Horizon 2020: EU will Förderung von Forschung vereinfachen

Tüftler und Forscher sollen künftig schneller wissen, ob ihre Ideen finanziell unterstützt werden. In Brüssel einigten sich Politiker auf ein neues Förderprogramm. Doch "Horizon 2020" kommt längst nicht bei allen Wissenschaftlern gut an.

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Corbis

Horizon 2020: Simplere Abrechnung ist umstritten

Brüssel - Die EU-Forschungsförderung wird deutlich vereinfacht. Künftig bekommen Europas Forscher einen Teil ihrer Kosten pauschal erstattet, Belege hierfür müssen sie dann nicht mehr einreichen. Das beschlossen Unterhändler von EU-Parlament, Rat und Kommission am Dienstag in Brüssel. Sie einigten sich auf ein neues siebenjähriges Forschungsprogramm namens "Horizon 2020", dessen Budget vermutlich bei 70 Milliarden Euro liegen wird.

Das Programm werde Wachstum schaffen und innovative Impulse in der Wissenschaft setzen, sagte Irlands Forschungsminister Sean Sherlock. "Das ist der Anreiz, der wesentlich ist für Europas wirtschaftliche Erholung." Irland hat derzeit den Vorsitz der EU-Staaten.

Die Forscher können außerdem mit einer schnelleren Bearbeitungszeit ihrer Anträge rechnen. Behörden müssen bald binnen acht Monaten entscheiden, ob die Tüftler und Wissenschaftler gefördert werden oder nicht. Bisher liegt der Schnitt bei einem Jahr. EU-Diplomaten sowie Europaparlament und zuständige Minister müssen "Horizon 2020" noch zustimmen. Dies wird wohl bis in den Herbst dauern.

Das simplere Abrechnungsmodell ist umstritten, weil Einrichtungen wie die Fraunhofer-Gesellschaft wohl weniger Geld für ihre Infrastruktur erhalten, etwa teure High-Tech-Maschinen oder Gebäudemieten. Der CDU-Politiker Christian Ehler hatte sich als Verhandlungsführer des EU-Parlaments gegen das neue Abrechnungsmodell gewehrt, konnte sich aber nicht gegen Kommission und Rat durchsetzen.

Der Brüsseler Fraunhofer-Büroleiter Patrick Bressler zeigte sich enttäuscht. Die neuen Kostenregeln seien schlecht für die innovative, industrienahe Forschung, sagte Bressler. Statt gewünschter Vereinfachung werde Forschern das Leben schwer gemacht. So müssten Fraunhofer-Institute künftig bei EU-Projekten eine separate Buchführung haben, die sich von der Verwaltung nationaler Projekte unterscheide.

nik/dpa

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Newspeak 26.06.2013
Innovative, industrienahe Forschung sollte keine Probleme haben, Fördergelder zu generieren. Die Fraunhofer-Gesellschaft soll mal nicht so jammern, denen geht es wie allen ähnlich gearteten Forschungsverbünden in Deutschland (Max-Planck, Helmholtz etc.) relativ gut, vor allem ist die Finanzierung dauerhaft ziemlich gesichert. Das können die Forschungsinstitute an Universitäten nicht gerade sagen. Das simplere Abrechnungsmodell ist umstritten, weil Einrichtungen wie die Fraunhofer-Gesellschaft wohl weniger Geld für ihre Infrastruktur erhalten, etwa teure High-Tech-Maschinen oder Gebäudemieten. Sorry, aber Gebäudemieten sollten aus anderen Töpfen bezahlt werden, als aus Forschungsmitteln. Es ist in Deutschland viel zu oft der Fall, daß futuristische aber unpraktische Gebäude für Forschungsinstitute gebaut werden und dann teure Großgeräte reingestellt werden, die kaum genutzt werden, weil das Geld für Mitarbeiter nicht reicht oder nicht vorgesehen war. Man sollte lieber mal in "Humankapital" investieren. Das Großgerät ist ein Hilfsmittel der Forschung, es macht keine. In hübsch vorzuführende Geräteparks zu investieren, mag marketingtechnisch gut ankommen, weil sich dann ein Politiker davorstellen und ablichten lassen kann und von toller Forschung reden, aber es ist ansonsten völlig sinnlos, wenn man nicht die guten Wissenschaftler hat, die etwas aus dem Gerät machen.
2. Industrienähe durch Steuermittel fördern?
lachender lemur, 27.06.2013
Zitat von sysopEuropean UnionTüftler und Forscher sollen künftig schneller wissen, ob ihre Ideen finanziell unterstützt werden. In Brüssel einigten sich Politiker auf ein neues Förderprogramm. Doch "Horizon 2020" kommt längst nicht bei allen Wissenschaftlern gut an. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/horizon-2020-eu-beschliesst-umstrittene-forschungsregelung-a-908009.html
Man kann das auch GANZ anders sehen... wenn man "industrienah" forscht, ist das Geld ja eh' nie knapp. Warum dann auch noch die EU-Mittel dorthin schütten? Falls die neuen Richtlinien dazu führen, daß industrie-unabhängige Forschung strukturell besser gefördert wird, dann st das SEHR zu begrüßen.
3. Gutes Projekt.
kasp4 12.11.2013
Zitat von sysopEuropean UnionTüftler und Forscher sollen künftig schneller wissen, ob ihre Ideen finanziell unterstützt werden. In Brüssel einigten sich Politiker auf ein neues Förderprogramm. Doch "Horizon 2020" kommt längst nicht bei allen Wissenschaftlern gut an. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/horizon-2020-eu-beschliesst-umstrittene-forschungsregelung-a-908009.html
Ich muss sagen, dass ich in diesem Projekt eine super Sache sehe. Es vereinfacht den Bereich Forschung und Innovation und fördert Schlüsseltechnologien, die in der Wirtschaft brauchbar sind. Auch finde ich es positiv, dass es von der österreichischen Wirtschaft so positiv aufgenommen wird! (siehe z.B.: Nachbericht 5. Österreichische Clusterkonferenz (http://www.ecoplus.at/de/ecoplus/cluster-niederoesterreich/news/5-oesterreichische-clusterkonferenz) ) Dennoch, die Ergebnisse kann man erst danach loben. Also nicht den Abend vor dem Tag loben!
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