Jungsteinzeit Menschen nutzten Honigbienen schon vor 9000 Jahren

Reste an alten Tonscherben lieferten den Beleg: Die frühen Bauern der Jungsteinzeit haben Honigbienen bereits 1500 Jahre früher gezielt eingesetzt als bislang gedacht. Schon damals gewannen sie so Honig und Wachs.

Biene bei der Nektaraufnahme: nimmt einzigartigen Platz in der menschlichen Kultur ein
DPA

Biene bei der Nektaraufnahme: nimmt einzigartigen Platz in der menschlichen Kultur ein


Bienen gelten nicht nur als ausgesprochen fleißig und nützlich, sie bescheren dem Menschen darüber hinaus auch noch Honig und Wachs. Dass der klebrige Süßmacher Teilen der Menschheit offenbar schon länger bekannt ist als bisher angenommen, haben Forscher nun in archäologischen Analysen nachweisen können.

Untersuchungen von rund 6400 Tongefäßen aus über 150 archäologischen Fundstätten in Vorderasien, Nordafrika und Europa zeigen, dass bereits die frühen Bauern der Jungsteinzeit in Anatolien in der heutigen Türkei schon Bienenwachs verwendeten. Die ältesten Belege fanden die Forscher an Scherben aus Anatolien, die etwa 9000 Jahre alt sind. Diese Rückstände von Bienenwachs stammten aus einem Gefäß in Çatalhöyük. Auch im weiter östlich gelegenen Çayönü Tepesi wurden sie fündig.

In Österreich und Deutschland reicht die Nutzung nicht ganz so lange zurück - reines Bienenwachs wiesen die Forscher an Scherben aus Brunn am Gebirge in Niederösterreich nach, die etwa 7500 Jahre alt sind. Der älteste deutsche Beleg mit einem Alter von etwa 7300 Jahren stammt aus Niederhummel nördlich von München. Damit geht die Nutzung anderthalb Jahrtausende weiter zurück als bisher vermutet, schrieben die Forscher um Mélanie Roffet-Salque von der englischen University of Bristol im Fachblatt "Nature".

Waben der Honigbiene: Die frühen Bauern nutzten die Tiere bereits gezielt
Eric Tourneret/ Nature

Waben der Honigbiene: Die frühen Bauern nutzten die Tiere bereits gezielt

Die Honigbiene nehme in der Kultur des Menschen einen einzigartigen Platz ein, schreiben die Forscher. Wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung als Bestäuber von Blütenpflanzen und ihrer komplexen sozialen Organisation sei sie das meisterforschte Insekt. Dennoch lagen die Anfänge der Nutzung von Bienen durch den Menschen bisher im Dunkeln.

Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren dehnten die Bienen ihren Lebensraum nach Norden aus. In den folgenden Jahrtausenden profitierten die Menschen vor allem vom Honig, nutzten aber auch das Bienenwachs - etwa als Heilmittel, Kosmetikum, Brennstoff oder zum Abdichten von Gefäßen. Das Wachs entsteht beim Bau der sechseckigen Waben, in denen die Insekten neben der Aufzucht der Larven auch den Honig lagern.

Ökologische Grenze im Norden

Für das Großprojekt haben Dutzende Forscher die Scherben auf eindeutige Bienenwachsrückstände untersucht - etwa auf bestimmte Alkane. Die meisten Funde machten sie auf der Balkanhalbinsel - in Griechenland, Rumänien und Serbien. In etwa fünf Prozent der gut 1900 analysierten Scherben aus dieser Region konnten sie Spuren von Wachs nachweisen.

Im Norden des Kontinents hatten sie dagegen keinen Erfolg: "Die nördliche Grenze der Bienen-Nutzung in Europa war anscheinend Dänemark", schreiben die Wissenschaftler. Jenseits des 57. Grads nördlicher Breite - das entspricht etwa der Lage von Aalborg - entdeckten sie keine Hinweise mehr auf Bienenwachs.

Dies deute auf eine ökologische Grenze der damaligen Verbreitung von Honigbienen hin, folgern sie. Auch in Irland und Schottland wurden sie nicht fündig - in England dagegen schon. Dies widerlege eindeutig die Meinung, dass die Tiere erst später auf die britischen Inseln gelangt seien.

