wurden ganze Bücher darüber geschrieben, wie sich die Gehirne von Männern und Frauen angeblich unterscheiden - und wie sich daraus verschiedene geschlechtertypische Verhaltensweisen und Vorlieben erklären lassen. Aber existieren sie wirklich, die typischen Frauen- und Männerhirne?

Ein Forscherteam aus Israel, der Schweiz und Deutschland kommt nach der Analyse von rund 1400 Kernspinaufnahmen zum Schluss, dass es keinen Sinn ergibt, das menschliche Denkorgan nach männlich oder weiblich zu kategorisieren.

Laut ihrem Fachartikel in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" ("PNAS") gibt es zwar bestimmte Merkmale, die sich öfter bei Frauen oder Männern finden. Gleichzeitig aber besitzt die Mehrheit der Menschen einen bunten Mix - ein Mosaik, wie die Forscher schreiben.

Die Wissenschaftler um Daphna Joel von der Tel-Aviv University untersuchten Unterschiede in der grauen und der weißen Substanz des Gehirns sowie in der Stärke der Verknüpfungen zwischen verschiedenen Hirnbereichen. Zunächst suchten sie nach den Bereichen, in denen Unterschiede zwischen Männern und Frauen am stärksten ausgeprägt waren, in denen es also zwischen den Geschlechtern am wenigsten Überschneidungen gab. Dann bewerteten sie einzelne Gehirne danach, inwieweit sie in den betreffenden Bereichen rein weibliche oder rein männliche Merkmale besitzen.

Der Anteil der Teilnehmer mit nur typisch männlichen oder weiblichen Ausprägungen lag je nach untersuchtem Merkmal zwischen null und acht Prozent.

Man solle die große Schwankungsbreite des menschlichen Gehirns berücksichtigen, anstatt dies als Störfaktor zu werten, schreiben die Forscher. Und aufhören, über typisch männliche und typisch weibliche Gehirne nachzudenken.

Zu einem anderen Ergebnis kamen 2013 US-Forscher um Madhura Ingalhalikar von der University of Pennsylvania in Philadelphia. Sie hatten die Verdrahtung des Gehirns bei Männern und Frauen untersucht und über deutliche Geschlechterunterschiede berichtet. So besäßen Frauen in weiten Teilen des Gehirns besonders viele Kontakte zwischen den beiden Hirnhälften, während die Männer mehr Verknüpfungen innerhalb der Gehirnhälften hätten, berichteten sie damals, ebenfalls in "PNAS".

wbr/dpa



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insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
DerSponner 30.11.2015
1. Fehlt nur noch...
...eine Studie die Scans des ganzen Körpers auswertet und kaum Unterschiede zwischen Männerkörpern und Frauenkörpern findet. Nachdem es zu jeder Behauptung eine Studie gibt die diese untermauert kann es nicht mehr lange dauern bis diese Studie veröffentlicht wird.
braman 30.11.2015
2. Es mag ja ein
paar Unterschiede geben, aber ich glaube, das die Unterschiede innerhalb der Kategorie Frauen- oder Männerhirn größer sind als die Unterschiede zwischen den beiden - statistisch gesehen. Den Unterschied in der Denkweise und Informationsverarbeitung allerdings hängt wohl eher von den Unterschiedlichen Hormonen ab und nicht ob der eine Teil des Hirns sich im Hirnscan etwas unterscheidet oder nicht. MfG: M.B.
dr._seltsam 30.11.2015
3. Wäre interessant gewesen...
...zu wissen, ob sich die beiden Untersuchungen tatsächlich widersprechen. Oder lediglich andere Ansätze in der Betrachtung belegen? Da fehlt leider ein wenig die Vergleichsmöglichkeit im Text.
nic 30.11.2015
4.
Der Mann hat von der Natur andere Aufgaben als die Frau bekommen. Die Evolution ist eben nicht schnell genug um in knapp 1000 Jahren die Gehirne anzupassen. Das heißt jetzt nicht, dass der Eine blöder ist als die Andere (was ja gerne drauss gemacht wird), sondern gewisse Fähigkeiten anders gelagert sind. In unserer Gesellschaft kann man aber alles bestens ausgleichen.
skeptiker6 30.11.2015
5. Endlich mal
eine politisch korrekte Studie zu diesem Thema! WENN das allerdings nicht nur politisch, sondern auch wissenschaftlich korrekt sein sollte, dann stellt sich allerdings die Frage, warum die Evolution es ihn Millionen von Jahren nicht fertig gebracht hat, die Denk- und Verhaltensweisen von Männern und Frauen ihren (mit Ausnahme der letzten paar Jahrzehnte) i.d.R. verschiedenen Lebensweisen und Aufgaben anzupassen.
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