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Hirnforschung Städter sind stressanfälliger

Menschenmassen: Leben in der Stadt verändert anscheinend das StressempfindenZur Großansicht
DPA

Menschenmassen: Leben in der Stadt verändert anscheinend das Stressempfinden

Wer in der Stadt lebt, läuft eher Gefahr, an einer Depression oder einer Angststörung zu erkranken. Forscher haben nun eine mögliche Erklärung dafür: In einem Experiment zeigte sich im Hirn von Stadtbewohnern eine deutlich stärkere Reaktion auf Stress.

Aufs Land ziehen, das klingt für viele Stadtbewohner vor allem nach mehr Ruhe. Bessere Luft, weniger Autolärm - und am Wochenende wird der eigene Garten verschönert. Tatsächlich scheint sowohl das Aufwachsen als auch das Leben in einer Stadt die Stressverarbeitung im Gehirn zu beeinflussen. Darüber berichten Forscher um Florian Lederbogen vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim im Fachmagazin "Nature".

Zusammen mit Wissenschaftlern der McGill University im kanadischen Montréal testeten sie in mehreren Versuchen, wie ihre insgesamt knapp 160 Probanden Aufgaben lösten. Einen Teil der Freiwilligen setzten die Forscher absichtlich unter Stress. Zum einen war die Zeit zu knapp bemessen, in der die Teilnehmer komplizierte mathematische Aufgaben lösen sollten. Dazu mussten sich die Probanden noch negatives Feedback gefallen lassen, das per Kopfhörer auf sie einprasselte. Während des Prozesses untersuchten die Wissenschaftler mittels Kernspintomographie die Hirnaktivitäten der Teilnehmer.

Bei Städtern war die sogenannte Amygdala deutlich aktiver als bei Menschen, die auf dem Land leben, wie Andreas Meyer-Lindenberg vom ZI erläutert. Dieses auch als Mandelkern bekannte Hirnareal springt in Gefahrensituationen an und ist eine Art Angstzentrum. Veränderungen in der Amygdala werden zudem mit Angststörungen und Depressionen in Verbindung gebracht. Bei Menschen, die in einer Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern lebten, war die Aktivität der Amygdala zudem deutlich höher als bei denen aus Orten mit mehr als 10.000, aber weniger als 100.000 Einwohnern.

Bei den Teilnehmern, die in einer Stadt aufgewachsen waren, beobachteten die Forscher einen weiteren Unterschied: Der sogenannte cinguläre Cortex - ein Teil des Frontallappens des Hirns - reagierte stärker. Dieses Areal wirkt wiederum auf die Amygdala ein. "Diese beiden Regionen im Hirn sind besonders empfänglich für Stress", sagt Meyer-Lindenberg.

Städter erkranken häufiger an Depressionen, Angststörungen, Schizophrenie

Im Prinzip könnte eine Reihe von Faktoren diese beobachteten Unterschiede erklären, schreiben die Wissenschaftler in "Nature": Umweltverschmutzung, Giftstoffe, Enge, Lärm und demografische Faktoren, die in der Studie nicht berücksichtigt wurden. Die Forscher stellen jedoch die Vermutung auf, dass die veränderten Hirnaktivitäten mit sozialem Stress zusammenhängen.

Denn bekannt ist bereits, dass Städter ein höheres Risiko haben, an Angststörungen zu erkranken - es liegt Untersuchungen zufolge um 21 Prozent über dem von Landbewohnern. Das Risiko für eine Depression oder eine andere sogenannte affektive Störung ist sogar um 39 Prozent erhöht. In einer Stadt Aufgewachsene erkranken außerdem doppelt so oft an Schizophrenie, berichten die Wissenschaftler.

Weitere Studien müssten nun zeigen, ob diese Ergebnisse, die vor allem auf Tests mit deutschen Studenten beruhen, auch auf andere Länder übertragbar sind. Die Forscher vermuten, dass die Stadt Menschen vor allem dadurch negativ beeinflusst, dass so viele auf engem Raum zusammenleben. "Wenn wir den genauen Grund kennen, kann das bei der Stadtplanung berücksichtigt werden", meint Meyer-Lindenberg. Schon jetzt lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten - Tendenz steigend.

