Neues aus der Archäologie: Die Farbe des Todes
2. Teil: +++ Notizen eines Scharlatans +++
Auf Catalina Island, 40 Kilometer vor der kalifornischen Küste, machte der Kurator des Inselmuseums einen bedeutenden Fund: In einem staubigen Hinterzimmer entdeckte John Boraggina den Nachlass des umstrittenen Archäologen Ralph Glidden. Mit den vergilbten Fotografien und Notizbüchern könnte es gelingen, den Tongva-Indianern der Insel ein Stück ihrer Geschichte zurückzugeben - die Glidden ihnen in den 1920er und 1930er Jahren durch unkontrollierte Ausgrabungen und das Verscherbeln von Fundstücken geraubt hatte.
Die Tongva begruben jahrhundertelang ihre Toten auf der kleinen Insel. In diesen Gräbern wütete Glidden und erfand hanebüchene Geschichten über seine Funde. Zum Beispiel behauptete er, auf der Insel Beweise für eine prähistorische Indianerrasse von Riesen mit heller Haut und blauen Augen entdeckt zu haben.
Für die Ausstellung der Funde errichtete er das Catalina Museum of Island Indians auf einem Hügel mit Blick auf den Hafen. Er baute es aus den Knochen der Tongva: Die Fenster waren mit Hand- und Fußknochen dekoriert, Arm- und Beinknochen dienten als Halter für Regalbretter und an den Decken prangten Rosetten aus Schulterblättern. Doch offenbar reichten ihm die Funde auf Catalina Island nicht. Es gibt einen Beleg über Gliddens Zukauf von Skeletten bei einem Kuriositätenhändler in Los Angeles. Das Museum war noch bis 1950 geöffnet, danach kaufte der Kaugummifabrikant Wrigley's die Artefakte und schenkte sie dem Catalina Island Museum. Die nun entdeckten Notizen können helfen, sie wieder korrekt zuzuordnen.
- 1. Teil: Die Farbe des Todes
- 2. Teil: +++ Notizen eines Scharlatans +++
- 3. Teil: +++ Farbe für Menschenopfer +++
- 4. Teil: +++ Seltener Piktenfriedhof ausgegraben +++
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