Innere Uhr Nachts essen macht doch dick

In den Zellen trägt der Mensch eine Uhr mit sich herum. Hört er nicht auf seinen Zeitgeber, drohen Krankheiten und Übergewicht. Ein geregelter Lebensstil kann der inneren Uhr helfen, im Takt zu bleiben.


Nach einer durchwachten Nacht befällt den Körper eine bleierne Müdigkeit. Dennoch kann man oft nicht einschlafen. Die Geräusche erzählen vom Leben am Tage. Es ist hell, und selbst bei heruntergelassenem Rollladen blinzelt die Sonne durch die Ritzen. Die innere Uhr will vom Schlaf nichts wissen. Das Tageslicht fällt auf die Netzhaut der Augen und wird in Form von elektrischen Impulsen zur biologischen Uhr im Gehirn geleitet.

Schlafende Frau: Die innere Uhr kann der Mensch durch regelmäßige Mahlzeiten unterstützen
DDP

Schlafende Frau: Die innere Uhr kann der Mensch durch regelmäßige Mahlzeiten unterstützen

Anhand dieser Signale wird die Uhr im Hypothalamus ständig mit der Umwelt in Einklang gebracht. Dieser Bereich des Zwischenhirns ist das wichtigste Steuerzentrum des vegetativen Nervensystems und steuert Körperfunktionen, die der Mensch nicht willentlich beeinflussen kann - darunter, ob er wach oder müde wird. "Dieser Abgleich erfolgt binnen einiger Minuten bis maximal einer halben Stunde", sagt Gregor Eichele. Der Chronobiologe vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen hat kürzlich herausgefunden, weshalb die Uhr im Kopf mit minutiöser Genauigkeit tickt.

Ein Duo aus zwei Eiweißstoffen in den Zellen reagiert äußerst empfindsam auf jede Lichtänderung. Bei Sonnenaufgang wird das Paar in den Zellen vermehrt, während es in der Abenddämmerung zerstört wird. Die Zahl der beiden Lichtwächter signalisiert den Zellen im Hypothalamus exakt, wann der Tag beginnt oder die Nacht hereinbricht. Sogenannte Uhrgene im Zellkern leiten dann die entscheidenden Veränderungen ein.

Zum Beispiel wird in den Abendstunden das Schlafhormon Melatonin gebildet, bis man müde wird und einschläft. Neuerdings finden Chronobiologen aber auch immer mehr Hinweise, dass die innere Uhr sogar bestimmt, wie die Nahrung verwertet wird und wie groß der Appetit ist. Geraten Ernährung und innere Uhr aus dem Takt, legen Mensch und Tier über die Maßen an Gewicht zu. Sie entwickeln Bluthochdruck und eine Stoffwechselstörung namens "metabolisches Syndrom", die als Vorläufer einer Zuckerkrankheit gilt.

Gestörter Rhythmus, dicke Mäuse

Wurde zum Beispiel in Mäusen das Uhrgen "Clock" verändert, so verlängerte sich deren innerer Rhythmus von 23,5 auf 27 bis 28 Stunden. Die Uhr läuft nicht mehr synchron zum natürlichen Tagesverlauf. "Das hat erhebliche Auswirkungen auf das Leben und den Gesundheitszustand der Tiere", berichtet Chronobiologin Katja Vanselow von der Charité in Berlin. Während Mäuse normalerweise nachtaktiv sind, waren die Versuchstiere auch am Tag munter. Sie rannten im Laufrad und fraßen gleichzeitig mehr. Folglich legten sie um mehrere Gramm zu und neigten sogar zur Fettsucht.

Ebenso setzen Schafe mehr Speck an, wenn ein Teil der Nacht zum Tag gemacht wurde. Das Gewicht nahm allerdings auch dann zu, wenn sie genauso viel Futter bekamen wie sonst. Die Fettzellen verändern ihren Stoffwechsel mit der Tageszeit und lagern zu später Stunde mehr Lipide ein als am Nachmittag, wie die Chronobiologen inzwischen wissen.



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