wbr/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
watermark71 23.06.2011
Ach ja - wer mal auf dem Land und in der Stadt gelebt hat weiss um die Unterschiede. Bei jedem Unwetter regnet es irgendwo rein. Mal kippt ein Baum um, Nachbars Lumpi büxt aus oder Nachbar Karl fährt sich im Schnee fest. Da [...]
Ach ja - wer mal auf dem Land und in der Stadt gelebt hat weiss um die Unterschiede. Bei jedem Unwetter regnet es irgendwo rein. Mal kippt ein Baum um, Nachbars Lumpi büxt aus oder Nachbar Karl fährt sich im Schnee fest. Da muss man immer ran. Und wenn man selbst nix hat, dann ist es der Nachbar, der Hilfe benötigt. In der Stadt hingegen lebt man fleissig vor sich hin und erfährt vom ganzen Unbill nur aus der Zeitung. Und wenn man zu wenig Stress und Aufregung hat - dann wird man halt krank.
vander1 23.06.2011
Naja, man muß sich unsere Städte doch nur mal ansehen. In bestimmten Stadtteilen kann es schon tagsüber ungemütlich werden und spät am Abend läßt man sich da am besten gar nicht blicken. Abgesehen davon ist durch Verkehr und [...]
Naja, man muß sich unsere Städte doch nur mal ansehen. In bestimmten Stadtteilen kann es schon tagsüber ungemütlich werden und spät am Abend läßt man sich da am besten gar nicht blicken. Abgesehen davon ist durch Verkehr und Hektik im Stadtleben ein höherer Streßpegel normal. Hat IMO weniger mit den Städtern, als vielmehr ihrem Umfeld zu tun.
frankzappajr. 23.06.2011
Ist sehr einfach zu erklären: In einer Stadt, so man nicht zu den Erlauchten gehört, die sich am Stadtrand ein schönes ruhiges sicheres Haus leisten können, hört man ständig Geräusche von Anderen. Seien es die Nachbarn die [...]
Ist sehr einfach zu erklären: In einer Stadt, so man nicht zu den Erlauchten gehört, die sich am Stadtrand ein schönes ruhiges sicheres Haus leisten können, hört man ständig Geräusche von Anderen. Seien es die Nachbarn die einer nach dem anderen durchs Haus getrampelt kommen, die die Haustüre zuknallen (wörüber man sich jedesmal aufregen möchte, da man zivilisiertes Zusammenleben für möglich hält), die Taube, die im Baum sitzt und stundenlang ihr monotones "hu-hu-hu" von sich gibt und einen, so man nicht wie ich, zu diesem Zweck eine Steinschleuder bereit hält, in den Wahnsinn treibt, die Sirenen der Polizei- und Rettungsfahrzeuge, etc. usw. usw. Kein Wunder, daß dann die Amygdala permanent am rattern ist.. Und wenn man schon Nachts nicht vor die Türe gehen möchte, da man dann gute Chancen hat, von irgendwelchen sozial benachteiligten und soziopathischen, zugedröhnten Bevölkerungsgruppen ausgeraubt oder/und zusammengeschlagen zu werden, ist klar, daß eine Stadt mehr Angstgefühle, Stress und alle nachfolgenden möglichen Krankheitsbilder ausbildet. Lösung: vielleicht eine auf Miteinander statt Gegeneinander ausgerichtete Neue Gesellschaft, ohne Klassen-, Gehalts-, und Ansehensunterschiede, geprägt vom Humanismus und gegenseitigem Respekt. Zu schön wäre natürlich auch eine Gesellschaft nach diesem Vorbild http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,627103,00.html In diesem Sinne Ihr FZ
lodjur 23.06.2011
für diese erkenntnis hätte ich persönlich jetzt keine größere forschungsreihe benötigt. ich bin auf dem land aufgewachsen, mit 20 des studiums wegen weggezogen und wohne nun leider seit zehn jahren in der großstadt. ich hasse [...]
für diese erkenntnis hätte ich persönlich jetzt keine größere forschungsreihe benötigt. ich bin auf dem land aufgewachsen, mit 20 des studiums wegen weggezogen und wohne nun leider seit zehn jahren in der großstadt. ich hasse jeden einzelnen tag, nutzen jeden zusammenhängenden zeitraum von mehr als einem tag, um rauszukommen, und sehne mich unendlich danach, dass dieser permanente höllenstress aus viel zu vielen menschen, autos, betonmauern, dauerbeschallung und -beleuchtung und allem, was sonst noch dazu gehört, endlich vorbei ist. nach dem urlaub auf dem land brauche ich in der regel genau einen halben tag, bis sich großstadtdepression und gereiztheit wieder einstellen. ich habe mich am anfang schwer getan zu glauben, dass es menschen gibt, die sich das freiwillig geben. die irgendwo in berlin in runtergerockten ofenheizungsbuden im hinterhaus sitzen, potsdam (100.000 ew!) als "auf dem land" und die hauptverkehrsstraße mit tausenden kneipen vorm haus als "urbanes flair" bezeichnen. was soll man denn in so einer umngebung anderes werden als depressiv, schizophren oder verängstigt? das einzige, was mir zu dem thema einfällt, ist "nicht artgerechte tierhaltung", aber gut, geschmäcker sind halt verschieden, und inzwischen glaube ich, dass es aufrichtige großstadtfans gibt. was mich aber extrem ärgert, ist, dass das auf-dem-land-leben wie so vieles andere angesichts stagnierender einkommen und explodierender kosten z.b. fürs pendeln immer mehr zum privileg wohlhabender wird. ich bin bestimmt nicht der einzige, der nur der leidigen arbeit wegen in der räudigen stadt sitzt und eigentlich NICHT bis zur rente warten möchte, bis er da endlich wieder rausdarf. eine einfache lösung, die ich mir wünschen würde: die wenigsten bürojobs erfordern heute noch dauernde anwesenheit an einem arbeitsplatz. wenn endlich mehr unternehmen ihren mitarbeitern sog. home office-tage zugestehen würden und z.b. weiterbildungen auch auf distanz absolviert werden könnten (in skandinavien ist man da weiter, da kann man sogar die meisten studiengänge online absolvieren) gäbe es auch für nicht-stadtmenschen endlich wieder eine perspektive. ich hoffe jedenfalls sehnsüpchtig auf eine zukunft außerhalb der stadt...
megaptera 23.06.2011
Für mich hätte es diese Studie auch nicht gebraucht. Jeder weiß letztendlich, dass man in einer Großstadt alle Sinne 5x mehr schärfen muss als auf dem Land. Alerdings hat das Landleben - neben den eindeutigen Vorzügen wie [...]
Für mich hätte es diese Studie auch nicht gebraucht. Jeder weiß letztendlich, dass man in einer Großstadt alle Sinne 5x mehr schärfen muss als auf dem Land. Alerdings hat das Landleben - neben den eindeutigen Vorzügen wie Ruhe, Grün, Umwelt - auch so seine Tücken. Intergriert wird nur, wer dem Schützenverein beitritt und den Gartenzaun liebt. Wer ein wenig außerhalb dieser Schemata denkt, gilt als Eigenbrötler, Querulant. Ohne Auto auf'm Land, kann man sich gleich begraben - sprich, ohne Auto sind alle Vorzüge des Landlebens obsolet.
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