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Umfrage: "Eigeninteresse kann Wissenschaftler verführen"

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Forschungszentrum Jülich

Hans Peter Peters: "Mit den Kollegen ist man pingeliger"

Raus aus dem Elfenbeinturm: Wissenschaftler sehen es mittlerweile als Vorteil, in die Medien zu kommen, vor allem aus Karrieregründen. Im Interview erläutert Kommunikationsforscher Hans Peter Peters, wie Wissenschaftler Einfluss nehmen - und warum sie zuerst ihren Chef fragen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Peters, Sie haben 3500 Wissenschaftler aus mehreren Ländern zu ihrem Verhältnis zu den Medien befragt. Stimmt das Klischee vom kontaktscheuen und abgehobenen Wissenschaftler?

Hans Peter Peters: Nein, die Mehrheit der Wissenschaftler sieht es mittlerweile als Vorteil, über die Medien mit der Öffentlichkeit in Verbindung zu treten. Nur noch eine kleine Minderheit lehnt den Kontakt grundsätzlich ab.

SPIEGEL ONLINE: Was versprechen sich Forscher von ihrer Offenheit?

Peters: Es gibt ein Bündel von Motiven. Unter anderem erwarten viele einen Nutzen für ihre Karriere - und das offenbar mit Recht: Nach ihren Erfahrungen gefragt, berichteten etwa ein Drittel der Wissenschaftler, dass ihnen Präsenz in den Medien von Vorteil war, nur zwei Prozent erlebten Nachteile für ihre Karriere. Auch der Einfluss auf die wissenschaftliche Reputation wird wesentlich häufiger positiv als negativ eingeschätzt.

SPIEGEL ONLINE: Berichte in Massenmedien erhöhen das Ansehen innerhalb der Forschergemeinschaft?

Peters: Vorausgesetzt, man äußert sich über seine Kompetenzthemen, und zwar möglichst in als seriös geltenden Medien. Aggressive Selbstvermarktung hingegen stößt auf Befremden bei den Kollegen. Deshalb bahnen meist Pressestellen Kontakte zu Journalisten an.

SPIEGEL ONLINE: Alle Forscher, die wollen, kommen öffentlich zu Wort?

Peters: Natürlich hängt das in erster Linie vom Interesse der Journalisten ab. Aber besonders in Deutschland spielt auch die Hierarchie in den Instituten eine Rolle: Häufig müssen zuerst die Chefs gefragt werden, ob man Auskunft geben darf. Das Bedürfnis, gesellschaftlich Einfluss nehmen zu wollen, ist unter Wissenschaftlern verbreitet. Es wird durch die Aktivität der Pressestellen bestärkt. Geisteswissenschaftler haben öfter Medienkontakte, gerade weil es deutlich mehr Naturwissenschaftler gibt, die Auswahl für Journalisten also größer ist.

SPIEGEL ONLINE: Herrscht keine Angst vor Falschberichten?

Peters: Wissenschaftler sehen in ihrer großen Mehrheit ein, dass Medien verständliche, unterhaltsame Alltagssprache verwenden müssen, wissenschaftliche Präzision mitunter leidet. Kleinere Ungenauigkeikten werden häufig bemängelt, aber kaum ein Forscher hat sich in unserer Befragung über gravierende Fehler beschwert. Insgesamt sind die meisten Wissenschaftler mit den Berichten, in denen sie vorkommen, recht zufrieden. Mit der Berichterstattung über ihr Forschungsfeld insgesamt, also mit Medienartikeln über Kollegen, ist man jedoch pingeliger, da werden Ungenauigkeiten eher bemängelt.

SPIEGEL ONLINE: Warum ist man bei Berichten über die eigene Arbeit toleranter?

Peters: Die Nützlichkeit der öffentlichen Bühne vergrößert offenbar die Toleranz. Die Zufriedenheit von Wissenschaftlern mit Medien ist in den vergangenen Jahren vermutlich gewachsen.

