Inka Mysteriöse Herrscher in den Anden

Vor hundert Jahren wurde Machu Picchu wiederentdeckt. Die Königsstadt der Inka war das Machtzentrum eines Volkes, das mit Militärgewalt und kluger Staatskunst riesige Gebiete in den Anden beherrschte. Archäologen rekonstruieren Stück für Stück die dramatische Zeit.

Robert Clark/ National Geographic

Von "National Geographic"-Autorin Heather Pringle


Aus dem Cusco-Tal in Peru erstand im 13. Jahrhundert n. Chr. eine mächtige Dynastie: die der Inka. Sie gründeten das größte präkolumbische Reich der Neuen Welt. Weniges aus dem Leben dieser Könige ist überliefert. Die Inka hatten keine Hieroglyphenschrift wie die Maya, und was immer es an Darstellungen ihrer Herrscher gegeben haben mag, ging verloren. Die Paläste der Hauptstadt Cusco fielen den Eindringlingen in die Hände, auf den Ruinen entstand eine neue spanische Kolonialstadt - und begrub das Erbe der Inka.

In den achtziger Jahren behinderten Unruhen die Erforschung der großen Vergangenheit. Erst in jüngerer Zeit wagen sich Archäologen wieder in das Herzland der Inka. Stück für Stück setzen sie so das Bild einer dramatischen Zeit zusammen.

Brian Bauer, ein Archäologe der Universität von Illinois in Chicago, kam Anfang der achtziger Jahre nach Maukallacta, um nach den Wurzeln des Inka-Reichs zu suchen. Damals war die Wissenschaft überzeugt, dass der junge Pachacútec, eine Art andiner Alexander der Große, Anfang des 15. Jahrhunderts der erste Inka-König wurde und in nur einer Generation eine kleine Ansammlung von Lehmhütten in ein mächtiges Reich verwandelte. Der Forscher sah das anders. Er war sicher, dass die Wurzeln der Inka viel tiefer reichen. Zu seinem Erstaunen brachten zwei ausgiebige Grabungen in Maukallacta indes keine Spur eines frühen Inka-Reichs zutage.

Also wandte sich Bauer nach Norden ins Tal von Cusco. Er und seine Kollegen konnten Tausende von zuvor unbekannten Stätten ausfindig machen. Und erstmals ließ sich erkennen, dass schon zwischen 1200 und 1300 ein Inka-Staat entstanden sein musste.

Die Inka-Könige begannen, ein Auge auf fremde Reichtümer zu werfen

Die alten Herrscher der Region, die von einer Hauptstadt nahe der heutigen Stadt Ayacucho aus regierten, waren um das Jahr 1100 nach einer langen Dürrezeit untergegangen. Im Hochland entbrannten Kämpfe um Wasser und Nahrung, Plünderer überfielen ihre Nachbarn, und Scharen von Flüchtlingen suchten Schutz in kalten, windgepeitschten Höhen über 4000 Meter.

Doch im fruchtbaren, mit Wasser gut versorgten Tal um Cusco hielten Inka-Bauern die Stellung. Anstatt einander zu bekämpfen, taten sich ihre Dörfer zusammen und waren so in der Lage, eine organisierte Verteidigung auf die Beine zu stellen. Als es wärmer wurde in den Anden, zwischen 1150 und 1300, hatten die Inka der Gegend um Cusco den Nutzen davon.

Die Bauern zogen weiter nach oben, 250 bis 300 Meter die Hänge hinauf, legten Terrassenfelder an, bewässerten ihre Äcker und fuhren Rekordernten an Mais ein. "Dieser Überschuss", sagt der Klimaforscher Alex Chepstow-Lusty vom französischen Institut für Andenstudien in Lima, habe es den Inka ermöglicht, "viele Menschen für andere Aufgaben freizustellen, ob für den Straßenbau oder für den Unterhalt einer großen Armee".

Unter den Inka erblühte die Zivilisation in den Anden wie nie zuvor

Mit diesem Trumpf in der Hand begannen die Inka-Könige, ein Auge auf fremdes Land und fremde Reichtümer zu werfen. Sie knüpften Bündnisse mit benachbarten Adligen, nahmen deren Töchter zu Frauen und verteilten großzügige Geschenke an neue Verbündete. Wies ein Rivale ihre Avancen ab oder stiftete Unruhe, drohten sie mit Waffengewalt. Einer nach dem anderen unterlagen die Häuptlinge aus den umliegenden Tälern, bis es nur noch einen Staat und eine Hauptstadt gab: Cusco. Alsbald ließen die Inka-Könige ihren Blick in die Ferne schweifen und nahmen die fruchtbaren Gebiete um den Titicacasee ins Visier. Schließlich, nach 1400, begann der Herrscher Pachacútec Inca Yupanqui, Pläne für die Eroberung des Südens zu schmieden. Für ein eigenes Imperium.

Es war Mitte des 15. Jahrhunderts, als sich eine bis an die Zähne bewaffnete Armee vom Volk der Colla im Norden des Sees sammelte, um die vorstoßenden Inka zum Kampf zu fordern. Die Herren der Titicacaregion waren stolze Männer, sie geboten über 400.000 Menschen in Königreichen rund um den See. Es war ein reiches, verlockendes Land.

Von seiner prächtigen Sänfte aus gab der Inka-König den Befehl zum Angriff. Als das Schlachtgetümmel verebbte, war die Landschaft übersät mit Leichen der Colla. In den folgenden Jahren unterwarfen Pachacútec und seine Nachfolger alle Herrscher des Südens. Doch solche Siege waren nur erste Schritte im langfristig angelegten Plan der Inka zum Aufbau ihres Reichs. Bald gingen Beamte daran, das zivile Leben zu organisieren.

