Tokio - Es ist eine Mammutaufgabe für die japanische Regierung: Nach dem AKW-Unglück von Fukushima sind mehrere Millionen Kubikmeter Boden um das havarierte Kraftwerk radioaktiv kontaminiert - und müssen jetzt entsorgt werden. Die Arbeiten dazu sind bereits im Gange. Doch die Internationale Atomenergiebehörde IAEA fordert ein effizienteres Vorgehen.
In einem am Freitag in Tokio veröffentlichten Zwischenbericht lobte die Organisation die japanischen Behörden zwar für ihre Bemühungen. Gleichzeitig riet sie jedoch, sich bei den Säuberungen auf bewohnte Zonen zu konzentrieren. Japan solle zuerst Strahlungsquellen unschädlich machen, die Menschen gefährlich werden könnten. Der bisherige Ansatz, das gesamte Gebiet dekontaminieren zu wollen, trage nicht unbedingt dazu bei, das Strahlenrisiko für die Bevölkerung zu senken, sagte der Leiter der IAEA-Expertenmission in Japan, der Spanier Juan Carlos Lentijo.
Gleichzeitig lobte Lentijo auch die Arbeit der japanischen Regierung: Besonders die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung, vor allem von Kindern, hob die IAEA in ihrem Bericht hervor. Das System zur Überwachung radioaktiver Strahlung sei sehr gut und umfassend, sagte der Chef der Expertengruppe, Lentijo, bei der Pressekonferenz in Tokio.
IAEA-Abschlussbericht wird Mitte November erwartet
Das Team von zwölf internationalen Spezialisten ist seit einer Woche in Fukushima, um die Arbeit der japanischen Behörden in der von der Atomkatastrophe betroffenen Provinz zu begutachten. Dabei besuchte das Team Schulen, Landwirtschaftsbetriebe sowie öffentliche Einrichtungen innerhalb der Sperrzone im Umkreis von zwölf Kilometern um das havarierte AKW. Die Experten wollen der Regierung bis Mitte November ihren Abschlussbericht vorlegen.
Bereits in den vergangenen Monaten hatten Nichtregierungsorganisationen in Pilotprojekten Schulen und andere öffentliche Einrichtungen gesäubert. Schon dabei wurde erkennbar, welche Kosten eine großflächige Dekontamination verursachen könnte.
Eine Untersuchung des japanischen Umweltministeriums war kürzlich zu dem Schluss gekommen, dass die betroffene Fläche, die gesäubert werden muss, etwa 2400 Quadratkilometer groß ist und sich über die Präfektur Fukushima und die vier Nachbarpräfekturen erstreckt.
Durch das verheerende Tohoku-Erdbeben und einen anschließenden Tsunami war die Atomkraftanlage in Fukushima am 11. März schwer beschädigt worden. Daraufhin hatte es dort eine Reihe schwerer Atomunfälle gegeben. Rund 20.000 Menschen starben durch die Naturkatastrophe oder wurden als vermisst gemeldet. Zehntausende Menschen mussten die verstrahlten Gebiete rund um das Kraftwerk verlassen.
cib/AFP
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