Hypnose in der Medizin Entspann dich, jetzt kommt das Skalpell

Der wahnsinnige Doktor Mabuse, Bühnenmagier, Spiritisten: Lange Zeit galt Hypnose als anrüchig oder esoterische Spinnerei. Doch seit kurzem dient sie als medizinisches Hilfsmittel: bei Operationen, Flugangst, Depressionen - sogar beim Zahnarzt.

Von Ute Eberle


"Du entspannst dich und lässt den Atem fließen." Mit melodischer Stimme redet die Assistentin auf die Patientin im Zahnarztstuhl vor ihr ein und streichelt der Frau sanft über den Arm. Gleichzeitig ist die Stimme des Zahnarztes zu vernehmen: "Dein Mund ist wie eine Wohnung, die renoviert wird", brummelt Albrecht Schmierer. Er erzählt von Handwerkern und Bauschutt, während seine Assistentin weiter ihren Singsang von "tief in den Bauch atmen" und "den Schmerz hinausrieseln lassen" vorträgt.

Patient beim Zahnarzt: "Dein Mund ist wie eine Wohnung, die renoviert wird"
DPA

Patient beim Zahnarzt: "Dein Mund ist wie eine Wohnung, die renoviert wird"

Die doppelte Beschallung hat System. "Wenn zwei gleichzeitig reden, überlädt das den Patienten", sagt Schmierer. "Er kann nicht beiden zuhören, und zieht sich in sich selbst zurück. So leitet man oft am schnellsten eine Trance ein." Tatsächlich schließt die Frau im Zahnarztstuhl kurz darauf die Augen und wirkt auf einmal ganz ruhig.

Marion Koch ist 52 Jahre alt, Rezeptionistin in einem Rehabilitationszentrum und – wie sie selbst sagt – sehr schmerzempfindlich. Dennoch rührt sie sich nicht, als Schmierer wenig später den Bohrer startet und sechs Amalgamfüllungen aus ihren Zähnen gräbt.

Der gesamte Oberkiefer soll an diesem Morgen saniert und teilüberkront werden. Zwei der alten Plomben sitzen derart tief, dass Schmierer aufpassen muss, mit dem Bohrer nicht die Zahnnerven zu treffen.

Ohne mit seinem Gemurmel aufzuhören, beugt der Mediziner sich tief über den Mund seiner Patientin, zerrt am Kiefer, um einen besseren Ansatzwinkel zu finden. Auch als er mit den Knien aus Versehen gegen die Liege stößt, bleibt Marion Koch entspannt.

Sie hält die Hände im Schoß, gleichmäßig hebt und senkt sich ihre Bauchdecke. Sie reagiert weder auf das Kreischen des Bohrers noch auf den von der Reibungshitze verursachten beißenden Geruch, der von ihren Zähnen aufsteigt. Eine Betäubung hat sie nicht bekommen.

Auch vor einigen Monaten nicht, als sie sich unter Hypnose vier Weisheitszähne ziehen ließ. Rein aus Neugier verzichtete sie auf jede Art einer Anästhesie. In Trance merkte sie zwar, wie der Arzt das Zahnfleisch aufschnitt, wie er die Wurzeln freilegte und die Zähne aus dem Kiefer hebelte. Doch selbst das fügte ihr kaum Schmerzen zu.

Forscher haben gemessen, was im Körper eines Menschen vorgeht, der in Hypnose fällt. Der Atem verlangsamt sich, der Herzschlag wird ruhiger, der Blutdruck sinkt, und die Hirnströme pendeln sich zwischen Wachsein und Schlafen ein.

Dennoch bekommt der Patient mit, was um ihn herum geschieht. Marion Koch erzählt, dass sie sogar Handzeichen geben konnte, damit ihr der Speichel abgesaugt wird, dass sie den Bohrer sehr wohl hörte und spürte – aber das alles machte ihr nichts aus.

Es klingt wie Hokuspokus. Und tatsächlich hat die Hypnose einen bemerkenswert schlechten Ruf. "Als ich vor gut 20 Jahren damit anfing, haben sich die Leute gewissermaßen noch bekreuzigt", sagt Albrecht Schmierer.

Bis heute denken viele Menschen bei Hypnose vor allem an alte Filme, in denen spitzbärtige Bösewichte Uhren pendeln und Unschuldige einen Mord ausführen lassen. Oder an Showhypnosen, bei denen gestandene Männer auf der Bühne gackern wie ein Huhn.

