Hirnschädigung Alkoholiker verlieren Sprachfähigkeit erst spät

Alkoholiker schädigen ihr Gehirn massiv, die sprachlichen Fähigkeiten werden davon zunächst jedoch kaum beeinträchtigt. Forscher haben nun eine Erklärung für das Phänomen gefunden: Das Gehirn verteilt die Aufgaben geschickt um.


Für Nervenzellen ist Alkohol pures Gift. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass dauerhafter Alkoholkonsum den Frontallappen und das Kleinhirn beschädigt. Obwohl diese Gehirnregionen bekanntermaßen an der Sprachverarbeitung beteiligt sind, bleibt die Fähigkeit, zu sprechen und Gesprochenes zu verstehen, bei Alkoholikern jedoch weitgehend erhalten.

Trinkender Jugendlicher: Geschädigte Sprachregion im Hirn
DDP

Trinkender Jugendlicher: Geschädigte Sprachregion im Hirn

Auf der Suche nach einer Erklärung dafür haben Forscher der Universität Paris Descartes nun die Gehirnaktivität von Alkoholikern untersucht und kommen zu dem Schluss, dass andere Hirnareale einspringen, um Schäden am Sprachzentrum auszugleichen. Über ihre Erkenntnisse berichten Jean-Luc Martinot und seine Kollegen im Fachmagazin "Alcoholism: Clinical & Experimental Research" (Online-Vorabveröffentlichung).

In ihrem Experiment beobachteten die Forscher die Gehirnaktivität von zwölf Alkoholikern sowie zwölf gesunden Menschen, während diese sprachliche Aufgaben bewältigten. Was Leistungsmerkmale wie Fehler und Reaktionszeiten betrifft, schnitten die beiden Gruppen etwa gleich ab.

Jedoch zeigte das Gehirn der Alkoholiker stärkere Aktivitäten außerhalb der typischen Sprachregionen. Die Forscher schließen daraus, dass sich diese Regionen an der Sprachverarbeitung beteiligen, um Schäden auszugleichen und die sprachliche Fähigkeit zu erhalten. Die eigentliche Aufgabe dieser Regionen sei dadurch vermutlich beeinträchtigt.

hda/ddp



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