Hohe Feinstaubwerte an Silvester Feuerwerke räucherten Deutschland zu

Deutschland hat das neue Jahr mit Böllern und Raketen gefeiert - und prompt sind die Feinstaubwerte in extreme Höhen geschnellt. Die Partikel dringen tief in Nase und Lunge ein und können Krebs auslösen.

Hohe Feinstaubkonzentrationen am 1. Januar 2017
Umweltbundesamt

Hohe Feinstaubkonzentrationen am 1. Januar 2017

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Das Jahr 2017 begann vielerorts in Deutschland mit einer Grenzwertüberschreitung. 50 Mikrogramm Feinstaub sollten maximal in einem Kubikmeter Luft schweben. In München beispielsweise wurden am 1. Januar Tagesmittel von über 500 gemessen. Das sind Werte, wie man sie sonst nur aus der Smoghauptstadt Peking kennt.

Das Umweltbundesamt misst die Feinstaubwerte bundesweit an mehr als 300 Stationen. Erfasst werden dabei Partikel bis zu einem Durchmesser von zehn Mikrometern Durchmesser (PM10). Häufig stehen die Messstationen nahe stark befahrener Straßen, weil Autos eine wichtige Quelle für Feinstaub und andere Schadstoffe wie Stickoxide sind.

Doch in der Silvesternacht und am 1. Januar spielte der Verkehr nur eine untergeordnete Rolle. Es waren Feuerwerke, die für einen explosionsartigen Anstieg der Feinstaubwerte sorgten - deutlich zu erkennen auf den Deutschlandkarten mit den Tagesmitteln vom 27. Dezember bis zum 2. Januar - siehe folgenden Slider.

Lag die Konzentration für PM10 vielerorts lange Zeit nur bei 10 bis 20 Mikrogramm je Kubikmeter - erkennbar an der blauen Färbung -, stiegen sie am 1. Januar plötzlich in den roten Bereich, also über den Tagesgrenzwert von 50. Das EU-Recht erlaubt übrigens Überschreitungen dieses Limits - allerdings nur an höchstens 35 Tagen pro Jahr.

Die Feinstaubbelastung nach den Silvesterfeuerwerken war jedoch besonders extrem: Am 1. Januar ist die Konzentration schon seit Jahren vielerorts so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht. Nach Angaben des Umweltbundesamts werden in einer Silvesternacht etwa 4000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Dies entspricht fast den Emissionen des Straßenverkehrs im Zeitraum von zwei Monaten.

Video: Ein Jahr Feinstaub im Zeitraffer

Bundesumweltamt

Feinstaub stellt ein großes Gesundheitsrisiko für den Menschen dar. Im Jahr 2012 waren nach Berechnungen der Europäischen Umweltagentur in Deutschland 60.000 Todesfälle darauf zurückzuführen. Europaweit sogar 432.000.

PM10-Stäube dringen bis in die Nasenhöhle ein und können beispielsweise die Schleimhäute reizen. Noch kleinere Partikel der Größe PM2,5 schaffen es bis in die Lunge und können die Blutgefäße schädigen oder Krebs verursachen. Die Verschmutzung der Luft mit Feinstaub erhöht die Risiken eines Schlaganfalls sowie von Herzkrankheiten und Atemwegserkrankungen wie Asthma.

Wie hoch die Feinstaubwerte sind, hängt stark vom Wetter ab. Bei einer Inversionswetterlage, wie sie an Silvester in Bayern und Baden-Württemberg herrschte, gibt es kaum Bewegung in der Luft. Eine Glocke aus kalter Luft hängt über der Erdoberfläche, darin reichern sich Abgase und Feinstaub an. Weht hingegen ein kräftiger Wind oder regnet es, steigen die Feinstaubwerte kaum an, auch wenn die Emissionen hoch sind.

Kritische Kessellage

Auch geografische Besonderheiten beeinflussen die Belastung. In Stuttgart beispielsweise werden schon seit Jahren immer wieder die Feinstaublimits überschritten. Wegen der Kessellage konzentrieren sich dort die Schadstoffe.

Aber selbst wenn die Luft klar und sauber erscheint, so wie vielerorts in Deutschland am 2. Januar, muss sie nicht sauber sein. Ein großes Problem stellen die weitgehend unsichtbaren Stickoxide dar.