Unter den Inka erblühte die Zivilisation in den Anden wie nie zuvor. Ingenieure verknüpften Wege zu einem Netz von Fernstraßen. Bauern kultivierten etwa 70 einheimische Pflanzenarten. In riesigen Lagerhäusern sammelten sie Vorräte für drei bis sieben Jahre. Und Baumeister schrieben sich mit architektonischen Meisterwerken in die Ewigkeit ein.

Dieser Artikel ist im National Geographic Deutschland, Ausgabe April 2011, erschienen .



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Aleksandrs Krievs 25.04.2011
1. Text und Bilder passen nicht zusammen!
Zitat von sysopVor hundert Jahren wurde Machu Picchu wiederentdeckt. Die Königsstadt der Inka war das Machtzentrum eines Volkes, das mit Militärgewalt und kluger Staatskunst riesige Gebiete in den Anden beherrschte. Archäologen rekonstruieren Stück für Stück*die dramatische Zeit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,755104,00.html
Der oben zitierte, einleitende Passus sowie die Bilder passen nicht zum Text. Darin wird die Entstehung des Inkareichs rund um Cusco erörtert, während auf den Bildern Machu Picchu gezeigt wird, das sich zwar in der Region Cusco befindet, aber mit dem Machtzentrum der Inkas, also Cusco, als solches nichts zu tun hat. Im o.g. Passus wird gar behauptet, Machu Picchu und nicht Cusco sei das Machtzentrum gewesen. So ein Blödsinn! Im Übrigen wurde Machu Picchu von den Spaniern nicht verschont, sie hatten von seiner Existenz keine Kenntnis! Da hat man bei SPON wohl wieder ohne Sinn und Verstand zum Artikel irgendwelche Bilder aus dem Archiv gekramt und einen noch Ahnungsloseren (nach Betrachten der Bilder) den einleitenden Passus schreiben lassen.
OneTwoThree 25.04.2011
2. Halbqualifiezierte Kommentare
Zitat von Aleksandrs KrievsDer oben zitierte, einleitende Passus sowie die Bilder passen nicht zum Text. Darin wird die Entstehung des Inkareichs rund um Cusco erörtert, während auf den Bildern Machu Picchu gezeigt wird, das sich zwar in der Region Cusco befindet, aber mit dem Machtzentrum der Inkas, also Cusco, als solches nichts zu tun hat. Im o.g. Passus wird gar behauptet, Machu Picchu und nicht Cusco sei das Machtzentrum gewesen. So ein Blödsinn! Im Übrigen wurde Machu Picchu von den Spaniern nicht verschont, sie hatten von seiner Existenz keine Kenntnis! Da hat man bei SPON wohl wieder ohne Sinn und Verstand zum Artikel irgendwelche Bilder aus dem Archiv gekramt und einen noch Ahnungsloseren (nach Betrachten der Bilder) den einleitenden Passus schreiben lassen.
Artikel richtig lesen, verstehen, richtig interpretieren und sich für das übereilte Beschwerdepost einmal kräftig vor die Stirn hauen. Desweiteren ist dies ein Artikel aus dem National Geographic, wie am Anfang und Ende des Berichts erwähnt.
hoppla_h 25.04.2011
3. De Bello Gallico
"HUCH!" (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,755104,00.html) - Der Artikel, übernommen von National Geografic (http://www.nationalgeographic.de/inka) ist klar als schlechte Übersetzung zu erkennen. Wissenschaftlich ist das Thema interessant. Hm, Guttenberg lässt grüßen, ... WAS ist 'Spekulation'? - MR. SPOCK würde kommentieren: "Faszinierend!" Jetzt zu Ostern erinnern wir uns an Jesu, und seine Auferstehung kurz nach dem Jahr NULL unserer christlichen Zeitrechnung. *"De Bello Gallico"* habe ich dazu aus diesem Zeitfenster gelesen. *"Um 1400: INKA, ... MAYA, ...* - DA ist ein 'Loch' in der Geschichtsforschung.
Aleksandrs Krievs 25.04.2011
4. Wo sind die Argumente?
Zitat von OneTwoThreeArtikel richtig lesen, verstehen, richtig interpretieren und sich für das übereilte Beschwerdepost einmal kräftig vor die Stirn hauen. Desweiteren ist dies ein Artikel aus dem National Geographic, wie am Anfang und Ende des Berichts erwähnt.
Wo sind Ihre Argumente, die belegen, dass ich den Text nicht verstanden und/oder interpretiert habe? Dass der Text von woanders übernommen wurde ändert nichts daran, dass Bilder und Text nicht übereinstimmen, Sie Schlaumeier.
ANDIEFUZZICH 26.04.2011
5. Ahnungslose Wissenschaftler
Zitat von sysopVor hundert Jahren wurde Machu Picchu wiederentdeckt. Die Königsstadt der Inka war das Machtzentrum eines Volkes, das mit Militärgewalt und kluger Staatskunst riesige Gebiete in den Anden beherrschte. Archäologen rekonstruieren Stück für Stück*die dramatische Zeit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,755104,00.html
Es gab bekanntlicherweise Kulturen im fraglichen Lebensraum, die viel älter waren als die der Inkazeit, zum Beispiel Tihuanaco. Hat noch kein Wissenschaftler erklären können, wer das gebaut haben könnte.
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