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Immunsystem: Vitamin D bringt Killerzellen auf Trab

Vitamin D ist wichtig bei der Kontrolle des Kalziumspiegels im Blut - und offenbar auch für das Immunsystem. Die Killer-Zellen der Körperabwehr brauchen den Stoff zum effektiven Kampf gegen Viren oder Bakterien, berichten dänische Forscher nun.

London - Die Sonne macht's. In unserer Haut wird Vitamin D gebildet, wenn die Zellen mit den UV-Strahlen des Sonnenlichts in Kontakt kommen. Es ist unter anderem auch in Lebertran und fettreichem Fisch enthalten. Am bekanntesten ist Vitamin D wegen seiner Funktion im Kalzium-Stoffwechsel des Körpers sowie beim Knochenaufbau. Außerdem haben es Forscher schon mit Autoimmunkrankheiten wie Multipler Sklerose und Infektionen, beispielsweise der Tuberkulose, in Verbindung gebracht. Nun legt eine Arbeit von Forschern um Carsten Geisler von der Universität Kopenhagen nahe, dass Vitamin D auch eine grundlegende Funktion im Immunsystem haben könnte.

Im Fachmagazin "Nature Immunology" berichten die Wissenschaftler, dass das Vitamin die Killer-Zellen der Körperabwehr, die sogenannten T-Zellen, aus einem schlafähnlichen Zustand reißt - und sie zum gezielten Angriff auf Krankheitserreger befähigt.

Die Forscher vermuten, dass die Aktivierung wie folgt abläuft: Kommt eine naive, also eine bisher nicht im Kampf eingesetzte T-Zelle in Kontakt mit einem potentiellen Eindringling, etwa einem Bruchstück einer Bakterienzelle, beginnt sie, ein Vitamin-D-Erkennungsprotein zu produzieren. Das wird dann wie eine Art Antenne ausgefahren. So testet die Zelle, ob Vitamin D verfügbar ist.

Keine Mobilmachung ohne Vitamin D

Registriert die Antenne das Vitamin, läuft eine ganze Reaktionskaskade ab. Am Ende vervielfältigt sich die T-Zelle und bildet so Hunderte identischer Zellen, die alle auf den ausgespähten Krankheitserreger fokussiert sind. Fehlt das Vitamin D hingegen, findet diese Mobilmachung nicht statt.

Die Ergebnisse würden bisher unbekannte Einblicke in die Arbeit des Immunsystems geben, erklären die Forscher. Sie können in Zukunft vielleicht auch helfen, die Reaktion der Körperabwehr zu regulieren. Das ist übrigens nicht nur beim Bekämpfen von Infektionen wichtig, sondern auch beim Dämpfen überschießender Immunreaktionen. Sie treten zum Beispiel bei Autoimmunkrankheiten auf oder bei Abstoßungreaktionen nach Organtransplantationen. In beiden Fällen vervielfältigen sich aktivierte T-Zellen explosionsartig und rufen eine Entzündung hervor, die für den Körper verheerende Konsequenzen haben kann.

Bei Mäusen, dem oft verwendeten Labormodell, gibt es die Verbindung zwischen Vitamin D und den T-Zellen übrigens nicht - vermutlich weil die nachtaktiven behaarten Mäuse ohnehin nicht viel Vitamin D zur Verfügung haben und es daher keinen Vorteil gebracht hätte, wenn diese Substanz eine derartig wichtige Rolle in ihrem Immunsystem spielte.

chs/ddp

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