Im Jahr 2015 wurde der geltende NO2-Grenzwert an 142 der über 500 Messstationen in Deutschland überschritten - siehe folgende Karte:

Schmutzigste Orte Deutschlands im Jahr 2015

Alle Messstationen mit Grenzwertüberschreitung (NO2) bzw. die 15 Stationen mit den höhsten Werten (Feinstaub PM10)

Grenzwert eingehalten
Überschritten
Stark überschritten


Quelle: Umweltbundesamt
Jahresmittel-Grenzwerte: Stickoxid (NO2) und Feinstaub (PM10) 40 µg/m3
Tages-Grenzwert: max. 35 Tage pro Jahr mit mehr als 50 µg/m3 Feinstaub (PM10)

Eine schnelle Besserung in Sachen NO2 ist nicht in Sicht. Denn die Hauptquelle ist der Verkehr - dabei insbesondere Dieselfahrzeuge. Stationen an Hauptverkehrsstraßen messen heute ähnlich hohe Werte wie im Jahr 2000.

Stickoxide können Kopfschmerzen, Schwindel und sogar Atemnot auslösen. Für Asthmatiker ist das Abgas besonders problematisch. Bei zu hohen Konzentrationen steigt auch das Risiko für Schlaganfälle. Etwa 10.000 Todesfälle in Deutschland gingen nach Berechnungen der Europäischen Umweltagentur im Jahr 2012 auf Stickoxide zurück. Europaweit waren es 75.000. Außerdem verursacht der Schadstoff unter anderem sauren Regen und Ozon.

Auf schadstoffsenkende Wetterlagen wie beim Feinstaub braucht man bei Stickoxiden nicht zu hoffen. Die Werte sind ganzjährig nahezu konstant. Helfen würden wohl Fahrverbote für Dieselautos, doch vor denen schrecken Politiker bislang zurück.



insgesamt 173 Beiträge
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Seite 1
vox veritas 03.01.2017
1. So what?
Leben gefährdet die Gesundheit. Einmal im Jahr darf das sein.
Racer77 03.01.2017
2. Feuerwerk verbieten! Oder nur mit Filter...
Wenn man schon liest, dass das Feuerwerk einer Nacht die Feinstaubmenge von 2 Monates des Verkehrs ausmacht, dann wundert man sich über den Hype wegen des Verkehrs. Daher sollte man wohl Feuerwerk nur noch mit Partikelfilter zulassen oder ganz verbieten. Da soll mir nochmal einer wegen der Dieselpartikel kommen. Und beim Verkehr sinken die bald noch mehr, wenn die Partikelfilter auch bei Benzin-Direkteinspritzern verpflichtend eingebaut werden muss. Und wirtschaftlich kann es den Deutschen nicht so schlecht gehen, wenn man bedenkt wie viele Millionen letzes Wochenende wieder sinnlos in den Himmel geschossen wurden!
MPeter 03.01.2017
3. Langsam wird es lächerlich
Wie lange schon wird an Sylvester mit Raketen und Krachern gefeiert. Hat es jemals jemand interessiert ob da Feinstaub in der Lust ist. Schwappt man mit einer halben Bier runter! Heute wird wirklich aus jeder Mücke ein Elefant gemacht. Echt nicht mehr lustig. Journalisten, lasst euch doch gleich eingraben, das Leben ist lebendig viel zu tödlich für euch.
Max Super-Powers 03.01.2017
4.
Einmal jährlich - je nach Ort, Bevölkerungsdichte usw nicht länger als für eine Stunde. Wenn man hier anfängt und den Alarmistischen gibt, kann man auch gleich sommerliches Grillen etc. verbieten. Übrigens: Bei dem Waldbrand, den die beiden wandernden Hanseln an Silvester auslösten, wurde wahrscheinlich mehr Feinstaub in die Luft gepustet, als bei den Feuerwerken von München, Berlin und Hamburg zusammen.
demokrat_de 03.01.2017
5. Grüne Plakette
Ich hatte mein Feuerwerk von VW mit grüner Plakette. Das durfte ich sogar in der Innenstadt zünden. Ich glaube, aus den Raketen kam nur reinster Sauerstoff raus. ;)
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