Israelische Armee Joints gegen Kriegstraumata

Israel will Soldaten, die über traumatische Kriegserinnerungen klagen, mit einer Cannabis-Behandlung helfen. Der Test ist zunächst mit Freiwilligen geplant, die an einem so genannten Posttraumatischen Stress-Syndrom leiden.


Joint: Hilfe gegen PTSD?
DPA

Joint: Hilfe gegen PTSD?

Der israelische Forscher Rafael Meshulam hat sehr gute Erfahrungen mit Cannabis gemacht. In Experimenten mit Mäusen konnte der Wissenschaftler eine beruhigende Wirkung nach verschiedenen Traumata nachweisen.

Jetzt will Meshulam auch Soldaten mit Joints behandeln, berichtete heute die israelische Zeitung "Maariv". Der Versuch am Medizinischen Korps der Israelischen Armee soll mit Freiwilligen erfolgen, bei denen nach ihrem Reservedienst ein so genanntes Posttraumatisches Stress-Syndrom (PTSD) diagnostiziert wurde.

Zu den Symptomen zählen wiederholte, unausweichliche Erinnerungen oder wiederholte Inszenierungen der traumatischen Ereignisse in Gedächtnis oder Träumen. Mitunter kommt es dabei auch zu akuten Ausbrüchen von Angst, Panik oder Aggression bis hin zu körperlicher Gewalt gegen Angehörige.

Auch amerikanische Soldaten, die von ihrem Einsatz im Irak nach Hause kehren, leiden häufig unter Depressionen, Angstzuständen und PTSD. Eine Studie von US-Psychologen hatte jüngst ergeben, dass PTSD umso häufiger auftritt, je mehr Schießereien die Soldaten erlebt hatten.

Cannabis als Medikament einzusetzen, wie nun bei PTSD-Patienten geplant, ist in Israel keine Neuheit. In der Vergangenheit hatte das Gesundheitsministerium bereits grünes Licht für den Einsatz von Joints als Schmerzlinderer gegeben - allerdings nur im Falle spezieller chronischer Erkrankungen.

Meshulam hatte im Februar gemeinsam mit seinem Kollegen Ester Fride eine Cannabis-Pille vorgestellt, die speziell für Kinder und Babys gedacht ist. Die Pille soll angeblich keinerlei Auswirkungen auf das Gehirn haben, jedoch trotzdem Schmerzen stillen. Die Forscher müssen ihre Entwicklung allerdings noch im klinischen Einsatz testen, bevor sie als Medikament vermarktet werden kann. Meshulam sagte, das dies noch einige Jahre dauern werde.



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