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HIV: Osteuropa droht Aids-Katastrophe

Zwar hat es in diesem Jahr weltweit erstmals weniger HIV-Neuinfektionen als 2004 gegeben. In Osteuropa und Zentralasien ist die Ansteckungsrate nach Angaben der Vereinten Nationen jedoch sprunghaft gestiegen.

Osteuropa steht an der Schwelle zu einer katastrophalen Aids-Epidemie, sagte Dietrich Garlichs. Der Geschäftsführer des Uno-Kinderhilfswerks Unicef rechnete vor, dass sich in Osteuropa und Zentralasien in diesem Jahr bereits 270.000 Menschen mit HIV angesteckt hätten. Das seien rund 70 Prozent mehr als im Vergleichsjahr 2004. "Der weltweit stärkste Anstieg der Neuinfektionen findet vor unserer Haustür statt", sagte Garlichs.

HIV-positiv: Das Baby, gerade vier Monate alt, wird in einem Moskauer Waisenhaus für infizierte Kinder von einem Arzt behandelt
AFP

HIV-positiv: Das Baby, gerade vier Monate alt, wird in einem Moskauer Waisenhaus für infizierte Kinder von einem Arzt behandelt

Besonders gefährdet seien Kinder und Jugendliche in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die ohne Zuhause aufwachsen. Unter Hunderttausenden von ihnen breite sich das HI-Virus rasant aus. Der Grund: Viele seien zu wenig über die Immunschwäche-Krankheit informiert. In Entwicklungsländern sei zwei Dritteln aller Heranwachsenden nicht klar, wie sie sich vor einer Ansteckung mit HIV schützen könnten, teilte Unicef mit.

25 Jahre nach der Entdeckung des Virus' sind weltweit allein in diesem Jahr fast drei Millionen Menschen an Aids gestorben, wie Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul anlässlich des heutigen Weltaidstages sagte. Nach wie vor sei die Ausbreitung der Seuche nicht zu stoppen: "Immer noch wird die menschliche Tragödie größer, breitet sich die Pandemie aus." Die Ministerin forderte mehr Anstrengungen gegen die Krankheit.

Auch in Deutschland wächst die Unwissenheit

Im Vordergrund müsse der Schutz von Frauen und Mädchen stehen, sagte Wieczorek-Zeul. 1996 habe der Anteil der Frauen an den HIV-Infizierten weltweit bei zwölf Prozent gelegen, heute liege er bei rund der Hälfte. Das entspreche rund 18 Millionen Frauen, von denen mehr als 13 Millionen im südlichen Afrika lebten.

In Deutschland wächst Unicef zufolge die Gleichgültigkeit gegenüber dem Thema Aids. Immer weniger Menschen zeigten sich empfänglich für Informationen. So wüssten rund 20 Prozent der 16- bis 20-Jährigen nicht, dass man sich auch bei HIV-Positiven anstecken kann, bei denen die Krankheit Aids noch nicht ausgebrochen ist.

Fortschritte in der Behandlung und erfolgreiche Präventionskampagnen hätten zu einer gefährlichen Sorglosigkeit geführt, mahnte der Lesben- und Schwulenverband (LSVD). Dies habe zur Folge, dass das Ansteckungs- und Verbreitungsrisiko bei den Bürgern nur unzureichend präsent sei. Der LSVD verlangte eine neue Offensive in der Aids-Politik.

tos/AP

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