Doch abseits dieser Klischees hat sich die Methode in den vergangenen Jahren als wirkungsmächtiges medizinisches Hilfsmittel einen Namen gemacht. Allein in Deutschland gibt es mittlerweile vier Fachgesellschaften für Hypnose. Ihre gut 2000 Mitglieder sind keine esoterischen Quacksalber, sondern Zahnärzte, Allgemeinmediziner oder Onkologen, die Hunderte von Fortbildungsstunden investiert haben, um Hypnose zu lernen. Dennoch können sie die Nachfrage kaum decken.

Der Trancezustand hat sich in den unterschiedlichsten Situationen als hilfreich erwiesen: bei leukämiekranken Kindern etwa, denen Knochenmark entnommen werden muss. Bei Flugängstlichen, die in Trance mental üben, einen Jet zu besteigen. Und bei Depressiven, deren Unterbewusstsein Therapeuten mit Positivem füttern.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
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Dörte Leyser 07.03.2009
1. Hypnose
Mich freut es ungemein, zu sehen, dass in letzter Zeit immer häufiger über Hypnose berichtet wird - und die Aufmerksamkeit in der Bevölkerung dieser Thematik gegenüber wächst. Ich arbeite selbst als Hypnotherapeutin und kann die im Artikel beschriebenen Vorgehensweisen und vor allem die positiven Auswirkungen der Hypnose täglich in meiner Praxis beobachten. Aus meiner Sicht gibt es kaum eine "sanftere" und effektivere Form der Therapie als diese - was viele Klienten auch bestätigen. Und das ist das Wichtigste! Es geht schließlich in erster Linie um den Klienten, der sich einem Therapeuten anvertraut oder sich eben in die Hände eines Hypnotiseurs begibt, um einen operativen Eingriff bestmöglich zu überstehen. Großes Lob aus Köln für diesen fundierten Artikel !
DieterSalomon, 07.03.2009
2. Seit kurzem?
Seit 15 Jahren findet Hypnose in Zahnarztpraxen Verwendung.
adsum 08.03.2009
3. Hypnose niemals ohne Zeugen durchführen!!!
Zitat von sysopDer wahnsinnige Doktor Mabuse, Bühnenmagier, Spiritisten: Lange Zeit galt Hypnose als anrüchig oder esoterische Spinnerei. Doch seit kurzem dient sie als medizinisches Hilfsmittel: bei Operationen, Flugangst, Depressionen - sogar beim Zahnarzt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,593655,00.html
In den 50ern wurde Hypnose auf Jahrmärkten zur Volksbelustigung durchgeführt. Heute kaum mehr vorstellbar. Die Würde des Menschen wurde hier auf schlimmste verletzt! Aber damals begeisterte mich als 18jähriger diese unheimlich Hypnose, bei der Erwachsen, wie Hühner gackerten, Ziebel aßen, weil der Hypnotiseur ihnen eintrichterte, sie hätten einen saftigen Apfel in der Hand usw. usf. Das wollte ich auch können. Ich las alles, was ich auf dem Büchermarkt über Hypnos ergattern konnte. Schließlich beherrschte ich diese Technik aus dem ff. Damit mir keiner etwas vormachen konnte, musste sich die in Tiefschlaf befindlich Person über drei Stühle legen. Ich sagte, dass ich jetzt den mittleren Stuhl herausziehen würde. Sie brauche keine Angst zu haben. Sie fühle sich sehr wohl und ich setzte mich zusätzlich auf den Bauch. Keine Person hält im normalen Zustand dies aus. Die hypnotisierte Person lächelte dabei sogar. Der Körper war steif und starr, wie ein Brett. Aus der Hpnose erwacht hatte die Person weder einen Muskelkater noch sonst irgend welche Schmerzen an den Druckstellen. Ich habe an einer anderen Stelle im Thread, da ging es um den "freien Willen" ausfürlicher berichtet, deshalb erspare ich mir weitere Details. Aber das gefährliche bei einer Hypnose im Tiefschlaf ist die Posthypnose!!! Ich habe damals in 50ern einer Person im hypnotischen Tiefschlaf einsuggeriert, sie solle mich nach einigen Tagen in der Mittagszeit auf der Arbeitsstelle besuchen, sie werde fürchterliche Zahnschmerzen haben, dann sage ich ein bestimmtes Wort, ich glaube "Pfingsten" oder "Ostern", dann verschwinden mit einem Schlag die Schmerzen. Tatsächlich kam diese Person, klagt über