Inoffizieller Weltrekord Solar-Drohne fliegt 54 Stunden nonstop

Ein unbemanntes Ultraleichtflugzeug ist mehr als zwei Tage lang über der Wüste des US-Bundesstaats New Mexico geflogen. Die mit Solarzellen bestückte Drohne hat damit einen neuen Weltrekord aufgestellt - zumindest inoffiziell.


Die Energieversorgung macht beim Fliegen die größten Probleme. Jedem Flugzeug, das möglichst lange über der Erde schweben soll, gehen irgendwann die Kerosinreserven aus. Nur Segelfliegern gelingt es, durch geschicktes Ausnutzen der Thermik ganz ohne Antrieb länger in der Luft zu bleiben.

Solarzellen bieten eine elegante Lösung für das Energieproblem - und könnten eines Tages sogar Dauerflüge ermöglichen. Landungen wären dann, zumindest bei unbemannten Flugzeugen, prinzipiell nicht mehr erforderlich - wie das Modell "Zephyr" jetzt bewiesen hat.

Die 18 Meter breite und 30 Kilogramm schwere Konstruktion flog 54 Stunden lang in einer Höhe von bis zu 17 Kilometern über der Wüste im US-Staat New Mexico, wie die britische Entwicklerfirma Qinetiq mitgeteilt hat. Es handle sich um einen neuen Weltrekord im unbemannten Fliegen.

Da während des Flugs jedoch kein Vertreter der Fédération Aéronautique Internationale (FAI) anwesend gewesen sei, werde die neue Bestzeit womöglich nicht anerkannt. 2001 war die Überwachungsdrohne RQ-4A "Global Hawk" der US-Luftwaffe 30 Stunden und 24 Minuten lang in der Luft geblieben.

Gestartet wird "Zephyr" von Hand - mehrere Mitarbeiter heben die Drohne einfach auf und lassen sie losfliegen. Solarzellen auf den riesigen Flügeln fangen tagsüber Sonnenenergie ein, mit der die Propeller angetrieben werden. Gleichzeitig lädt die Sonne die Lithium-Schwefel-Batterien auf, die den Flieger nachts mit Strom versorgen. Nach Qinetiq-Angaben könnte der Solarflieger zur Erdüberwachung oder als Alternative zu Kommunikationssatelliten bei Kampfhandlungen eingesetzt werden.

Drohnen spielen bei Militär- und Polizeieinsätzen eine immer größere Rolle. Ihre Hauptvorteile: Sie sind kleiner und unauffälliger als bemannte Flieger, und bei ihren Einsätzen muss kein Pilot sein Leben riskieren. Bislang werden sie vor allem zur Aufklärung eingesetzt, können aber auch mit Waffen ausgestattet werden. Strategen bei der US-Armee träumen bereits von einem Krieg, in dem immer mehr Roboter statt verwundbarer Menschen in die Schlacht ziehen - nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden.

Für kleine, unbemannte Fluggeräte interessieren sich neben Militärs und Polizisten auch Umweltschutzorganisationen, Demonstranten oder Journalisten. Sie könnten Drohnen für ihre Zwecke nutzen, etwa um aus der Luft zu recherchieren. Wie gut das funktionieren kann, demonstrierte bereits der Chaos Computer Club auf seinem letzten Hackerkongress im Dezember in Berlin.

hda/AFP/AP

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