Höhle in Bayern Archäologen finden Erotik-Kunst aus der Steinzeit

Archäologen haben in einer Höhle in Oberfranken Gravuren aus der Steinzeit aufgespürt. Sie sind vermutlich rund 12.000 Jahre alt - und wären damit die ersten Höhlenkunstwerke jener Zeit, die bisher in Deutschland gefunden wurden.

Höhle mit Ritzungen aus der Steinzeit: Ort der Lust
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Höhle mit Ritzungen aus der Steinzeit: Ort der Lust


München - In Deutschland ist offenbar zum ersten Mal steinzeitliche Höhlenkunst gefunden worden. Archäologen stießen im oberfränkischen Landkreis Bamberg auf eine mit zahlreichen Gravuren verzierte Grotte. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bestätigte einen entsprechenden Vorabbericht der Wochenzeitung "Die Zeit". Die Behörden wollen den genauen Standort der Höhle vorerst geheimhalten, da sie noch nicht ausreichend gesichert sei.

Die mit den Untersuchungen beauftragten Forscher schätzen das Alter der Ritzungen auf rund 12.000 Jahre. Die schematischen Zeichnungen, die unter anderem Frauenkörper darstellen, erinnern die Wissenschaftler an Funde in der Dordogne in Frankreich. Sollte sich die Datierung bestätigen, würde es sich um den ersten Fund steinzeitlicher Höhlenkunst in Deutschland handeln.

Der etwa fünf Meter lange Raum ist dem Bericht zufolge gefüllt mit natürlich entstandenen Kalkablagerungen, die an Brüste oder Penisse erinnern. Das die frühen Besucher, so die Mutmaßung der Forscher, zu ihren Gravuren inspiriert haben. Womöglich hätten die Menschen in der Höhle einen Ort der Lust gesehen und inmitten der anatomischen Auffälligkeiten Fruchtbarkeitsfeste gefeiert, sagte der Geologe und Archäologe Bernhard Häck der "Zeit".

Bislang sind zwar bereits zahlreiche Funde aus Schwaben bekannt, die aus der Altsteinzeit stammen. Dabei handelt es sich allerdings um figürliche Darstellungen, etwa aus Elfenbein - zum Beispiel eine 35.000 Jahre alten Venus-Figur. Anders als in Frankreich oder Spanien, die berühmt sind für die großflächigen Gemälde in den Höhlen Chauvet, Lascaux und Altamira, fanden sich in Deutschland bislang nie steinzeitliche Bildartefakte auf Felswänden. Zuletzt hatte der Fund eines steinzeitlichen Brunnens im Rheinland die dortigen Archäologen in Verzückung versetzt.

chs/AFP

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Antje Technau, 20.07.2011
1. bitte mit Bild!
Zitat von sysopArchäologen haben in einer Höhle in Oberfranken Gravuren aus der Steinzeit aufgespürt. Sie*sind vermutlich rund 12.000 Jahre alt - und wären damit die ersten Höhlenkunstwerke jener Zeit, die bisher in Deutschland gefunden wurden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,775577,00.html
also erstens wäre es schon gut, wenn SPON ein paar Bilder zum Artikel geliefert hätte. Sonst kann man spontan recht wenig über diese Steinzeitgravuren sagen. Als archäologischer Laie. Zweitens finde ich es immer wieder verblüffend, welche weitreichenden Interpretationen manche Archäologen zu ihren Funden mitliefern. Ein paar Brüste, ein paar Phalli, und schon muss das ein Ort für Fruchtbarkeitsfeste gewesen sein. Zitat: Womöglich hätten die Menschen in der Höhle einen Ort der Lust gesehen und inmitten der anatomischen Auffälligkeiten Fruchtbarkeitsfeste gefeiert, sagte der Geologe und Archäologe Bernhard Häck der "Zeit". Drittens sollte man sich darüber klar sein, dass wir die Funde aus unserem heutigen Blickwinkel sehen. Wanddekorationen der Steinzeit müssen nicht immer gleich mystische oder sakrale Bedeutung gehabt haben. Vielleicht war den Bewohnern der Höhlen während längerer, erzwungener Schlechtwetter-Aufenthalte schlicht und einfach langweilig und sie haben deshalb die Wände bemalt. So wie es heute noch manche Jugendliche während einer Toilettensitzung tun. Oder die Bewohner fanden unbemalte Wände unschön und verzierten sie je nach Gusto. Der eine mit Tieren, der andere mit Sexszenen... Was die Steinzeitgravuren wirklich bedeuteten, das könnten wir heute nur dann entschlüsseln, wenn die Steinzeitmenschen schon der Schriftsprache mächtig gewesen wären, so wie die alten Ägypter. Denn bei deren Wandmalereien weiss man dank der Hieroglyphen, was diese zu bedeuten haben.
urnenfeld 20.07.2011
2. Vermutungen
Was der Archäologe sagt und was die Presse dann schreibt, sind mitunter recht unterschiedliche Dinge. Die Journaille lechzt nach Interpretationen und läßt dann alles Relativierende und deutlich Interpretierende glatt weg, so jedenfalls meine eigene Erfahrung. Gleichwohl, ob nun rauschende Höhlenfeste oder nicht, wäre dies eine wirklich herausragende Entdeckung.
ash26e 20.07.2011
3. Bayern?!?!?!
Zitat von sysopArchäologen haben in einer Höhle in Oberfranken Gravuren aus der Steinzeit aufgespürt. Sie*sind vermutlich rund 12.000 Jahre alt - und wären damit die ersten Höhlenkunstwerke jener Zeit, die bisher in Deutschland gefunden wurden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,775577,00.html
Des is Frangn!Genauer sollte spiegel sich schon ausdrücken konnen, was Geographie und Geschichte betrifft!
Antje Technau, 20.07.2011
4. Krötenrücken
o.k., jetzt gibt's ein Bild von der Höhlenwand. Sieht aus wie ein Krötenrücken. Nicht so mein Geschmack, design-mässig. Gravuren kann ich auch keine erkennen. Oder brauche ich eine neue Brille?
ddkddk 20.07.2011
5. Erotikkunst ist in diesem Zusammenhang ein seltsamer Ausdruck
Es ist eher unwahrscheinlich, dass es sich hier um Erotikkunst handelt wie die Überschrift suggeriert. Der Blickwinkel dieser Menschen war jedenfalls ein völlig anderer als der von uns. Darstellung von Geschlechtsteilen und Brüsten in dieser Zeit sind wohl als Symbole der Fruchtbarkeit, des Lebens und seiner Erneuerung im Rhytmus der Jahreszeiten zu sehen. Höhlen selbst wurden offenbar als Gebärmutter der Erde aufgefasst und waren Orte religiöser Handlungen und die Bilder darin religiöse Darstellungen.
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