Verdacht von Archäologen Homo erectus starb aus, weil er zu faul war

Er gilt als erster Frühmensch, der Feuer benutzte, wie moderne Menschen laufen konnte und jagen ging. Trotzdem ist der Homo erectus ausgestorben - offenbar, weil er immer den Weg des geringsten Widerstands wählte.

Künstlerische Darstellung eines Homo erectus
imago/ UIG

Künstlerische Darstellung eines Homo erectus


Vor Hunderttausenden Jahren lebten auf der Arabischen Halbinsel Frühmenschen, die aufrecht gingen, Steinwerkzeuge anfertigten und mit großer Wahrscheinlichkeit schon das Feuer beherrschten. Doch statt sich die allerbesten Rohstoffe für ihre Werkzeuge zu besorgen, nutzten sie offenbar vor allem Gestein, das sie direkt vor ihrer Lagerstätte fanden. Diese Faulheit könnte laut Archäologen dazu geführt haben, dass Homo erectus schließlich ausstarb.

Die ältesten Funde des Homo erectus sind fast zwei Millionen Jahre alt. Er gilt als der erste Hominide, der Merkmale des modernen Menschen aufwies. Sein genauer Stammbaum ist jedoch bis heute umstritten. Einige Experten teilen die Urmenschen beispielsweise in zwei verschiedene Arten, einen asiatischen Homo erectus und einen afrikanisch-europäischen Homo ergaster. Vermutlich handelt es sich jedoch um dieselbe Art. Fest steht jedoch: Vor 50.000 Jahren starben die letzten Vertreter des Homo erectus, als sich ihr Lebensraum zunehmend in eine Wüste verwandelte.

Warum abmühen?

Ein Forscherteam vermutet nun, dass der Homo erectus sich nicht schnell genug an die sich ändernden Umweltbedingungen anpassen konnte. "Es wirkt nicht so, als hätten sie sich besonders angestrengt", sagt Ceri Shipton von der Australian National University (ANU). Ausgrabungen im Zentrum Saudi-Arabiens hätten gezeigt, dass Homo erectus eine "Strategie des minimalen Aufwands" verfolgt habe - sowohl bei der Herstellung von Werkzeugen als auch beim Besorgen von geeigneten Rohstoffen, wie die Forscher im Fachblatt "Plos One" berichten.

Demnach befand sich in direkter Umgebung der Lagerstätte der Frühmenschen eine Felsnase, die hochwertiges Gestein bot, das sich perfekt für die Werkzeugherstellung eignete. "Aber statt die kurze Strecke auf den Hügel zu laufen, haben sie einfach das benutzt, was von selbst herunterrollte", sagt Shipton. An dem Felsvorsprung gab es zumindest keine Hinweise auf Aktivitäten der Frühmenschen.

"Sie müssen gewusst haben, dass der Fels da war. Aber weil sie genügend andere Ressourcen hatten, müssen sie sich wohl gedacht haben: Warum abmühen?", vermutet Shipton weiter und unterstellt den Frühmenschen eine gewisse Faulheit.

Frühe Vertreter des modernen Menschen und auch der Neandertaler hätten dagegen weite Wege auf sich genommen und hohe Berge erklommen, um an hochwertiges Gestein zu kommen.

"Nicht nur faul, sondern auch konservativ"

Die Archäologen fanden außerdem heraus, dass Homo erectus kaum in der Lage war, sich an sich verändernde Umweltbedingungen anzupassen. "Sie waren nicht nur faul, sondern auch konservativ", sagt Shipton. Sedimentproben hätten gezeigt, dass die Frühmenschen an ihren Werkzeugen und alten Rastplätzen festhielten, obwohl sich ihre Umwelt dramatisch änderte. "Es gab überhaupt keinen Fortschritt", sagt Shipton.

Unklar ist jedoch, ob der Homo erectus tatsächlich zu faul war, um seine Lebensgewohnheiten zu ändern, oder ob er einfach nicht in der Lage war, schnell auf die sich drastisch ändernden Umweltbedingungen zu reagieren. So war das Hirnvolumen des Homo erectus beispielsweise meist deutlich kleiner als das moderner Menschen.

Ob aus Faulheit oder Unwissenheit: Die sich verändernden Umweltbedingungen führten schließlich dazu, dass der Homo erectus ausstarb.

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koe



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