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Hoher Wasserverbrauch: Umweltagentur rüffelt die Europäer

Zwei Schwimmbecken pro Jahr - so viel Wasser verbraucht der durchschnittliche Europäer. Das ist viel zu viel, meint die Europäische Umweltagentur. Deren Experten beklagen einen Raubbau an der immer knapper werdenden Ressource.

Kopenhagen - Von satt begrünten Golfbahnen bis zum gigantischen Wasserverbrauch in der industriellen Landwirtschaft: Im Schnitt benötigt jeder Europäer 5300 Kubikmeter Wasser pro Jahr - also das Fassungsvermögen von zwei olympischen Schwimmbecken. Zu diesem Schluss kommt ein neues Gutachten der EU-Umweltagentur (EEA) in Kopenhagen.

Bewässerung eines Maisfeldes (in der Rheinebene bei Feldkirch, 2003): "Beim Wasser leben wir über unsere Verhältnisse"
AP

Bewässerung eines Maisfeldes (in der Rheinebene bei Feldkirch, 2003): "Beim Wasser leben wir über unsere Verhältnisse"

EEA-Chefin Jacqueline Glade nannte den Gesamtwasserverbrauch angesichts der Klimaveränderungen mit zunehmender Dürre im südlichen Europa einen "Raubbau, der gravierende Auswirkungen haben wird". Auch in Teilen Nordeuropas werde der Wasserstress zunehmen, weil insgesamt zur kurzfristigen Behebung von Wasserknappheit immer größere Wassermengen aus den Oberflächen- und Grundwasserreservoirs entnommen würden. "Beim Wasser leben wir über unsere Verhältnisse", heißt in dem Bericht.

Die Agentur nannte zwei wichtige Faktoren, die das Problem noch verschärfen: Wasserdiebstahl, der vor allem in der Landwirtschaft auftrete - und Wasserverlust durch defekte Wasserleitungen. In einigen Teilen Europas gingen auf diese Weise 40 Prozent des Wassers verloren.

Nach den Erhebungen der EEA werden in Europa 44 Prozent des entnommenen Wassers für die Energieerzeugung verwendet. Dieses Wasser werde aber zum größten Teil wieder zurückgeleitet. Doch Experten wissen bereits jetzt, dass Wassermangel auch die globale Energieversorgung bedrohen kann.

24 Prozent des europäischen Wasserverbrauchs entfallen auf die Landwirtschaft, 21 Prozent auf die öffentliche Wasserversorgung und 11 Prozent auf die Industrie. Im besonders von Dürren bedrohten südlichen Europa allerdings würden 60 und teilweise sogar 80 Prozent zur Bewässerung von Feldern eingesetzt.

Der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft hat nach Angaben der Agentur in ganz Europa in den vergangenen 20 Jahren zugenommen. Das, so erklären die Experten, habe nicht zuletzt mit den vergleichsweise niedrigen Preisen zu tun. Bauern hätten nur selten die echten Kosten von Wasser zu zahlen, hieß es in dem Bericht. Doch klar dürfte auch sein: Bei Preisanhebungen dürfte sich das Problem des Wasserdiebstahls weiter verschärfen.

Um der zum Teil drohenden Wasserknappheit zu begegnen, machen die EEA-Experten mehrere Vorschläge. So fordern sie, dass geklärte Abwässer, sogenanntes Grauwasser - also fäkalienfreies, gering verschmutztes Wasser, das etwa beim Hände- oder Wäschewaschen anfällt - und gesammeltes Regenwasser stärker als bisher genutzt werden. Agenturchefin Glade sagte: "Wir müssen die Nachfrage drosseln, die Entnahmemengen auf ein Minimum reduzieren und die Effizienz der Wassernutzung verbessern."

In Istanbul läuft derzeit das 5. Weltwasserforum. Bei dem Treffen geht es bis zum Wochenende über den Zugang zu sauberem Wasser, Wasserrechte und den Einsatz moderner Technologien. Insgesamt sind etwa 20.000 Tagungsgäste dafür an den Bosporus gekommen, darunter auch Minister aus mehr als 100 Staaten sowie mehrere Staats- und Regierungschefs. Erst vor wenigen Tagen hatten die Vereinten Nationen in ihrem neuen Wasserbericht vor den dramatischen Folgen einer Wasserknappheit gewarnt, die der Welt bis zum Jahr 2050 droht.

chs/dpa

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