Zahnschmerzen als ich nebenbei erwähnte, was sie "Ostern" oder "Pfingsten" vorhabe, waren plötzlich die Schmerzen vorbei. Ich bin selbst ein sehr großer Skeptiker, was Hokuspokus, Zauberei, Wunderglaube usw.angelangt. Aber Hypnose ist kein Hokuspokus. Es kann sicher in der Medizin bei der Schmerzbekämpfung helfen. Aber es gibt auch eine andere Seite der Münze. Es muss ein Missbrauch dieser Technik unter allen Umständen vermieden werden. Kein Schabernak und keine Posthypnose, deshalb müssen immer Zeugen anwesend sein. Man kann im Tiefschlaf einer Person einsuggerieren, dass sie sich nach dem Erwachen an nichts mehr erinnert. Man kann auch einsuggerieren, das sie selbst alles energisch bestreitet, falls es ein Anschuldigung gegen den Hypnotiseur gibt.
Hypnoticus 08.03.2009
4. Hypnosetherapie: Ausbildung ist wichtig - Titel nicht!
Zitat von sysopDer wahnsinnige Doktor Mabuse, Bühnenmagier, Spiritisten: Lange Zeit galt Hypnose als anrüchig oder esoterische Spinnerei. Doch seit kurzem dient sie als medizinisches Hilfsmittel: bei Operationen, Flugangst, Depressionen - sogar beim Zahnarzt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,593655,00.html
Super! Endlich ein Artikel zum Thema Hypnose welcher einigermassen korrekt das Potential wiederspiegelt. Es geht noch viel weiter als das Geschilderte, jedoch kommt es sehr auf die Ausbildung an, die man erhält. Entweder man hat Glück und stösst gleich auf die modernsten und effizientesten Methoden oder aber lernt viel Unnützes, Unwirksames und Überflüssiges und dies oft erst noch für viel Geld. Natürlich braucht es einmal mehr den mahnenden Finger von irgendwelchen "Spezialisten" mit Titel. Diese melden sich doch immer zu Wort - 90% von Ihnen haben aber kaum eine Ahnung zu den wirklich effizienten Methoden und sind fast ausschliesslich auf Milton Erikson Methoden fixiert. Mal ehrlich: Sind Titel aussagekräftiger als Resultate? Sicher nicht. Man muss kein Dr. oder Prof. Titel haben um ein exzellenter Hypnosetherapeut zu sein. Am OMNI Hypnosis Training Center of Zürich (Switzerland) werden die effizientesten und modernsten Methoden welche heute bekannt sind unterrichtet - auch Fachpersonen mit Dr. oder Prof. Titel haben erkannt, dass diese dort unterrichteten Methoden viel wirksamer und direkter sind, als die langweiligen und oft unwirtschaftlichen Eriksonschen Methoden (vorallem aus Sicht des Klienten!) die weit verbreitet sind. Es braucht keine 10 oder gar mehr Therapien bis ein Problem gelöst ist - es hat sich einfach noch nicht so herumgesprochen. Wenn Ihr Therapeut also mehr als 3 Sitzungen benötigt um Ihr Problem zu lösen, dürfen Sie seine Kompetenz und/oder sein Absichten ruhig in Frage stellen! Vorallem professionelle Therapeuten wie Psychiater und Psychologen sollten sich diese neuen Methoden aneignen - Sie müssen einfach über Ihren Schatten springen und auf dutzende, wenn nicht hunderte von Gesprächstherapiestunden verzichten - die Resultate werden Sie begeistern und sie haben erst noch Ihrem Klienten geholfen. Also, Titel können höchstens ein Indikator sein, aber sicher kein Garant für das die Person auch die modernsten und effizientesten Methoden kennt. Wann wissen Sie, dass Sie ev. veraltete und nicht so effiziente Methoden anwenden? Wenn Sie folgende Fragen nicht oder nur teils beantworten können oder aber unsicher sind: - Dauert Ihre Hypnoseeinleitung länger als 4 Minuten? Wenn ja, warum? - Beherrschen Sie die Blitz- und Soforthypnose? - Sagt Ihnen Dave Elman etwas? - Nennen Sie mind. 3 Methoden um die Tiefe der Hypnose zu testen - Was ist das Hypnotische Coma (Esdaile State)? - Wie erzielt man das Hypnotische Coma und für was ist es zu gebrauchen? - Beschreiben Sie den Zustand des Ultra-Height und wie man es erzielt - Beschreiben Sie das Mind Model und wie die Hypnose funktioniert - Welches sind die 4 mentalen Einstellungen die ein Klient haben kann gegenüber einer gegebenen Suggestion? - Welches ist die einzige Einstellung gegenüber einer Suggestion die auch zum Erfolg führt? - Kennen Sie die Abreaktionstherapie? Ist dies gut oder schlecht wenn ein Klient eine Abreaktion hat? Es gibt noch soviel zum Lernen! Keep an open Mind!
