Von Angelika Franz
In der Regel sind archäologische Artefakte ziemlich leblos. Doch in den USA gibt es welche, die zum Teil seit über 300 Jahren wachsen und gedeihen: indianische Markierungsbäume. Als die Bäume noch jung und biegsam waren, banden Indianer fast im gesamten Gebiet der heutigen USA die Stämme so Richtung Boden, dass sie nicht weiter gen Himmel wuchsen, sondern erst einmal mehr oder weniger parallel zum Boden. Die Krone des Baumes zeigte dann auf einen heiligen Ort oder markierte den Weg zu Wasser oder Viehgründen.
Verschiedene Gruppen und Organisationen suchen, dokumentieren und pflegen diese Artefakte: "Wir stehen unter Zeitdruck, bevor diese wunderbaren Bäume verschwunden sein werden", sagt Mary Graves, Präsidentin der Dallas Historic Tree Coalition.
Der gemeinnützige Verein Mountain Stewards hat mittlerweile 1850 gebogene Bäume in 39 US-Bundesstaaten registriert. Darunter sind mehrere Gelbkiefern im Florissant Fossil Beds National Monument in Colorado, die auf den Pikes Peak zeigen - ein heiliger Berg des Ute-Stammes. In Texas dagegen dienten viele der Bäume einem anderen Zweck: Sie wiesen den Comanche-Indianern den Weg zu Wasser, Verstecken oder Weidegründen und halfen ihnen so im Krieg gegen die Soldaten der U.S. Army.
So unterschiedlich wie die Bedeutungen können auch die Formen der Bäume sein. Während die Comanchen den unteren Teil des Stammes in der Form eines Halbmondes bogen, verlaufen die Stämme in anderen Teilen des Landes oft erst gerade und stehen dann im 90-Grad-Winkel ab, bevor sie wieder weiter nach oben wachsen.
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