SPIEGEL ONLINE: Ist das Einverständnis ein gutes Zeichen? Sind Politiker mit Medien zufrieden, ist schnell von Hofberichterstattung die Rede.

Peters: Das Eigeninteresse der Wissenschaftler an Medienberichten ist tatsächlich eine Verführung und droht, ihre Aussagen zu beeinflussen. Kritischer Wissenschaftsjournalismus ist deshalb wichtig.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben aber eine Kluft identifiziert zwischen Innen- und Außenwelt der Wissenschaft?

Peters: Gewöhnlich trennen Forscher ihre Aussagen. Bei der Kommunikation im Verlauf der Wissensproduktion bleiben Wissenschaftler lieber unter sich. Und viele Naturwissenschaftler wollen erst über Ergebnisse reden, wenn sie in einem Fachmagazin publiziert sind.

Das Interview führte Axel Bojanowski

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insgesamt 6 Beiträge
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    Seite 1    
1. Titel zu reißerisch
thawn 20.08.2013
Mir sind der Titel und das Titelbild zu reißerisch. Der Tenor des Artikels ist doch eher, das Wissenschaftler stärker bemüht sind ihre Arbeit einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. In Anbetracht der Tatsache das die Forschung meist von der öffentlichen Hand bezahlt wird ist dies meines Erachtens zu begrüßen.
2. populismus
spon_1804815 20.08.2013
Ein Wissenschaftler der an die Öffentlichkeit geht, ist ein Populist. Dann ist er eben kein Wissenschaftler mehr, sindern er betreibt Selbstzweck. Das abschreckendste Beispiel ist ein Herr Pfeiffer vom KFN. Guten Abend
3. Titel okay
tekie2 21.08.2013
Der Titel ist nicht reißerisch. Es gibt viele Profs, die sich freuen in den Medien zu erscheinen. Wenn sie nach ihren Kompetenzen befragt werden und so weiter. Das gute daran ist, dass die Profs nicht das letzte Wort haben, sondern die Journalisten. Viele Profs sind im Grunde genommen wie Politiker. Wer gut Politik macht, also sich gut vermarktet, kriegt viel Geld für die Forschung und Ansehen unter Kollegen. Und es schindet schon Eindruck, wenn man sagen kann, dass man in den Medien einen Auftritt hatte. Man sollte nicht unterschätzen was sich einige Profs auf sich einbilden.
4. Was ein Humbug
Cadd9 21.08.2013
Natürlich will ein Wissenschaftler in Massenmedien veröffentlich. Lieber in Nature was veröffentlichen als in Nischenzeitschriften und wenn man ins Fernsehen schafft, umso besser. Jeder Wissenschaftler braucht Geld, dass man nur über Präsenz und sinnvolle Themen bekommt. Die Geldgeber werden immer sparsamer und man muss schauen nicht auf der Strecke zu bleiben! Es ist meist gleichzeitig im Interesse der Forschung und einem Selbst, wenn man das Geld will. Bezahlt werden muss man ja auch, was leider sehr schlecht meist ist. Und es kommt einem in den Medien immer so vor als wären Wissenschaftler nur Leute die an menschlichen Genen oder Waffen arbeiten... und alles wird immer schlechtgeredet. Warum?
5. ja aber
peterpups5 21.08.2013
Leider scheint es so, das die Darstellung immer weiter in den Vordergrund rückt, und seriöse Wissenschaft kaum eine Chance hat, da Mittel meist dem Entgegen geworfen werden, die am lautesten Schreien. Somit spielt die Relevanz der Wissenschaftlichen Disziplin immer eine untergeordnetere Rolle. Leider kenn ich genug Beispiel die Beweisen das die Veranschaulischung sogenanter Ergebnisse wichtiger is, als die saubere und anständige Erhebung eben dieser .
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Zur Person
  • Forschungszentrum Jülich
    Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Hans Peter Peters erforscht insbesondere das Verhältnis von Medien und Wissenschaft. Er arbeitet am Forschungszentrum Jülich und an der Freien Universität Berlin.

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