Intelligente Maschinen Roboter pflegen Etikette

Treffen sich zwei Roboter zeitgleich an einer Tür. Welcher geht zuerst? Was sich anhört wie ein dummer Witz, stellte Programmierer bislang vor große Probleme. Nun haben kanadische Forscher eine Lösung entwickelt.


Roboter sind heutzutage fürchterlich zuvorkommend. Treffen zwei Vehikel der in Ottawa ansässigen Firma Frontline Robotics gleichzeitig auf einen schmalen Flur, wissen sie sich auf freundliche Art zu einigen, wer zuerst durchtreten darf. Der Schlüssel liegt im demokratisch geführten Teamwork. Das heißt, in der zusammenarbeitenden Robotergruppe gibt es einen gewählten Anführer, der Entscheidungen zum Wohle der Gesamtheit trifft. Mitarbeiter der Firma wollen ihre wohlerzogenen Maschinen im Mai auf der Robo Business Konferenz im Cambridge, Massachusetts vorstellen. Frontline glaubt die Software für eine Vielfalt militärischer und ziviler Anwendungen geeignet, berichtet Philip Ball in der Online-Ausgabe der Zeitschrift "Nature".

"Immer wenn die Aufgabe stupide, gefährlich oder dreckig ist, sollten Roboter ran", sagt Frontline-Robotic-Chef Richard Lepack. Er sieht seine Maschinen als ideale Aufklärer und -räumer in Gebieten, die von terroristischen Anschlägen oder nuklearen Unfällen betroffen sind oder als Helfer bei Tiefsee-Projekten.

Zahlreiche Wissenschaftler forschen daran, Roboter zu entwickeln, die als Gruppe zusammenarbeiten und ihre Handlungen in wechselseitiger Abstimmung koordinieren. Als Vorbild dienen Modelle der dezentralen Intelligenz, die soziale Insekten wie Ameisen oder Bienen bei der Nahrungssuche und beim Nestbau praktizieren. Die Forscher bewiesen, dass nach diesem Prinzip arbeitende Robotergruppen effizientere Strategien der Problemlösung entwickelten als jene, in denen die Maschinen voneinander unabhängig agierten. Grund: Die Einzelkämpfer treffen keine Entscheidungen, sondern reagieren lediglich gemäß ihrer Programmierung auf eine bestimmte Bandbreite von Eingangssignalen. Die Zusammenarbeit der kanadischen Roboter läuft anders, denn zwei Roboter die sich vor einem engen Gang aufeinander treffen, müssen ein wenig mehr Flexibilität beweisen.

Die Robotic-Open-Control-Software erlaubt den Robotern zunächst einen Anführer zu wählen. Wird's eng, bekommt der Rudelführer den Auftrag, eine Entscheidung zu treffen. Jeder Roboter bewirbt sich beim Chef um die Durchgangserlaubnis. Der entscheidet auf Basis eines Sets von festgeschriebenen Regeln, welchem Roboter er per Funksignal die Genehmigung erteilt. Ist der Anführer aus irgendeinem Grund handlungsunfähig, wählt das Team einen neuen. Der Trick dabei ist, sicherzustellen, dass die Regeln, nach denen ausgewählt wird, stets nur einen Gewinner zulassen. Dazu muss das Design der Software Zirkelschlüsse ausschließen, welche die Roboter lahm legen könnten.

Bislang hat Frontline die Software in frei verkäufliche Allrad-Geländewagen eingebaut. Diese unbemannten Bodeneinheiten (unmanned ground units = Grunts) genannten Vehikel von gut zwei Metern Länge wiegen 450 Kilo, erreichen eine Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern und können sich binnen einer Sekunde zweimal um sich selbst auf der Stelle drehen. Sie sind ausgestattet mit Funk, Rundumkameras, Nachtsichtsensoren, Radar und GPS.

Bislang hat die Software alle Tests im Labor bestanden. Im nächsten Jahr sollen die Grunts ihre Freundlichkeit in ihnen unbekannten Terrains unter Beweis stellen.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.