adsum 08.03.2009
5. Hypnose scheint nur ein Randthema in der wissenschaftlichen Ausbildung zu sein!
Zitat von HypnoticusSuper! Endlich ein Artikel zum Thema Hypnose welcher einigermassen korrekt das Potential wiederspiegelt. Es geht noch viel weiter als das Geschilderte, jedoch kommt es sehr auf die Ausbildung an, die man erhält. Entweder man hat Glück und stösst gleich auf die modernsten und effizientesten Methoden oder aber lernt viel Unnützes, Unwirksames und Überflüssiges und dies oft erst noch für viel Geld. Natürlich braucht es einmal mehr den mahnenden Finger von irgendwelchen "Spezialisten" mit Titel. Diese melden sich doch immer zu Wort - 90% von Ihnen haben aber kaum eine Ahnung zu den wirklich effizienten Methoden und sind fast ausschliesslich auf Milton Erikson Methoden fixiert. Mal ehrlich: Sind Titel aussagekräftiger als Resultate? Sicher nicht. Man muss kein Dr. oder Prof. Titel haben um ein exzellenter Hypnosetherapeut zu sein. Am OMNI Hypnosis Training Center of Zürich (Switzerland) werden die effizientesten und modernsten Methoden welche heute bekannt sind unterrichtet - auch Fachpersonen mit Dr. oder Prof. Titel haben erkannt, dass diese dort unterrichteten Methoden viel wirksamer und direkter sind, als die langweiligen und oft unwirtschaftlichen Eriksonschen Methoden (vorallem aus Sicht des Klienten!) die weit verbreitet sind. Es braucht keine 10 oder gar mehr Therapien bis ein Problem gelöst ist - es hat sich einfach noch nicht so herumgesprochen. Wenn Ihr Therapeut also mehr als 3 Sitzungen benötigt um Ihr Problem zu lösen, dürfen Sie seine Kompetenz und/oder sein Absichten ruhig in Frage stellen! Vorallem professionelle Therapeuten wie Psychiater und Psychologen sollten sich diese neuen Methoden aneignen - Sie müssen einfach über Ihren Schatten springen und auf dutzende, wenn nicht hunderte von Gesprächstherapiestunden verzichten - die Resultate werden Sie begeistern und sie haben erst noch Ihrem Klienten geholfen. Also, Titel können höchstens ein Indikator sein, aber sicher kein Garant für das die Person auch die modernsten und effizientesten Methoden kennt. Wann wissen Sie, dass Sie ev. veraltete und nicht so effiziente Methoden anwenden? Wenn Sie folgende Fragen nicht oder nur teils beantworten können oder aber unsicher sind: - Dauert Ihre Hypnoseeinleitung länger als 4 Minuten? Wenn ja, warum? - Beherrschen Sie die Blitz- und Soforthypnose? - Sagt Ihnen Dave Elman etwas? - Nennen Sie mind. 3 Methoden um die Tiefe der Hypnose zu testen - Was ist das Hypnotische Coma (Esdaile State)? - Wie erzielt man das Hypnotische Coma und für was ist es zu gebrauchen? - Beschreiben Sie den Zustand des Ultra-Height und wie man es erzielt - Beschreiben Sie das Mind Model und wie die Hypnose funktioniert - Welches sind die 4 mentalen Einstellungen die ein Klient haben kann gegenüber einer gegebenen Suggestion? - Welches ist die einzige Einstellung gegenüber einer Suggestion die auch zum Erfolg führt? - Kennen Sie die Abreaktionstherapie? Ist dies gut oder schlecht wenn ein Klient eine Abreaktion hat? Es gibt noch soviel zum Lernen! Keep an open Mind!
Hallo Hypnoticus, als ich aus meinem Bekanntenkreis einen promovierten Wissenschaftler der Psychologie von meinen Experimenten in den 50er Jahren erzählte, hörte dieser meine Geschichten mit ungläubiger Mine zu, dabei dachte ich, dass das, was ich sagte, für ihn nichts neues ist. Ja, habt ihr denn während euerer Ausbildung nichts über Hypnose erfahren. Er meinte, dass dieses Thema nur am Rande behandelt wurde.
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