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Israel: Eltern lassen Eizellen von toter Tochter einfrieren

Es ist ein ethischer Grenzfall: Eine verstorbene 17-Jährige könnte noch biologische Mutter werden. Ihre Familie hat per Gerichtsbeschluss erreicht, dass die Eizellen der jungen Frau eingefroren werden.

Befruchtung einer Eizelle im Labor (Leipzig, März 2011): Diskussion um Fall in Israel Zur Großansicht
DPA

Befruchtung einer Eizelle im Labor (Leipzig, März 2011): Diskussion um Fall in Israel

Auch Jahre nach ihrem Tod können Männer noch Väter werden: Schon in mehreren Fällen haben Frauen eine Samenspende ihres toten Ehemanns genutzt, um schwanger zu werden. Die juristische Lage ist jedoch von Land zu Land sehr unterschiedlich. In Deutschland verbietet das Embryonenschutzgesetz solche Samenspenden nach dem Tod.

In Israel dagegen dürfen Frauen die Spermien ihres verstorbenen Ehemannes für eine solche künstliche Befruchtung nutzen. So brachte etwa im April 2009 eine Frau die Tochter ihres vor sechs Jahren erstochenen Mannes zur Welt.

Darüber hinaus sei es möglich, dass Eltern Spermien eines verstorbenen Sohnes für eine spätere künstliche Befruchtung sammeln können, berichtet die israelische Tageszeitung "Haaretz". Dafür bräuchten sie jedoch einen Gerichtsbeschluss. Nun hat eine Familie in der nahe Tel Aviv gelegenen Stadt Kfar Saba juristisches Neuland betreten: Ein Gericht hat den Eltern erlaubt, Eizellen ihrer verstorbenen Tochter einzufrieren. Dies sei der erste Fall dieser Art in Israel, schreibt "Haaretz".

Die 17-Jährige war vor einigen Tagen bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt worden. Ärzte im Meir Medical Center von Kfar Saba hatten sie im Anschluss für hirntot erklärt. Vergangenen Donnerstag waren der Frau dann in Absprache mit ihrer Familie wichtige Organe entnommen worden, die anschließend bei Transplantationen zum Einsatz kamen.

Familie will sich nicht öffentlich äußern

Die Eltern hatten beantragt, dass die Eizellen ihrer Tochter mit den Spermien eines Samenspenders befruchtet und danach eingefroren werden. Das erlaubte das Gericht nicht. Es ließ allerdings zu, dass die Eizellen der Toten tiefgekühlt aufbewahrt werden.

Eine Sprecherin der Klinik bestätige gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass die Eizellen bereits entnommen und eingefroren wurden. Was weiter mit den Zellen passiert, konnte sie nicht sagen. Man habe nur den Gerichtsbeschluss umgesetzt.

Die Familie hat sich bisher nicht öffentlich dazu geäußert, warum sie auf der Prozedur bestanden hat. Auch ob sie die Eizellen tatsächlich befruchten und einer Leihmutter einpflanzen lassen werden, ist nicht bekannt.

Selbst wenn die Eltern diesen Weg verfolgen sollten - eine Garantie, dass ihre Bemühungen zur Geburt eines Kindes führen, haben sie nicht. Das zeigte sich auch im Fall von Ines S. Sie hatte sich vor dem Rostocker Oberlandesgericht das Recht erstritten, mit dem Sperma ihres Mannes künstlich befruchtete Eizellen eingesetzt zu bekommen - auch nachdem ihr Partner verstorben war. Am Ende scheiterte das Bemühen der Frau jedoch aus medizinischen Gründen: Keine der befruchteten Eizellen entwickelte sich.

wbr

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insgesamt 78 Beiträge
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1. Welcher Nutzen?
tech.felix 09.08.2011
Wem soll das etwas bringen? Den Eltern, vielleicht ihrem 17-jährigen Freund oder einem fremden kinderlosen Paar? Jede Trauerarbeit in allen Ehren, aber manchmal können Psychologen dabei besser helfen als Richter.
2. Egoistische Eltern,...
MacOlli, 09.08.2011
...die unbedingt Grosseltern werden wollen! So können Sie jetzt ein Baby nach eigenen Wünschen designen. Der Wille der Tochter wird dabei nicht berücksichtigt
3. Zugabe
wanderprediger, 09.08.2011
Zitat von MacOlli...die unbedingt Grosseltern werden wollen! So können Sie jetzt ein Baby nach eigenen Wünschen designen. Der Wille der Tochter wird dabei nicht berücksichtigt
Jawohl, so ist es richtig. Gleich mal den moralischen Zeigefinger gezückt. Schliesslich leben wir ja in Deutschland. Weiter so.
4. ?
muellerthomas 09.08.2011
Zitat von MacOlli...die unbedingt Grosseltern werden wollen! So können Sie jetzt ein Baby nach eigenen Wünschen designen. Der Wille der Tochter wird dabei nicht berücksichtigt
Die Tochter ist tot, die hat keinen Willen mehr. Wem schaden die Eltern also?
5. <->
silenced 09.08.2011
Es ist genau diese Perversion der Medizin, die das alles so abstoßend erscheinen lassen. Es sind wie immer einige wenige, man kann die Eltern der Tochter sogar verstehen, aber in dem Falle ist es einfach falsch so zu handeln.
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