Dass Honig und Bienenwachs in der Vor- und Frühgeschichte verwendet wurden, ist schon länger bekannt. Darauf deuten etwa Höhlenmalereien in Spanien hin. Den Beginn der Domestizierung der Honigbiene vermuteten Forscher bereits zuvor in Anatolien. Das Naturprodukt könnte weltweit aber schon weitaus früher bekannt gewesen sein - darauf deuten Funde aus Afrika hin.

joe/dpa



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insgesamt 6 Beiträge
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Tiananmen 12.11.2015
1.
Es ist mal wieder die lausige Übersetzung des Originalpapiers, das für Irritationen sorgt. Der Autoren ging es um Spuren der Domestikation von Bienen, nicht darum „Dass der klebrige Süßmacher Teilen der Menschheit offenbar schon länger bekannt ist, als bisher angenommen, haben Forscher nun in archäologischen Analysen nachweisen können.“ Diesen Satz kann man getrost als Unfug abtun, weil die Nutzung von Honig kein mit der Kultur verknüpftes Phänomen ist. Das praktizieren auch Bären. Man kann davon ausgehen, dass Naturvölker seit Jahrhunderttausenden Honig und Wachs nutzen. Im Originalpapier steht deshalb auch: „The relationship between humans and bees is much more ancient. A 40,000-year-old lump of beeswax from Border Cave in South Africa may have been used to help bind stone points to wood to make spears2, for instance, and depictions of beehives are common in prehistoric rock art found all over sub-Saharan Africa”
Ein Dr. 12.11.2015
2. Bienenprodukte
Bienenprodukte sind leider nicht vegan, auch wenn der Mensch sie schon seit Jahr(zehn)tausenden nutzt. So oder so ähnlich würden jetzt Veganer argumentieren. :-)
peter_meckeler 12.11.2015
3. Datierungen über 4000 Jahre problematisch
Dennoch ist es interssant, dass man in der Jungsteinzeit schon Bienenkörbe hatte. Ötzi ist 5300 Jahre alt, es gibt keine Schriftdokumente, die über 5000 Jahre alt sind. Hinweise auf Bestattungen sind max. 5 500 Jahre alt. Die Steinzeit ist fossilienmäßig kaum zu belegen. Scheinbar sucht man ein Bindeglied zwischen dem affenähnlichen Vorfahren und dem heutigen Menschen. Wir wissen vieles nicht aus der Vergangenheit, auch nicht, wie die alten Ägypter ihre Pyramiden bauten, welche auf 200 m Länge nur 1,5 cm Abweichung aufweisen. Scheinbar werden die Menschen dümmer, denn sie nehmen sich die Lebensgrundlage, weil sie um des Profites und der angeblichen gentechnologischen "Vorteile" willen, die kleinen Summer zuhauf vernichten. Albert Schweitzer hatte recht: "Wenn die Biene stirbt, dann stirbt der Mensch!"
Miere 13.11.2015
4. Nutzung heißt nicht gleich Domestizieren
Nur weil man in einem Tontopf Wachs findet, heißt das nicht automatisch, dass die Tontopfbesitzer Imker waren. Sie können das Wachs auch aus einem wilden Bienenstock entnommen haben. Gerade die Seltenheit von Wachs an Tongefäßen deutet das wohl eher an. Selbst heute wird in einigen Ländern noch Wildbienenhonig geerntet.
knuty 13.11.2015
5.
Zitat von peter_meckelerDennoch ist es interssant, dass man in der Jungsteinzeit schon Bienenkörbe hatte. Ötzi ist 5300 Jahre alt, es gibt keine Schriftdokumente, die über 5000 Jahre alt sind. Hinweise auf Bestattungen sind max. 5 500 Jahre alt. Die Steinzeit ist fossilienmäßig kaum zu belegen. Scheinbar sucht man ein Bindeglied zwischen dem affenähnlichen Vorfahren und dem heutigen Menschen. Wir wissen vieles nicht aus der Vergangenheit, auch nicht, wie die alten Ägypter ihre Pyramiden bauten, welche auf 200 m Länge nur 1,5 cm Abweichung aufweisen. Scheinbar werden die Menschen dümmer, denn sie nehmen sich die Lebensgrundlage, weil sie um des Profites und der angeblichen gentechnologischen "Vorteile" willen, die kleinen Summer zuhauf vernichten. Albert Schweitzer hatte recht: "Wenn die Biene stirbt, dann stirbt der Mensch!"
Die alten Ägypter nutzten dafür das, was für sie am nahe liegendsten war: Sie nutzten das Prinzip von Wasserwaagen, bzw. Schlauchwaagen.
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