Historische Fälschung Die mysteriösen Steine von Newark

2. Teil: "Die Leute wären nie auf die Idee gekommen, einen Reverend der Antikenfälschung zu bezichtigen"


David Wyrick halten beide Forscher für unschuldig. Er war ein guter Mann, der nur zu fest an die falsche Sache glaubte. Wer aber hatte noch ein Interesse daran, die Erdwälle von Newark als israelitisch zu identifizieren? Und wer kannte die Anlage gut genug, um zu wissen, wo Wyrick als nächstes seinen Spaten in die Erde stecken würde? Schnell rückte Israel Dille ins Blickfeld. Er war nicht nur ein Freund Wyricks, er kannte die Erdwälle auch mindestens ebenso gut wie dieser. Und er hatte ein ganz persönliches Motiv: Er war ein Vater, der seinen Sohn über alles liebte.

Doch es gibt noch einen weiteren Hauptverdächtigen. Dille hätte die Steine nie alleine schnitzen können. Denn er konnte kein Hebräisch. Das konnte als einziger Mensch in Newark nur Reverend McCarty. Warum war der Geistliche dann nie auf der Liste der Verdächtigen aufgetaucht? "Die Leute wären nie auf die Idee gekommen, einen Reverend der Antikenfälschung zu bezichtigen", erklärt Lepper. Was hat den Priester dazu getrieben, mit Dille gemeinsame Sache zu machen?

Auch die Inschrift des zweiten Steins war vermurkst

Mit den Heiligen Steinen wollte McCarty vor allem eins: seine Karriere beschleunigen. Er veröffentlichte die Inschriften nicht etwa in der Lokalzeitung, sondern im "Cincinnati Commercial", jener Zeitung, die sein Bischof allmorgendlich auf dem Frühstückstisch liegen hatte. Bishop Chares McIlvaine war ein glühender Gegner der Sklaverei. Er hatte sich in der Vergangenheit zuversichtlich geäußert, dass eines Tages der archäologische Beweis gefunden würde, dass Adam und Eva auch schwarze und rote Kinder hatten. McCarty, sein ambitionierter Schüler, lieferte ihm mit den Steinen diesen Beweis. Das provinzielle Newark war McCarty zu klein geworden. Er wollte eine größere Gemeinde. Und der Weg dahin führte über das Wohlwollen McIlvaines.

Dabei unterlief ihm allerdings nicht nur der Fehler mit dem modernen Hebräisch, auch die Inschrift des zweiten Steins war vermurkst: An einer Stelle steht fälschlicherweise ein Kaph, der elfte Buchstabe des hebräischen Alphabets, an Stelle eines Daleth, dem vierten Buchstaben. Nun kann im modernen Hebräischen ein Kaph einem Daleth ähneln, wenn es am Ende eines Wortes steht, nicht aber in jener alten Form, die McCarty für die zehn Gebote wählte. Der Fehler passierte bei der Übertragung aus dem modernen Alphabet.

Im Museum von Coshocton gehören die Heiligen Steine trotzdem auch heute noch zu den beliebtesten Ausstellungsstücken. "Sie sind nicht einfach nur irgendwelche Fälschungen", begründet Lepper die Ausstrahlung der Steine. "Sie wurden geschaffen, um eine wissenschaftliche Theorie zu beweisen und damit möglicherweise sogar einen Krieg zu verhindern. Die Leute, die sie schufen, haben es sehr, sehr ernst gemeint."



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