Hoffnung für Diabetiker: Mediziner erwecken Insulin-Zellen zum Leben

Eine einfache 40 Tage dauernde Behandlung könnte Diabetes den Garaus machen. Zumindest bei Mäusen ist es Forschern gelungen, die Insulin produzierenden Zellen wieder zum Wachsen zu bringen.

Wenn der menschliche Körper mit sich selbst mehr nicht zurecht kommt, endet das meist im Chaos. Körpereigene Abwehrstoffe, die so genannten Antikörper, richten sich nicht länger gegen Eindringlinge, sie attackieren vielmehr Zellen des menschlichen Körpers. Werden diese kontinuierlich zerstört, sprechen Mediziner von "Autoimmunerkrankungen". Rheuma, entzündliche Darmerkrankungen oder Schuppenflechte fallen in diese Kategorie.

Eigenproduktion: Im Tierversuch konnten Forscher Insulin-Zellen reanimieren

Eigenproduktion: Im Tierversuch konnten Forscher Insulin-Zellen reanimieren

Auch beim Diabetes mellitus vom Typ I läuft das Abwehrsystem Amok. Im Zuge der Krankheit, auch als jugendlicher Diabetes bekannt, werden die für die Insulinproduktion verantwortlichen Zellen in der Bauchspeicheldrüse ausgeschaltet. Die "Langerhansschen Inseln" können nicht mehr genügend Insulin produzieren, die Zuckerkonzentration im Blut erreicht gefährliche Werte.

Bislang galt Diabetes des Typs 1, der rund zehn Prozent aller derartigen Erkrankungen ausmacht, zwar als behandelbar, an eine Heilung war aber nicht zu denken. Versuche amerikanischer Wissenschaftler könnten nun Anlass zu Hoffnung bieten.

Wie Denise Faustman im Fachblatt "Journal of Clinical Investigation" berichtet, ist es ihrem Team gelungen, bei Diabetes-Mäusen den Angriff auf die Langerhansschen Inseln zu unterbinden. Vorher muss das Immunsystem allerdings für 40 Tage ins Trainingslager.

Bei ihren Experimenten wählten die Forscher des Massachusetts General Hospitals einen zweistufigen Ansatz. Zunächst spritzten sie den Mäusen eine Substanz, die den Botenstoff Tumornekrosefaktor Alpha (TNF Alpha) blocken soll. Der außer Kontrolle geratene Stoff wird unter anderem bei Rheumaerkrankungen für die Zerstörung der Zellen in den Gelenken verantwortlich gemacht.

Anschließend, nachdem sich das Immunsystem beruhigt hatte, wurde es umprogrammiert. Zu diesem Zweck injizierten die Mediziner ihren Versuchskaninchen Spenderzellen, die dafür sorgen sollen, dass die Existenz der Inselzellen in Zukunft nicht mehr bekämpft wird. Auf Grund des unerbittlichen Immunsystems war bislang eine Transplantation von Zellen der Bauchspeicheldrüse in den seltensten Fällen erfolgreich.

Das Team um Faustman hatte nach eigenem Bekunden mehr Glück. Denn das Immunsystem der Mäuse ließ sich nicht nur umprogrammieren, die Insulin produzierenden Zellen in den Körpern der Nager fingen sogar an zu wachsen. In Folge der Reanimation wurde ausreichend Insulin erzeugt, um die Blutzuckerwerte wieder auf ein normales Niveau zu drücken. Rund drei Viertel der untersuchten Mäuse waren auch noch 100 Tage nach der Therapie gesund.

Erste Versuche an Menschen sollen beginnen, sobald Faustman und ihr Team die nötigen Forschungsmittel zusammen haben. Ob diese Tests erfolgreich verlaufen, daran zweifeln Mediziner allerdings noch.

Zwar hätten sich Experimente an Mäusen immer als guter Indikator für die Behandlung des Typ-1-Diabetes bei Menschen erwiesen, so David Nathan, Direktor des Diabetes-Zentrums am Massachusetts General Hospital. "Ob daraus allerdings auf eine Diabetes-Heilung bei Menschen geschlossen werden darf, das muss sehr vorsichtig beurteilt werden."

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