US-Analyse Hunde und Katzen sind schlecht fürs Klima

Auch Hunde und Katzen brauchen Energie zum Leben. Das Problem: Sie stammt hauptsächlich aus Fleisch - und dessen Produktion erzeugt schädliche Treibhausgase.

Hund und Katze auf dem Sofa
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Hund und Katze auf dem Sofa


Niedlich, ein Seelentröster - und schlecht für die Umwelt. Hunde und Katzen verursachen vor allem über ihren Fleischkonsum einen beträchtlichen jährlichen Treibhausgas-Ausstoß. Allein in den USA entspreche dieser der Klimawirkung von rund 64 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich, ergab eine im Fachmagazin "PLOS ONE" vorgestellte Hochrechnung. Der Wert entspricht in etwa der Klimabilanz aller Einwohner von Berlin und Hamburg.

In den USA sind Haustiere so beliebt wie sonst nirgends auf der Welt. Knapp 70 Prozent der Haushalte besitzen mindestens eines - in Deutschland sind es etwa 44 Prozent. In Berechnungen zum Umwelteinfluss des Nahrungsmittelkonsums im Land flössen Haustiere aber bisher nicht ein, erklärt Gregory Okin von der University of California in Los Angeles (UCLA).

Platz fünf beim Fleischkonsum

Für eine Hochrechnung dazu schloss der Forscher zunächst aus der Zahl der Katzen und Hunde in den USA sowie den Inhaltsstoffen marktdominierender Futtermittel auf den Fleischverbrauch der Vierbeiner. In den USA leben etwa 94 Millionen Katzen und 90 Millionen Hunde. Was an Futter hineingehe, müsse natürlich auch wieder hinaus, schreibt Okin: Gut fünf Millionen Tonnen Kot fielen jährlich an, hat er errechnet.

"Ich mag Hunde und Katzen, und ich empfehle definitiv nicht, dass Menschen ihre Haustiere loswerden sollten oder sie vegetarisch ernähren, was ungesund für sie wäre", so Okin. "Aber ich denke, wir sollten uns klar sein über die Auswirkungen, die Haustiere haben, und ehrlich darüber reden."

Mehr Fläche, mehr Energie, mehr Wasser

Die Umweltfolgen einer fleischbasierten Ernährung sind weitaus größer als die einer pflanzlichen - unter anderem werden mehr Fläche, mehr Energie und mehr Wasser für die Produktion benötigt. Methan (CH4), etwa aus der Rinderhaltung, und Kohlendioxid (CO2) wirken in der Atmosphäre als Treibhausgase: Sie halten Wärmestrahlung zurück, die Erde heizt sich allmählich auf.

Hinzu kommen Faktoren wie Bodenerosion, Pestizideinsatz und Abfallmenge. Auf Hunde und Katzen entfallen Okin zufolge etwa ein Viertel der im Land verbrauchten Kalorien aus der Viehhaltung. Noch nicht in der Rechnung des Forschers berücksichtigt sind die Folgen der Produktion von Haustierprodukten für Umwelt und Klima.

Zwar enthält Tierfutter auch einiges, was Menschen nicht essen würden oder sollten, erklärt Okin. Zunehmend würden Haustiere aber als Familienmitglieder angesehen und erhielten nur das vermeintlich Beste - auch beim Fleisch.

"Ein Hund braucht kein Steak zu fressen", so der Forscher. "Ein Hund kann Dinge fressen, die nichts für den Menschen sind." Würde nur ein Viertel des derzeit für Futter verwendeten Fleisches wieder dem Menschen zugutekommen, würde das dem Fleischkonsum von 26 Millionen Amerikanern entsprechen, schätzt Okin. Das sei in etwa der Fleischkonsum der Einwohner des US-Bundesstaats Texas, wo gut 25 Millionen Menschen leben.

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Mehr Fleischkonsum in Brasilien und China

Zunehmend ein Thema werde das Problem auch in anderen Ländern wie Brasilien und China. Dort konsumierten die Menschen im Zuge steigender Einkommen nicht nur selbst immer mehr Fleisch, sondern hielten auch mehr Haustiere, in deren Versorgung mehr investiert werde - und die auch Fleisch bekommen, das genauso gut ein Mensch essen könnte.

"Ich bin selbst kein Vegetarier, aber Fleisch zu essen, hat nun mal seinen Preis", so Okin. Darum müsse der Mensch nicht nur über seine eigene Ernährung, sondern auch die seiner Haustiere nachdenken. Eine mögliche Option wären demnach alternative Proteinquellen für Hunde- und Katzenfutter.

Dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) zufolge geben allein die deutschen Haustierbesitzer gut vier Milliarden Euro für Fertignahrung sowie Bedarfsartikel und Zubehör aus dem Fach- und Lebensmitteleinzelhandel aus. Hinzu kamen demnach im vergangenen Jahr mehr als 500 Millionen Euro über Online-Vertriebswege.

jme/dpa



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