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26. Juni 2013, 16:53 Uhr

Horizon 2020

EU will Förderung von Forschung vereinfachen

Tüftler und Forscher sollen künftig schneller wissen, ob ihre Ideen finanziell unterstützt werden. In Brüssel einigten sich Politiker auf ein neues Förderprogramm. Doch "Horizon 2020" kommt längst nicht bei allen Wissenschaftlern gut an.

Brüssel - Die EU-Forschungsförderung wird deutlich vereinfacht. Künftig bekommen Europas Forscher einen Teil ihrer Kosten pauschal erstattet, Belege hierfür müssen sie dann nicht mehr einreichen. Das beschlossen Unterhändler von EU-Parlament, Rat und Kommission am Dienstag in Brüssel. Sie einigten sich auf ein neues siebenjähriges Forschungsprogramm namens "Horizon 2020", dessen Budget vermutlich bei 70 Milliarden Euro liegen wird.

Das Programm werde Wachstum schaffen und innovative Impulse in der Wissenschaft setzen, sagte Irlands Forschungsminister Sean Sherlock. "Das ist der Anreiz, der wesentlich ist für Europas wirtschaftliche Erholung." Irland hat derzeit den Vorsitz der EU-Staaten.

Die Forscher können außerdem mit einer schnelleren Bearbeitungszeit ihrer Anträge rechnen. Behörden müssen bald binnen acht Monaten entscheiden, ob die Tüftler und Wissenschaftler gefördert werden oder nicht. Bisher liegt der Schnitt bei einem Jahr. EU-Diplomaten sowie Europaparlament und zuständige Minister müssen "Horizon 2020" noch zustimmen. Dies wird wohl bis in den Herbst dauern.

Das simplere Abrechnungsmodell ist umstritten, weil Einrichtungen wie die Fraunhofer-Gesellschaft wohl weniger Geld für ihre Infrastruktur erhalten, etwa teure High-Tech-Maschinen oder Gebäudemieten. Der CDU-Politiker Christian Ehler hatte sich als Verhandlungsführer des EU-Parlaments gegen das neue Abrechnungsmodell gewehrt, konnte sich aber nicht gegen Kommission und Rat durchsetzen.

Der Brüsseler Fraunhofer-Büroleiter Patrick Bressler zeigte sich enttäuscht. Die neuen Kostenregeln seien schlecht für die innovative, industrienahe Forschung, sagte Bressler. Statt gewünschter Vereinfachung werde Forschern das Leben schwer gemacht. So müssten Fraunhofer-Institute künftig bei EU-Projekten eine separate Buchführung haben, die sich von der Verwaltung nationaler Projekte unterscheide.

nik/dpa

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