Entsorgung gescheitert: Indischer Giftmüll kommt nicht nach Deutschland

Giftmüll aus dem indischen Bhopal wird vorerst nicht in Deutschland entsorgt. Die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit erklärte die Verhandlungen über die Beseitigung von 350 Tonnen kontaminiertem Material für gescheitert. Der Grund sollen Indiskretionen der indischen Seite sein.

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Giftmüll im indischen Bhopal: Entsorgung durch GIZ in Deutschland gescheitert

Neu Delhi - Die staatliche deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) zieht ihr umstrittenes Angebot zur Entsorgung von Giftmüll aus dem indischen Bhopal zurück. Die GIZ bedauere diesen Schritt, hieß es in einem Schreiben der Organisation an den indischen Finanzminister Palaniappan Chidambaram, aus dem die Deutsche Presseagentur zitiert.

Als Grund gibt die GIZ in dem Brief an, dass deutschen Medien vertrauliche Projektunterlagen zugespielt worden seien. Auf Basis dieser Papiere sei in Berichten unterstellt worden, dass die Entsorgung des Giftmülls in Deutschland "Interessen der deutschen Öffentlichkeit" zuwiderlaufe.

In einer offiziellen Erklärung der GIZ heißt es, die umfangreichen Verhandlungen mit der indischen Regierung hätten auch nach drei Monaten nicht abgeschlossen werden können. Dadurch seien die Unsicherheiten auf beiden Seiten und in der deutschen Öffentlichkeit gewachsen. Eine Entsorgung durch die GIZ sei "keine Option mehr".

Nach ursprünglichen Plänen sollten 350 Tonnen mit Giftmüll verseuchter Erde aus einer ehemaligen Pestizidfabrik in Bhopal nach Deutschland geflogen und dort entsorgt werden. Die GIZ betonte jedoch, dass es sich bei dem belasteten Erdreich nicht um Sondermüll aus dem Chemieunfall von 1984 handelt.

Der zuständige Minister des zentralindischen Bundesstaates Madhya Pradesh, Babulal Gaur, erklärte, er habe bislang keine Informationen über einen Rückzug der GIZ aus dem Projekt. Sollte dem so sein, werde es zu weiteren Verzögerungen bei der Entsorgung des Giftmülls kommen. Die indische Regierung hat bereits mehrere Fristen verstreichen lassen, die ihr vom Obersten Gerichtshof gesetzt worden waren.

Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" und das WDR-Magazin "Markt" hatten unlängst aus einem internen GIZ-Papier zitiert, in dem es den Angaben zufolge heißt: "Das einzige Risiko ist die Reaktion der deutschen Bevölkerung, wenn sie von unserem Plan erfährt, den Abfall aus Bhopal in einer deutschen Anlage zu verbrennen." Die Kosten für das Vorhaben waren von der GIZ mit rund 3,5 Millionen Euro veranschlagt worden.

mbe/dpa

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1.
Sleeper_in_Metropolis 17.09.2012
Na Super. Anstatt in D ordnungsgemäß und umwelfreundlich unschädlich gemacht zu werden, wird der Kram jetzt vermutlich irgendwo in Indien in einen Fluß gekippt oder ähnliches. Die Umwelt wird sich freuen...
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brux 17.09.2012
Zitat von Sleeper_in_MetropolisNa Super. Anstatt in D ordnungsgemäß und umwelfreundlich unschädlich gemacht zu werden, wird der Kram jetzt vermutlich irgendwo in Indien in einen Fluß gekippt oder ähnliches. Die Umwelt wird sich freuen...
Indien baut Atom-U-Boote und Flugzeugträger. Da kann es auch seinen eigenen Giftmüll entsorgen. Wenn ich den Artikel richtig verstehe, sollte das alles mit unserem Geld bezahlt werden. Und der Müll (350 Tonnen !!) war als Luftfracht gedacht? Gut, dass jemand das abgeschossen hat.
3.
Oberleerer 17.09.2012
Wenn man nur den genauen Hintergrund kennen würde. Offensichtlich ist es auch in Indien, speziell in Bophal nicht mehr ohne weiteres möglich, Gift in den Fluß zu schütten. Sonst würde es derartige Verhandlungen nicht geben. Vielmehr vermute ich, dass zahlreiche Schacherer die Hand aufhalten wollten, weil vermutlich um einen großen Batzen Geld geht. Es stellt sich die Frage, warum Giftmüll erst am anderen Ende der Welt entsorgt werden kann, wo er lt. Artikel sogar per Luftfracht verbracht werden muß. Aber sei es drum, ich finde es vorstellbar, dass nur in Deutschland Anlagen existieren, die ausreichend heiß werden um die Giftmoleküle zu knacken. Schlimm, ist aber scheinbar so.
4. Tja, zu spät
hyperlord1337 17.09.2012
... Mist, die Öffentlichkeit hat davon Wind bekommen ... müssen wir warten, bis Gras drüber gewachsen ist, dann schmeißen wirs in die Nordsee.
5.
ruediger 17.09.2012
Zitat von sysopDPAGiftmüll aus dem indischen Bhopal wird vorerst nicht in Deutschland entsorgt. Die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit erklärte die Verhandlungen über die Beseitigung von 350 Tonnen kontaminiertem Material für gescheitert. Der Grund sollen Indiskretionen der indischen Seite sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,856326,00.html
Ich hab kein Problem mit der Verbrennung des Giftmülls in Deutschland (wenn sich dies wirtschaftlich lohnt). Aber wenn ich GIZ lese, fürchte ich, das der deutsche Steuerzahler der Atom- und Weltraummacht Indien, die Kosten abnehmen soll, was natürlich überhaupt nicht geht. Die haben selber genug Geld für solche Dinge.
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